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Hoffnung bewahren: Wo das Überleben ein täglicher Kampf ist

March 25, 2026
von Medair
Jordanien
In Jordanien, wo der humanitäre Bedarf weiter steigt, reagiert Medair mit lebensrettender Hilfe für gefährdete Gemeinschaften.

Nada und ihre Familie, darunter ihr Mann, vier Kinder und ihre Schwiegermutter, sind 2012 aus Syrien nach Jordanien gekommen. Seitdem leben sie in einem kleinen Zelt im Süden von Amman und stehen wie viele andere Geflüchtete täglich vor Herausforderungen, die ihr Leben noch schwieriger machen.  

Beim Betreten des Zeltes fällt sofort auf, wie sorgfältig Nada versucht, Wärme an einem Ort zu schaffen, der ihr so wenig zurückgibt. Die abgenutzten, nicht zusammenpassenden Decken sind ordentlich gefaltet und um einen kleinen Heizkörper herum angeordnet, der kaum funktioniert. Jedes Detail zeugt von ihren Bemühungen, ihrer Familie trotz der rauen Umgebung ein Gefühl von Ordnung und Komfort zu vermitteln. Es ist ein Zuhause, das auf Widerstandsfähigkeit und nicht auf Ressourcen aufgebaut ist.

Für Nada und ihren Mann Hamad gehen die Schwierigkeiten jedoch weit über wirtschaftliche Not hinaus. Die grössten Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, sind die Gesundheitsprobleme ihrer Kinder.  

Trotz ihrer Widerstandsfähigkeit bleiben die Lebensbedingungen der Familie hart, und jeder Tag ist ein Kampf um die Grundversorgung. Mit Tränen in den Augen und leiser Stimme erzählt Hamad: «Das Schwierigste für die Familie ist der Gesundheitszustand meiner Kinder. Es ist schmerzhaft, sie leiden zu sehen, während ich nichts für sie tun kann.»

Hamad sitzt mit seinem ältesten Sohn Jamal, seiner Tochter Rou'a und dem Baby Somaya. © Medair

Jamal, der Älteste, und seine Schwester Rou'a leiden beide unter schweren gesundheitlichen Problemen, die ihre Sprache, Mobilität und kognitiven Fähigkeiten in unterschiedlichem Ausmass beeinträchtigen. Jamals Zustand ist schwerwiegender, sodass er im Gegensatz zu Rou'a nicht zur Schule gehen kann.

Beide Kinder müssen zu einem Arzttermin, um richtig untersucht und weiterbehandelt zu werden. Bisher waren sie wegen finanzieller Engpässe nur einmal beim Arzt. Selbst die Transportkosten sind für sie unerschwinglich. Erschwerend kommt hinzu, dass Hamad arbeitslos ist. Er hat keine Arbeitserlaubnis und hat Angst, illegal zu arbeiten. Er erklärt: «Ich habe Angst, draussen zu arbeiten und ins Gefängnis zu kommen oder nach Syrien abgeschoben zu werden. Meine Kinder brauchen mich an ihrer Seite.»

Jamal spielt mit seinem kleinen Bruder Salah und ihrer Grossmutter.© Medair

Obwohl Jamal und Rou'a ihre Liebe zu ihren Geschwistern nicht in Worte fassen können, sprechen ihre Taten eine deutlichere Sprache als alles, was sie sagen könnten. Während des gesamten Besuchs gingen sie immer wieder auf ihre Brüder und Schwestern zu, umarmten und küssten sie liebevoll, als würden sie ihnen still zuflüstern: Wir lieben euch.

Nada hat kürzlich Zwillinge zur Welt gebracht, Salah und Somaya. Hamad sagte voller Freude: «Gott hat mir Salah und Somaya als Entschädigung für meine beiden Kinder gegeben, die ich vor zehn Jahren verloren habe.»

Medair hat schnell reagiert und die Kosten für die Entbindung und die Neugeborenenpflege in Höhe von 850 jordanischen Dinar (1198 US-Dollar) übernommen. Diese lebenswichtige Hilfe bewahrte Hamad vor neuen Schulden und verschaffte der Familie einen Moment der Erleichterung und Hoffnung. «Die Hilfe kam wie ein Geschenk des Himmels. Die Zwillinge blieben etwa zwölf Tage lang in der Neugeborenenpflege, und in weniger als einem Monat war die Spitalrechnung bezahlt. Sie haben mich vor neuen Schulden bewahrt», sagte Hamad.

Hamad mit seinem Baby Salah und seiner Tochter Rou'a.© Medair

Trotz der Freude über die Geburt ihrer Zwillinge, die sie als Segen und Entschädigung für alles betrachten, was sie verloren haben, steht die Familie weiterhin vor enormen Schwierigkeiten. Im Winter dringt Regen in ihr Zelt ein, und die Kälte verschlimmert ihre ohnehin schon prekären Lebensbedingungen. Hamad beschreibt ihre Notlage: «Wasser dringt in das Zelt ein, und die Kälte ist unerträglich.»

Das Gesundheitsteam verwies die Familie an eine Stelle, die ihnen eine vielseitige finanzielle Unterstützung gewährte, um ihre dringendsten Grundbedürfnisse zu decken und ihre finanziellen Belastungen zu verringern. Ihre Geschichte spiegelt die täglichen Schwierigkeiten vieler Gemeinschaften von Geflüchteten in Jordanien wider, die unter harten Bedingungen leben und dennoch versuchen, ein Leben in Würde zu führen.

Die Arbeit von Medair in Jordanien wird durch die Unterstützung der Europäischen Union und des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht. Gemeinsam begleiten wir die schutzbedürftigen Geflüchteten und helfen ihnen, die anhaltenden Hindernisse beim Zugang zu lebensrettender Gesundheitsversorgung und Notfallbehandlung zu überwinden, wenn es darauf ankommt.

March 25, 2026
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