Geschichten

Warum Testet Medair Blockchain?

Seit 20 Jahren bin ich in humanitären Krisen rund um die Welt im Einsatz. Egal in welchem Land oder welcher Krise, immer wieder bin ich beeindruckt vom Durchhaltevermögen der Menschen angesichts grosser Herausforderungen. Ihr Einfallsreichtum inspiriert mich und mein Team, wenn wir nach besseren Wegen suchen, um Hilfe in entlegene und unsichere Gebiete zu bringen.

Als Blockchain-Projektverantwortlicher bei Medair bin ich überzeugt, dass das Tool unsere Hilfsleistungen erheblich verbessern kann. Technologie lässt sich nicht oft an einen humanitären Kontext anpassen, hier haben wir jedoch etwas, das sowohl den Menschen vor Ort als auch unseren Spenderinnen und Spendern sowie Partnerorganisationen zugutekommen kann.

Wer spendet möchte wissen, wie viel des Beitrags tatsächlich bei den Menschen ankommt. Der Kern der Sache ist daher Vertrauen. Kann man sich darauf verlassen, dass die humanitären Organisationen Menschen in Not kosteneffizient unterstützen?

Das oft zitierte Motto von Blockchain «Don’t trust, verify» (vertraue nicht, verifiziere) hat mich von Anfang an neugierig gemacht. Was könnte das für humanitäre Organisationen bedeuten? Tatsächlich bietet die Blockchain eine Lösung, wenn wir Transaktionen schnell und in grossem Umfang durchführen wollen.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten innerhalb einer Woche nach einer Katastrophe Zehntausende von Familien in einem anderen Land mit Geld unterstützen. Internationale Banküberweisungen sind zeit- und kostenintensiv. Daher lohnt es sich, nach günstigeren, schnelleren und sichereren Lösungen wie Blockchain zu suchen, die auf einem offenen, dezentralen Netzwerk basieren. Die gebotene Transparenz stellt sicher, dass alle Beteiligten (nicht nur die Bank) Zugriff auf relevante Informationen haben. Die von Blockchain gebotene Transparenz revolutioniert damit den Spendenprozess.

Bei einem Innovationsworkshop am Schweizerischen Institut für Technologie in Lausanne wirkten alle Anwesenden jünger als 50. Die Moderatorin fragte die Teilnehmenden: «Vertrauen Sie gemeinnützigen Organisationen?». Nur wenige Hände gingen in die Höhe. Dann fragte sie: «Vertrauen Sie Blockchain?» Fast jede Hand ging nach oben. Für mich war das ein Aha-Erlebnis, insbesondere da Berichte darauf hindeuten, dass jüngere Generationen mindestens genauso gern spenden wie ältere Generationen. Grob gesagt unterstützen Jüngere dabei eher zweckgebundene Aktionen und Projekte, ältere Menschen hingegen eher Personen und Organisationen.

Wie könnte Blockchain also das Vertrauen zwischen humanitären Organisationen und ihrer Spendenbasis über verschiedenen Generationen hinweg neugestalten? Ein Schweizer Startup Unternehmen hat möglicherweise die Antwort gefunden.

AIDONIC ist ein Blockchain-Unternehmen für die humanitäre Hilfe. Ich habe es über die Glückskette entdeckt, eine Stiftung, die Spenden für humanitäre Hilfsprojekte sammelt. Gemeinsam testen wir die AIDONIC-Plattform in einem humanitären Umfeld. Im Gegensatz zu anderen innovativen, von uns getesteten Technologien wurde die AIDONIC-Plattform gezielt entwickelt, um viele der Probleme zu lösen, die in der humanitären Arbeit auftreten.

Severiyos Aydn, der Gründer von AIDONIC, war zehn Jahre lang in der Entwicklungshilfe tätig. Er kennt den Kontext und die Herausforderungen der Branche. Auch wenn einige Funktionen noch in der Entwicklungsphase sind, ist AIDONIC schon jetzt ein echter Gamechanger. Hilfsorganisationen können online ihre Spendeneinnahmen verwalten, Gruppen von Hilfeempfängern erstellen und Hilfsgüter verteilen. Da jede Transaktion registriert wird, können die von der Blockchain erstellten Berichte nicht manipuliert werden. Humanitäre Organisationen können ihre Hilfsgüter über lokale Partnerorganisationen an Menschen in Not verteilen, und dabei jederzeit sicher sein, dass Angaben zu 100 % korrekt sind.

Medair testet derzeit, wie AIDONIC bei der Akquise neuer Spendenden eingesetzt werden kann und vertrauensvolle, transparente Beziehungen aufgebaut werden können. Im Durchschnitt fliessen bei Medair beispielsweise 93 % aller Spenden direkt in die humanitäre Hilfe. Verwaltungskosten entfallen grösstenteils auf Ausgaben, die direkt mit der Hilfeleistung verbunden sind. Dazu gehören Finanzprüfungen, Bankgebühren, Schulungen von Mitarbeitenden, Gehälter und Versicherungen sowie die für die Arbeit notwendige Geräte, Materialien und Fahrzeuge. Wenn wir die Kosten auch nur um 0,5 % senken können, erreichen mehr Mittel die Bedürftigen.

Im Rahmen eines echten Projekts, bei dem Menschen im Libanon mit Bargeldhilfe unterstützt werden, wird Medair mit Unterstützung der Glückskette die AIDONIC-Plattform mit traditionellen Methoden vergleichen, die in der humanitären Hilfe verwendet werden. Es geht dabei nicht nur um Kosteneffizienz bei der Bereitstellung von Hilfe und ein verbessertes Spendenerlebnis. Es soll auch geprüft werden, wie sich eine grössere Transparenz auf die Beziehung zur Spendenbasis auswirkt. Im Idealfall wird sich auch eine Verbesserung der Hilfslieferungen zeigen – ein Thema, das ich im nächsten Blogbeitrag behandeln werde. In der Zwischenzeit freue ich mich über Ihre Fragen und Meinung zum Thema. Natürlich sind wir Ihnen auch sehr dankbar, wenn Sie dieses Projekt unterstützen – sei es, indem Sie es in Ihrem Netzwerk verbreiten oder durch einen finanziellen Beitrag. Hier erfahren Sie mehr über AIDONIC.

 

Dieser Artikel wurde von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten und am internationalen Hauptsitz verfasst. Die vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Hilfsorganisationen übertragbar.