Geschichten

Bargeldhilfe während COVID-19 anpassen

Während die Tragweite von COVID-19 in den Industrieländern zu spüren war, wurden alle bestehenden Medair-Programme angepasst, um die Ausbreitung des Coronavirus in den bereits von Krisen betroffenen Gemeinschaften einzudämmen.

Alle Bereiche unserer Arbeit waren davon betroffen. Die Pandemie zwang unsere Teams weltweit dazu, ihre Möglichkeiten zur Unterstützung der Gemeinschaften zu überdenken.

So wäre der Beginn des Geld-für-Arbeit-Programms im zentralen Hochland von Afghanistan eigentlich für April vorgesehen gewesen. Die Menschen hätten jedoch eng nebeneinander arbeiten müssen, um die Gräben und Dämme zu bauen, welche Sturzfluten durch die winterliche Schneeschmelze hoch in den Bergen verhindern und dem Boden helfen sollten, kostbares Wasser für die Felder zu speichern. Um die Gesundheit der Mitarbeitenden und Teilnehmenden zu schützen, wurde die schwierige Entscheidung getroffen, diese Aktivitäten nicht wie geplant durchzuführen.

 

Die Aktivitäten vollständig abzusagen, hätte für die Programmteilnehmenden, die mit einem Einkommen über mehrere Monate rechneten, drastische Folgen. Die Preise für Lebensmittel und lebensnotwendige Haushaltsgegenstände waren aufgrund der durch COVID-19 verursachten Versorgungsengpässe in die Höhe geschnellt. Das Projektteam in Afghanistan beschloss deshalb auf «bedingungslose Bargeldhilfe» umzusteigen, damit Familien das erwartete Einkommen erhalten. Sobald die Aktivitäten wieder unter sicheren Bedingungen stattfinden können, werden die Geld-für-Arbeit-Programme fortgeführt. Dies wird der gesamten Gemeinschaft nachhaltige Vorteile bringen.

Als eine Form der humanitären Hilfe wird Bargeldhilfe wegen ihrer Flexibilität und erwiesenen Wirksamkeit zur Deckung der Bedürfnisse von Menschen in Notlagen immer öfter eingesetzt. Unterstützung durch Bargeld wahrt die Würde des Einzelnen und ermöglicht es Einzelpersonen oder Familien, ihre dringendsten Bedürfnisse selbst zu gewichten und über den Einsatz der Mittel zu entscheiden. Wenn genügend Ressourcen im lokalen Markt verfügbar sind, kann Bargeldhilfe zudem die Wirtschaft ankurbeln und Gemeinschaften so helfen, sich schneller zu erholen.

Aus diesen Gründen hat Medair in verschiedenen Notlagen auf Bargeldhilfe als bevorzugte Unterstützungsmassnahme zurückgegriffen – entweder durch einen transaktionsorientierten Ansatz wie Geld für Arbeit, Lebensmittel und Gesundheitsprojekte oder durch bedingungslose Mehrzweck-Bargeldhilfe.

Dominika Bednarova, Global Cash and Humanitarian Innovation Advisor bei Medair, bezeichnet die Geld-für-Arbeit-Projekte als eine «Win-Win-Situation» für Gemeinschaften:

«Nicht nur die Teilnehmenden, sondern ganze Gemeinschaften profitieren von den Projekten. Diese ermöglichen zum Beispiel den Bau einer Brücke, einer Schule oder die Reparatur der Infrastruktur nach einer Katastrophe. Jede Geld-für-Arbeit-Initiative hat zum Ziel, dass sie der ganzen Gemeinschaft zugutekommt.»

Ein kürzlich abgeschlossenes Geld-für-Arbeit-Projekt in einer abgelegenen Gemeinschaft in der DR Kongo hat mit dem Bau einer neuen Brücke den Zugang zu medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe erleichtert. Bisher waren die Gesundheitsdienste in der nächstgelegenen Stadt Hombo nur über eine gefährliche provisorische Brücke, die einen reissenden Fluss überquerte, zu erreichen. Mit dem Fachwissen von Medair im Bereich Infrastruktur als Basis zur Umsetzung, war dieses Projekt die perfekte Gelegenheit zur Anwendung des ganzheitlichen und integrativen Geld-für-Arbeit-Elements.

Connie Smith, stellvertretende Leiterin des Landesprogramms in der DR Kongo, berichtet, dass das Team eng mit Mitgliedern der Gemeinschaft zusammenarbeitete, um die am stärksten gefährdeten und ausgegrenzten Menschen einzubeziehen.

«Zusammen mit den Gemeindevorstehern entschieden wir, wer teilnehmen würde und ob diese Personen länger arbeiten oder ob eine grössere Anzahl von Teilnehmenden kürzer arbeiten und sich die finanziellen Vorteile teilen sollten.»

Connie erlebte, wie das zusätzliche Einkommen Familien massgeblich weiterhalf. «In der Regel verwenden die Teilnehmenden das Geld, um Schulden zu begleichen, Schulgebühren zu bezahlen und Lebensmittel zu kaufen. Einige nutzen es auch für ihre Heirat und das Hochzeitsfest.»

Bridge
Connie ist von der Wirkung der Geld-für-Arbeit-Projekte in der DR Kongo überzeugt und hofft, diese in Zukunft ausbauen zu können. «Ich hoffe, noch mehr solcher Projekte durchführen zu können. Auf diese Weise lässt sich die lokale Gemeinschaft hervorragend einbinden.»

Laut The Cash Learning Partnership Network wird Bargeld in verschiedenen Kontexten von Regierungen und humanitären Organisationen vorrangig eingesetzt, weil es eine anhaltende Unterstützung ermöglicht und gleichzeitig das Übertragungsrisiko von Krankheiten reduziert. Es dient zudem der Unterstützung und Förderung der lokalen Wirtschaft – ein Ansatz, den auch viele Industrienationen derzeit verfolgen.

Solange die aktuelle Pandemie nicht unter Kontrolle ist und die Gemeinschaften ihr normales Leben wieder aufnehmen können, wird Medair die Programme weiter anpassen und prüfen, inwieweit Menschen, die nicht nur unter COVID-19, sondern auch unter anderen Krisen leiden, mit Bargeld unterstützt werden können.

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