Der Tag, an dem das Klassenzimmer zum Zuhause wurde
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«Die Möglichkeit, nachts eine Tür mit Schloss und Schlüssel abzuschliessen, gibt mir ein Gefühl der Sicherheit», sagt Khaled, ein Vater, der innerhalb des Libanons vertrieben wurde.
Khaled, 56, stammt aus dem Südlibanon, wo er sich mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ein Leben aufgebaut hatte. Jahrelang war sein Zuhause ein Ort der Stabilität, an dem der Alltag vorhersehbar und sicher war. Heute ist dieses Gefühl der Normalität der Ungewissheit gewichen, während er und seine Familie ihr Leben als Binnenvertriebene meistern.
«Wenn ich an diesem Schultisch sitze, erinnert mich das an meine eigene Schulzeit, als ich still darauf wartete, dass der Unterricht beginnt. Damals war das Warten einfach und voller Versprechen. Heute sitze ich an einem ähnlichen Pult, aber statt auf den Unterricht zu warten, warten meine Familie und ich darauf, dass dieses Klassenzimmer in einen Wohnraum verwandelt wird, damit wir unsere Privatsphäre und einen Ort haben, an dem wir uns sicher fühlen. Es ist eine andere Art des Wartens, eine, die von Ungewissheit geprägt ist, aber auch von der Hoffnung, dass wir bald eine Tür schliessen und diesen Raum unser Eigen nennen können.»
Als die Zwangsräumungsanordnung auf Khaleds Handy eintraf, änderte sich für die Familie alles. Panik machte sich breit, als er und seine Frau ihre beiden Kinder riefen und sich nur noch auf eines konzentrierten: sie in Sicherheit zu bringen. «Wir flohen sofort mit unseren beiden Kindern und fanden Zuflucht in einer öffentlichen Schule im Libanongebirge, die zu einer Sammelunterkunft umfunktioniert worden war.»
Doch die Sicherheit brachte neue Herausforderungen mit sich. Die Schule war bereits überfüllt, voller Familien, die ebenfalls kurzfristig und gewaltsam aus ihren Häusern geflohen waren. Khaleds Familie wurde einem Klassenzimmer zugewiesen, das sie sich mit einer anderen vierköpfigen Familie teilte.
«Es gab keine Wände oder Türen, nur einen offenen Raum für acht Menschen, die sich nicht kannten.»
Das Leben unter solchen Bedingungen bedeutete ständige Belastung. Es gab keine Privatsphäre, um sich umzuziehen, keinen ruhigen Ort zum Ausruhen und keine Abgrenzung zwischen den Familien. Die Nächte waren besonders schwer, mit unterbrochenem Schlaf und dem anhaltenden Gefühl der Ungewissheit. Mit der Zeit begann die Erschöpfung sowohl das körperliche als auch das psychische Wohlbefinden zu beeinträchtigen.
Trotz des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Familien machte der Platzmangel das tägliche Leben zu einer Herausforderung. In dem Bemühen, eine Art Abgrenzung zu schaffen, improvisierten die Familien eine Lösung. «Wir spannten eine blaue Plastikplane quer durch das Klassenzimmer und befestigten sie mit Seilen von einer Seite zur anderen. Sie war zerbrechlich und schirmte den Lärm nicht ab, aber es war die einzige Lösung, die wir hatten. Es war auf jeden Fall besser als nichts.»
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Khaleds Erfahrung spiegelt die Realität vieler vertriebener Familien im gesamten Libanon wider, wo Sammelunterkünfte – oft öffentliche Schulen – über ihre Kapazitäten hinaus ausgelastet sind.
Heute finden kleine, aber bedeutsame Veränderungen statt. «Ich sitze gerade vor dem Klassenzimmer, während das Team von Medair geeignete Trennwände und Türen einbaut, damit jede Familie endlich ihren eigenen Raum haben kann.» Die Wirkung davon ist tiefgreifend für die Familien.
Finanziert vom UNHCR und anderen grosszügigen Unterstützern, und umgesetzt von Medair, haben unsere Teams technische Begutachtungen in über 70 Sammelunterkünften in der Bekaa-Ebene und im Libanongebirge durchgeführt und dabei 62 Unterkünfte identifiziert, die dringend saniert werden müssen. In diesen Unterkünften leben derzeit mehr als 11 000 Menschen, darunter libanesische Familien und syrische Geflüchtete, die durch den anhaltenden Krieg vertrieben wurden.
In einer Reihe von Unterkünften sind die Sanierungsarbeiten bereits abgeschlossen, in anderen laufen weitere Arbeiten. Mit diesen Arbeiten erreichen wir, die Lebensbedingungen zu verbessern, ein Gefühl der Privatsphäre wiederherzustellen und Familien, die Zuflucht suchen, sicherere und würdigere Räume zu bieten.
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«Es hat etwas sehr befreiendes, einen Raum zu haben, den man sein Eigen nennen kann. Er wird niemals unser Zuhause im Süden ersetzen, dessen Schicksal wir noch immer nicht kennen, aber er gibt uns Würde. Die Möglichkeit, nachts eine Tür abschliessen zu können, gibt mir etwas Frieden. Es mag klein erscheinen, aber für uns bedeutet es Privatsphäre, Sicherheit und die Möglichkeit, wieder als Familie zusammenzuleben.»
Khaleds Geschichte ist die einer von vielen Familien, die derzeit mit Vertreibung zu kämpfen haben, sich an neue Realitäten anpassen und trotz aller Ungewissheit an einem Leben in Würde festhalten.
Die Arbeit von Medair im Libanon wird ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) über Interaction-CH, dem deutschen Auswärtigen Amt, dem US-Aussenministerium, der monegassischen Entwicklungszusammenarbeit, der Métropole de Grenoble sowie grosszügigen privaten Spendern.
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von Informationen erstellt, die von Mitarbeitenden von Medair vor Ort und in der Zentrale zusammengetragen wurden. Die hierin geäusserten Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und spiegeln in keiner Weise die offizielle Meinung anderer Organisationen wider.
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