Geschichten

Eine Stimme aus dem Dunkeln

Am 4. August 2020 verwüstete eine Explosion die Stadt Beirut. Vier Monate nach der Explosion leiden die Menschen immer noch unter den Folgen der Katastrophe.

«Der Winter ist noch der einzige, der an meine Tür klopft» – Saad

 

«Kurz nach der Explosion klopften verschiedene Personen an meine Tür und boten ihre Hilfe an. Meine Antwort war immer dieselbe: Oh Gott, ja, bitte! Aber jetzt, nach all diesen Wochen ist der Strom der Helfer versiegt. Der Winter ist noch der einzige, der an meine Tür klopft», erzählt Saad in seinem Zuhause in Beirut.

 

Die Treppe hinauf zu Saads Tür zu gelangen, ist nicht leicht. Der Winterregen fliesst die Treppe hinunter, während unser Team die unebenen, rutschigen Stufen hinaufklettert und darauf achtet, nicht über zerbrochene Fliesen zu stolpern. Kurz nachdem wir anklopfen, öffnet Saad die Tür zu einem schwach beleuchteten Raum. Er bewegt sich langsam durch sein enges Zuhause und zeigt uns die beiden Wohnbereiche – eine einzige Deckenlampe spendet notdürftig Licht.

 

Saad zeigt auf seinen eingebundenen Fuss und erklärt: «Aufgrund von Bluthochdruck und Diabetes scheint meine schwere Fusskrankheit einfach nicht mehr zu heilen. Unmittelbar nach der Explosion und dem verheerenden Schaden am Gebäude war es mir in meinem Gesundheitszustand unmöglich, den Raum zu verlassen. Angesichts der Wirtschaftskrise im Libanon konnte ich auch meine Medikamente nicht mehr regelmässig besorgen.»

«Die Treppe im Gebäude zu überwinden, dauert am längsten, da ich mich sehr vorsichtig und langsam bewegen muss. Und jetzt, im Winter, wird es wegen der nassen, rutschigen Oberflächen und der Kälte fast unmöglich für mich, sodass ich meistens jemanden aus dem Gebäude zu Hilfe rufen muss, um mir hinunterzuhelfen.»

 

Während Saad spricht, bildet sich neben ihm eine Wasserpfütze auf dem Fussboden. «Es regnet gerade. Die Explosion zerbrach mein einziges Fenster. Leider war ich seither nicht in der Lage, es zu ersetzen. Ich habe es nicht abgedeckt, da ich sonst zu wenig Luft bekomme.»

Im Rahmen von Medairs Einsatz werden nun die Stufen repariert und Geländer angebracht, damit Saad sein Haus wieder gefahrlos verlassen kann. Sein Fenster wird rechtzeitig vor dem Winter ersetzt sein, um ihn vor Kälte und Regen zu schützen. «Ich werde Ihnen ewig dankbar sein für die Unterstützung, die Sie mir zukommen lassen. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass mich jemand hört. Ihr Besuch hat mir Hoffnung geschenkt», sagt Saad. Für ihn und andere von der Explosion in Beirut Betroffene, bedeutet ein Klopfen an der Tür durch Medair, dass nun Hilfe naht.

 

Bitte helfen Sie uns, in Beirut an weitere Türen zu klopfen.

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