Geschichten

Ein schmerzfreies Leben führen

Im Rahmen der Reaktion auf die verheerenden Erdbeben vom 6. Februar stellt Medair in Syrien zum ersten Mal Mehrzweck-Bargeldhilfe für bedürftige Familien bereit.

«Tariq ist jetzt fünfzehn Jahre alt. Die Ärzte sagen, wir müssen ein Blutzuckermessgerät kaufen, um seinen Gesundheitszustand zu überwachen. Aber wir haben kein Geld dafür. Wir wissen nur, dass sein Blutzucker gestiegen ist, wenn er ohnmächtig wird», erklärt Hani, 45, im Gespräch mit Moataz vom Medair-Team über den Gesundheitszustand seines Sohnes.

Die Krise in Syrien dauert an. Mittlerweile hat sie die Dauer des Ersten und Zweiten Weltkriegs zusammen überschritten und dazu geführt, dass zwei Drittel der Bevölkerung humanitäre Hilfe benötigen. Meistens sind die Menschen, die dringend auf Hilfe angewiesen oder mit extremer Not konfrontiert sind, auch am schwersten zu erreichen. Medair hat sich darauf spezialisiert, humanitäre Hilfe an die entlegensten Orte zu bringen, und ist bestrebt, die Bedürftigen in vielen verschiedenen Bereichen zu unterstützen.

Vor einigen Jahren fanden sich Nisreen, 39 Jahre alt, und Hani, 45, in einer der Kliniken im Stadtteil Bustan Al Qasr in Aleppo wieder. Sie hatten ihren damals vierjährigen Sohn Tariq zur ärztlichen Untersuchung gebracht. Tariq war kurz nach der Geburt mit Diabetes diagnostiziert worden. Nun hatte der Arzt festgestellt, dass durch die Erkrankung Tariqs Leber angriffen worden war und zu einer Leberfibrose geführt hatte. Nachdem sie sich von dem Schock erholt hatten, begannen die Eltern mit der medizinischen Behandlung ihres geliebten Kindes.

Tariq is in the hospital. He wakes up with the help of the doctors after the sugar in his blood has risen, and faints.

Der 15-jährige Tariq leidet an Diabetes. Die Krankheit beeinträchtigt auch andere Organe in seinem Körper und er wird oft ohnmächtig. Zur medizinischen Überwachung muss er regelmässig das Krankenhaus besuchen. ©Medair/Lubna Zarzour

Tariq blieb einige Wochen lang im Krankenhaus. «Seine Situation ist ernst und erfordert eine ständige medizinische Überwachung sowie regelmässige Krankenhausbesuche. Der Diabetes beeinträchtigt auch die Funktion seiner Lunge, was zu Atembeschwerden führen kann», erklärte der Arzt.

Aufgrund der teuren Behandlungskosten waren Nisreen und Hani gezwungen ihr Haus in Aleppo verkaufen, um einen Teil der Behandlungskosten zu decken. Hani versuchte, sich Geld von Verwandten und Nachbarn zu leihen.

Jahr für Jahr benötigte Tariq mehr Aufmerksamkeit. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich nicht, und der Diabetes griff auch andere Organe an. Kürzlich begann Tariqs Bauch anzuschwellen, weil sich Flüssigkeit in seinem Körper angesammelt hatte.

Eines Tages, als Hani wie üblich in der Autowerkstatt für einen Tageslohn arbeitete, fielen ihm Personen in Medair-Uniform auf. Es waren einige unserer Gesundheitshelfenden, die durch das Viertel Bustan Al Qasr in Aleppo gingen, um Untersuchungen durchzuführen und Patientendaten registrierten. Hani näherte sich ihnen bekam einen Hoffnungsschimmer, als er hörte, dass Medair Menschen in Not unterstützt.

«Tariq ist jetzt fünfzehn Jahre alt. Die Ärzte sagen, wir müssen ein Blutzuckermessgerät kaufen, um seinen Gesundheitszustand zu überwachen. Aber wir haben kein Geld dafür. Wir wissen nur, dass sein Blutzucker gestiegen ist, wenn er ohnmächtig wird», erklärte Hani im Gespräch mit Moataz vom Medair-Team über den Gesundheitszustand seines Sohnes.

Tarig, 15 years old, and his father Hani are talking to Moataz from the Medair team in Bustan AL Qasr area in Aleppo.

Hani, 45, bespricht mit Medair-Mitarbeitendem Moataz den Gesundheitszustand seines Sohnes Tariq, der kurz nach der Geburt mit Diabetes diagnostiziert wurde. Die Behandlungskosten sind so hoch, dass Hani und seine Frau ihr Haus verkaufen mussten. ©Medair/Lubna Zarzour

Moataz schrieb alle erforderlichen Informationen auf und versprach Hani, ihn anzurufen und ihn bald zu besuchen.

Drei Tage später besuchte das für Bargeldhilfe zuständige Medair-Team die Familie in ihrem gemieteten Haus in Bustan Al Qasr. Bargeldhilfe ist deshalb so nützlich, weil sie vielseitig einsetzbar ist und den Empfängern die Freiheit lässt, selbst zu entscheiden, wofür es ausgegeben werden soll. Tariqs Eltern hat es bei der Bezahlung der Behandlung ihres Sohnes unterstützt.

«Das Wissen, dass es aufmerksame Menschen gibt, die sich um unseren Sohn und uns kümmern, genügt uns. Ich wünsche mir, dass mein Sohn glücklich ist und ein Leben ohne Schmerzen führen kann», sagt Hani mit dankbarem Blick, als er die Mehrzweck-Bargeldhilfe von Moataz entgegennimmt.

«Ich habe auch ein paar Magenprobleme, deshalb ist mein Bauch geschwollen,» erklärte Tariq dem Medair-Team und klopfte sich lächelnd auf den Bauch.

«Mein Bauch ist geschwollen», sagt der 15-jährige Tariq zu Moataz vom Medair-Cash-Team. «Papa sagt, dass ich einige Probleme mit meinem Bauch habe und dass es mir bald wieder gut gehen wird», fügt der Junge mit einem freundlichen Lächeln hinzu. ©Medair/Lubna Zarzour

Nisreen, Tariqs Mutter, kann ihre Tränen nicht zurückhalten. «Ihre finanzielle Unterstützung ist die letzte Hoffnung, die wir haben, bevor wir unseren Sohn verlieren. Die Ärzte sagen, dass er nicht mehr lange leben wird, wenn er nicht die notwendige Behandlung bekommt», sagte sie unter Tränen.

Dank der grosszügigen Unterstützung des Disaster Emergency Committee (DEC) und Tearfund konnte das Medair-Cash-Team bis Ende Juli dieses Jahres 3508 Menschen in Aleppo mit Mehrzweck-Bargeldhilfe erreichen. Medair setzt die Verteilung dieser Art humanitärer Hilfe an bedürftige Menschen weiterhin fort.

 


Die Arbeit von Medair in Syrien wird durch das Disaster Emergency Committee (DEC) des Vereinigten Königreichs und Tearfund sowie durch grosszügige private Spendende wie Sie ermöglicht.

Dieser Artikel wurde von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten und am internationalen Hauptsitz verfasst. Die vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Hilfsorganisationen übertragbar.

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