Ein Ort für einen Neuanfang
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Als Marina aufgrund der Kämpfe zum zweiten Mal gezwungen war, ihr Zuhause in der ukrainischen Region Donezk zu verlassen, war die Flucht in Sicherheit erst der Anfang. Die Mieten waren für sie unerschwinglich, und Vermieter zögerten, sie und ihren Hund aufzunehmen. Die Suche nach einer Unterkunft wurde so zu einer weiteren grossen Herausforderung. Durch das von der Europäischen Union finanzierte Programm «Alternative Housing Solutions» von Medair fand Marina mehr als nur eine Wohnung. Sie fand die Stabilität, um ihr Leben neu aufzubauen.
Jahrelang hatte Marina sich in einer Stadt in der Region Donezk ein Leben aufgebaut. Sie arbeitete am Bahnhof und hatte dort ein Zuhause und eine Gemeinschaft.
Dann veränderte der Krieg alles.
Als sich die Kämpfe im Jahr 2022 verschärften, musste Marina fliehen. Sie gelangte in eine andere Stadt in einem sichereren Gebiet und versuchte, neu anzufangen. Sie fand Arbeit in einem Bergwerk und passte sich so gut es ging an ein Leben an, das sie so nie geplant hatte.
Doch die Sicherheit währte nicht lange.
Ende 2025 rückten die Kämpfe erneut in das Gebiet vor, in dem Marina lebte. Als sich die Lage verschlechterte, musste sie die schmerzhafte Entscheidung treffen, ihr Zuhause ein zweites Mal zu verlassen.
In Sicherheit – aber ohne ein Zuhause
Marina kam zunächst in einem Durchgangszentrum an – einer vorübergehenden Einrichtung, in der Geflüchtete kurzfristig Unterkunft und grundlegende Unterstützung finden können.
Für Menschen, die aus Gemeinschaften an der Front evakuiert werden, kann das Erreichen eines sichereren Ortes sofortige Erleichterung bringen. Doch eine Evakuierung löst nicht alle Probleme. Die nächste Frage kann ebenso beängstigend sein: Wohin geht es von hier aus?
Marina ist eine von rund 3,45 Millionen Menschen, die innerhalb der Ukraine weiterhin oder neu als Binnenvertriebene leben. Einen Ort zu finden, an dem sie ihr Leben neu aufbauen können, wird immer schwieriger. Rund 14 % des Wohnungsbestands des Landes wurden durch den Krieg beschädigt oder zerstört – über drei Millionen Haushalte sind davon betroffen. Marinas Erfahrung, mehr als einmal entwurzelt worden zu sein, ist keineswegs ungewöhnlich. Die UNO schätzt, dass 40 % der Binnenvertriebenen in der Ukraine mehrere Vertreibungen erlebt haben, weil wiederholte Angriffe Familien dazu zwingen, auf der Suche nach Sicherheit erneut umzuziehen. Vorübergehende Durchgangs- und Sammelunterkünfte bieten ein unverzichtbares Sicherheitsnetz – langfristige Wohnlösungen sind sie jedoch nicht.
Hier setzt das Programm «Alternative Housing Solutions» von Medair an.
Medair begleitet vertriebene Haushalte individuell auf dem Weg zu einer sicheren, würdevollen und unabhängigeren Unterkunft. Je nach den Umständen kann dies die Suche nach Wohnraum, die Kommunikation mit Vermietern, die Überwindung von Hindernissen bei der Dokumentation sowie die Vermittlung an andere Dienste umfassen – ergänzt durch vorübergehende Mietbeihilfen.
Für neu Vertriebene, die in der Lage sind, ein Einkommen zu erzielen, leistet Medair bis zu sechs Monate lang Wohnunterstützung. Das verschafft ihnen eine Phase der Stabilität, ohne den unmittelbaren Druck, Miete zahlen zu müssen. So können sie sich darauf konzentrieren, Arbeit zu finden, ein regelmässiges Einkommen aufzubauen und wieder unabhängig zu werden.
Das Team von Medair organisierte Marinas weiteren Umzug aus dem Durchgangszentrum und unterstützte sie bei der Suche nach einem Ort, an dem sie sich niederlassen konnte.
Ein Zuhause für Marina – und ihren Hund
Hohe Mietpreise und die notwendige Kaution stellten grosse Hindernisse dar. Dazu kam die Schwierigkeit, einen Vermieter zu finden, der bereit war, Marina zusammen mit ihrem Hund aufzunehmen.
