Geschichten

Syrien: Ein täglicher Kampf ums Überleben

Manche denken, die Krise in Syrien sei vorbei.Das ist leider ein Irrtum..

Als die Krise in Syrien 2011 anfing, war das Land täglich in den Nachrichten und sozialen Medien. Fotos und Videos zeigten die harte, herzzerreissende Realität von Zerstörung und Blutvergiessen.

In den Jahren danach wurde immer weniger über das Land berichtet. Heute ist fast ganz von den Titelseiten verschwunden. Hier und da gibt es Berichte über Kämpfe und Bombardierungen – oder Gespräche, Waffenstillstände und Friedensmissionen. Die Krise, wie wir sie einst kannten, ist deutlich abgeklungen. Doch auch wenn Syrien immer weniger Aufmerksamkeit bekommt heisst das nicht, dass das Leben in den als «sicher» deklarierten Gebieten besser geworden ist.

 

Was geschieht heute in Syrien?

Die schon seit zehn Jahren andauernde Krise hat einen grossen Teil der Infrastruktur des Landes in Mitleidenschaft gezogen. Unterkünfte, Gesundheitszentren und Spitäler sind entweder komplett zerstört oder kaum noch intakt. Derzeit sind nur 58 Prozent der Spitäler in Syrien funktionsfähig. Die schweren Schäden an Wasser-, Strom- und Abwassersystemen führen dazu, dass Menschen tage- und manchmal wochenlang ohne fliessendes Wasser oder Strom auskommen müssen. Viele Gemeinschaften sind in ihren Gebieten durch Überschwemmungen und defekte Kanalisationssysteme von der Ausbreitung verschiedenster Krankheiten bedroht.

Für Millionen von Familien in Syrien ist das tägliche Leben inzwischen ein einziger Kampf. Mehr als 13 Millionen syrische Staatsangehörige sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Krise führt zu einem erbitterten ums Überleben. In weiten Teilen des Landes, sei es Aleppo, Der-ez-Zor, Idleb, Al-Hasakeh, Damaskus und dessen Umland, Homs und Dar’a und in vielen weiteren Gebieten, deren Namen Sie vielleicht noch nie gehört haben, kämpfen syrische Familien darum, ihre Grundbedürfnisse zu stillen.

 

Sie fragen sich vielleicht, von welchen Grundbedürfnissen wir sprechen
Nun, die Menschen stehen stundenlang Schlange, nur um Brot und andere notwendige Lebensmittel zu kaufen. Gas und Treibstoff sind knapp, ebenso wie Wasser in Gegenden, in denen die Infrastruktur beschädigt wurde oder man auf Elektrizität angewiesen ist. Um Wasser für ihre Haushalte zu gewinnen, suchen Menschen Alternativen: viele sind heutzutage darauf angewiesen, Wasser zu überhöhten Preisen aus unbekannten oder unsicheren Quellen und unzuverlässigen Lastwagen zu kaufen. Hinzu kommt ein drastischer Rückgang des Wasserstands des Euphrat, der zu einer reduzierten Energieproduktion und Wasserknappheit im gesamten Nordosten Syriens führt.

In der Hoffnung auf einen Neuanfang, kehren Familien in ihre längst verlassenen Häuser zurück. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Viele Häuser sind beschädigt, haben keine Türen oder Fenster mehr und bieten an rauen Wintertagen keinen Schutz vor der Kälte. Oft mangelt es in den Badezimmern an der Grundausstattung und manchmal gibt es nichts, worauf man schlafen kann. Kurz gesagt: Das vertraute Zuhause ist nicht mehr da.

Die Situation hat sich seit 2020 rapide verschlechtert. Covid-19 war ein zusätzlicher Nackenschlag für ein Land, das sich nur mit Mühe aufrechthält. Etwa 300 000 Menschen sind arbeitslos. Hinzu kommen eine ohnehin instabile Wirtschaft, Sanktionen und steigende Preise für Güter des täglichen Bedarfs (verbunden mit Abwertung des syrischen Pfund um 78 Prozent). Infolgedessen sind über 80 Prozent der Familien nicht in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu decken, und fast 90 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Menschen können somit nicht einfach zu Hause zu bleiben, um sich vor Covid-19 zu schützen, denn sie müssen Essen auf den Tisch bringen.

 

Die Realität im heutigen Syrien ist klar: Es gibt noch viel zu tun. Doch wir alle können helfen.

 

Medair engagiert sich seit 2015 in Syrien. Unsere Mission konzentriert sich darauf, Not zu lindern und dort zu unterstützen, wo es darauf ankommt: bei der Sanierung von Häusern, damit die Menschen darin in Würde leben können. Bei der Instandsetzung von Gesundheitszentren und deren Ausstattung mit dem Nötigsten, damit sie funktionieren. Bei der Reparatur und Ausstattung von Wasser- und Abwassersystemen, um die Gemeinschaft vor durch Wasser übertragenen Krankheiten zu schützen. Und bei der Verteilung von Tanks für Haushalte oder der Bereitstellung von sicheren Tanklastwagen, um den täglichen Trinkwasserbedarf zu decken.

Es wird mehr als nur ein paar Monate dauern, um dem Land und seinen Menschen zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen und nicht jeden Tag mit der Sorge aufzuwachen, wie sie sich sicheres Wasser, Gesundheitsversorgung und Nahrung leisten können.

Angesichts dieser Situation zählt Ihre Unterstützung umso mehr. Egal, ob gross oder klein, jeder Beitrag hilft, das Leid eines Menschen in Syrien zu lindern.

Wie Sie helfen können, ein Leben in Syrien zu verändern, erfahren Sie hier.

 

Hauptbild ©Zain Albadeen


 

Medair-Einsätze in Syrien werden aus Mitteln der Europäischen Kommission für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe, der Glückskette sowie von privaten Spendern finanziert.

Bitte beachten Sie, dass alle in diesem Artikel genannten Statistiken aus dem Bericht über den humanitären Bedarf 2021, OCHA 2021, stammen.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Hilfsorganisationen übertragbar.