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Wir leben von der Hoffnung

Im grössten Flüchtlingslager der Welt eine Pandemie überleben

Seit die 57-jährige Amina* und ihr Ehemann Asif, 63, vor der anhaltenden Gewalt in Myanmar geflüchtet sind, haben sie nur noch einen Wunsch: «Ich möchte nach Hause zurückkehren. Dort bin ich geboren worden und dort habe ich mein ganzes Leben lang verbracht», sagt Asif. «Ich bin zwar hier, aber mein Herz ist immer noch jenseits dieser Hügel», ergänzt Amina, wobei sie die hügelige Grenzlandschaft zwischen Bangladesch und Myanmar meint.

Jetzt, wo sie im Flüchtlingslager Kutupalong untergebracht sind, ist das Leben für das Paar selbst unter den besten Umständen eine enorme Herausforderung. Asifs Gesundheitszustand hat sich derart verschlechtert, dass er kaum noch aufstehen kann und nun tagelang auf einer Matte auf dem Boden liegen muss. Amina hilft ihm so gut sie kann durchzuhalten.

Seit COVID-19 im Lager angekommen ist, gibt es noch weniger Anlass zu Optimismus: «Gerüchten zufolge könnte sich das Virus im ganzen Lager verbreiten. Wenn dieses Horrorszenario eintreten sollte, sehen unsere Zukunftsaussichten düster aus – ich möchte gar nicht daran denken», sagt Amina.

Asif and Amina, pictured in their shelter. © Medair

Asif und Amina, abgebildet in ihrer Notunterkunft. © Medair

Um sie in dieser besonders schwierigen Zeit zu unterstützen, versorgten Mitarbeitende von Medair und freiwillige Helfer Amina und Asif sowie viele andere gefährdete Familien mit lebenswichtigen Haushaltsgegenständen, die von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereitgestellt worden waren. Jedes Set enthält Decken, Abdeckplanen, Solarleuchten, Seil, eine Schlafmatte, ein Moskitonetz und Gesichtsmasken.

Die freiwilligen Helfer nutzten zudem die Gelegenheit während des Verteilens, mit den Familien über Präventionsmassnahmen zu sprechen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. «Auch für uns freiwillige Helfer sind diese Informationen äusserst wichtig», erklärt Hasan, ein 23-jähriger freiwilliger Medair-Mitarbeitender aus der Rohingya-Gemeinschaft. «Ich wasche meine Hände mehrmals täglich, besonders beim Betreten meiner Unterkunft. Auch meiner ganzen Familie habe ich diese Massnahme vermittelt.»

Hasan, Medair volunteer, shares information on items being given to a Rohingya family. © Medair

Hasan, freiwilliger Medair-Mitarbeitender, erteilt Informationen zu Gegenständen, die an eine Rohingya-Familie abgegeben werden. © Medair

Das Set mit Haushaltsgegenständen hat Amina und Asif ein wenig Erleichterung verschafft: «Mit den erhaltenen Gegenständen können wir uns nicht nur vor dem Virus, sondern auch vor Moskitos schützen. Die Solarleuchte hilft uns nachts, uns zurechtzufinden. Für meinen Mann ist das besonders wichtig, da er sich unwohl fühlt und häufig die Latrine benutzen muss. Ich bin sehr dankbar für diese Unterstützung.»

Während ihre Zukunft ungewiss ist, sind Amina und Asif entschlossen, vorwärts zu schauen: «Wir leben von der Hoffnung, dass wir diese Pandemie überstehen werden und eines Tages sicher nach Hause zurückkehren können.»

Medair ist eine internationale humanitäre Hilfsorganisation, die Nothilfe- und Wiederaufbaumassnahmen für Familien leistet, die durch Naturkatastrophen, Konflikte und andere Krisen in Not geraten sind. Medair ist derzeit in 12 Ländern aktiv. In Bangladesch arbeitet Medair in Partnerschaft mit World Concern.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und damit nicht unbedingt auch dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.