Schliesslich entschied Marina, dass eine Stadt in der Oblast Dnipro ihr die besten Chancen für einen Neuanfang bot. Mit der Unterstützung von Medair fand sie eine bezahlbare Unterkunft, in der sie und ihr Hund zusammenleben konnten.
Für jemanden, der wiederholt vertrieben wurde, bedeutet eine Wohnung weit mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf.
Sie bedeutet Privatsphäre nach der Unsicherheit der Evakuierung. Einen Ort für persönliche Gegenstände. Eine Nachbarschaft, in der man nach Arbeit suchen kann. Und, vielleicht am wichtigsten, die Möglichkeit, wieder Entscheidungen über die eigene Zukunft zu treffen.
Die Unterstützung von Medair ist als vorübergehende Brücke zu mehr Unabhängigkeit gedacht. Je nach Situation und örtlichen Gegebenheiten kann bis zu sechs Monate lang Mietbeihilfe gewährt werden. Begleitend dazu helfen Sozialarbeitende den Haushalten, Hindernisse zu überwinden, die sie sonst in provisorischen oder unsicheren Unterkünften festhalten würden

Ein sicheres Zuhause kann ein Neuanfang sein
Als Mitarbeitende von Medair Marina später besuchten, berichtete sie von Verbesserungen ihres psychischen und emotionalen Wohlbefindens. Sie fühlte sich ausgeglichener und blickte zuversichtlicher in die Zukunft.
Es gab noch eine weitere wichtige Entwicklung: Marina hatte Arbeit gefunden und befand sich gerade in der Probezeit – ein bedeutsamer Schritt auf dem Weg zur selbstständigen Existenzsicherung.
Sie hofft, dass ihre neue Unterkunft langfristig zu einem sicheren und vertrauten Zuhause wird und es ihr ermöglicht, nach und nach wieder Stabilität in ihr Leben zu bringen.
Ihre Geschichte zeigt, warum Wohnhilfe mehr bedeutet als die Bereitstellung von Gebäuden. Eine sichere Unterkunft kann die Grundlage bilden, auf der betroffene Menschen beginnen, sich von ihrer Vertreibung zu erholen: Arbeit zu finden, Zugang zu Dienstleistungen zu erhalten, den Alltag wieder aufzubauen und das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen.
Dieses Prinzip steht im Mittelpunkt der Arbeit von Medair in der Ostukraine.
Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union leistet Medair in den Regionen Tscherniwzi, Sumy, Charkiw, Donezk, Dnipro und Saporischschja umfassende Unterstützung in den Bereichen Unterkunft, Wasser, Sanitärversorgung und Winterfestmachung. Neben alternativen Wohnlösungen umfasst diese Arbeit die Instandsetzung von durch den Konflikt beschädigten Häusern und Gemeinschaftsunterkünften, die Verbesserung der Wärmedämmung, die Sanierung der Wasser- und Heizungsinfrastruktur sowie die Bereitstellung von Winterhilfe für besonders schutzbedürftige Haushalte.
Medair verknüpft diese Arbeit zudem mit psychologischer und psychosozialer Betreuung sowie Gesundheitsdiensten, die im Rahmen ergänzender Programme angeboten werden. So erhalten betroffene Menschen Unterstützung, die über ihre unmittelbaren Wohnbedürfnisse hinausgeht.
Für Marina bleibt die Zukunft ungewiss. Das Zuhause, das sie zurückgelassen hat, befindet sich nach wie vor in einer Region, die stark vom Krieg betroffen ist. Doch nachdem sie zweimal entwurzelt wurde, hat sie nun wieder einen Ort, von dem aus sie ihren Weg fortsetzen kann. Und manchmal beginnt der Wiederaufbau mit etwas so Einfachem – und so Wichtigem – wie einem Ort, den man «Zuhause» nennen kann.
Das Projekt «Alternative Housing Solutions» von Medair wird von der Europäischen Union und grosszügigen privaten Spendern finanziert. Dieser Artikel wurde durch Mitarbeitende von Medair vor Ort und am internationalen Hauptsitz verfasst.
Die darin vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Organisationen übertragbar.
Hauptbild: Marina mit Ivan, einem Case-Management-Beauftragten von Medair, und ihrem Hund in ihrem neuen Zuhause. Mit der Unterstützung von Medair fand Marina eine sichere und bezahlbare Unterkunft, nachdem sie zum zweiten Mal aus ihrer Heimat fliehen musste. © Medair
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