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Ein nachhaltiger Weg in die Zukunft

Das Gesundheitssystem im Libanon steht kurz vor dem Zusammenbruch, gleichzeitig steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen erheblich. Das Land hat mit einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen der Welt zu kämpfen und bricht unter der Versorgungslast für die notleidende Bevölkerung zusehends zusammen. In Spitälern, Gesundheitszentren für die Basisversorgung (Primary Health Centres, PHC) und anderen Gesundheitseinrichtungen fällt der Strom täglich stundenlang aus. Grund sind ein Mangel an Dieselkraftstoff für Notstromaggregate und Ausfälle im staatlichen Stromnetz. Dies ist eine grosse Herausforderung, die die Leistungen der Gesundheitszentren erheblich beeinträchtigt. 

In Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium unterstützt Medair zwei soziale Einrichtungen (Social Development Centres (SDCs)), die medizinische Grundversorgung für syrische Geflüchtete und hilfsbedürftige Menschen aus dem Libanon im Bekaa-Tal anbieten. Dort fördert Medair das medizinische Personal, besorgt lebenswichtige Medikamente und fördert Beratungsgespräche und Laboruntersuchungen. Diese Gesundheitszentren haben gegenüber anderen Gesundheitseinrichtungen Vorrang, da sie die einzigen Gesundheitszentren in den jeweiligen Gebieten sind. Die beiden gut erreichbaren Gesundheitszentren versorgen zahlreiche Gemeinden und informelle Siedlungen und bieten eine Vielzahl von Behandlungen an.  

Im Rahmen der Klimacharter arbeitet Medair an innovativen und nachhaltigen Lösungsansätzen bei der Unterstützung von Geflüchteten und Aufnahmegemeinschaften und hat Solarpanels in den beiden Gesundheitszentren installiert. Solarenergie ist umweltfreundlich, setzt keine Treibhausgase frei und erneuerbare, saubere Energie ist sofort verfügbar. Die Errichtung von Solarmodulen ermöglicht es den Einrichtungen, ihren Betrieb nachhaltig aufrechtzuerhalten, ohne dabei auf fossile Brennstoffe angewiesen zu sein, und gleichzeitig die Umwelt zu schützen.  

Abdul Dennaoui https://medair.resourcespace.com/?r=161055&k=432165214e ©Medair/Abdul Dennaoui Caption: Solar panel cells installed on the rooftop of the Marj Social Development Centre in the Bekaa Valley on the 8th of June 2022. Solar panels have been provided by Medair to both Social Development Centres (SDCs) Marj and Talia, under an institutional donor.   Name: Solar Panels Marj Health Facility Alt-text: Solar panels

Solarmodule, die am 8. Juni 2022 auf dem Dach des Marj Social Development Center im Bekaa-Tal installiert wurden. Medair hat mit Unterstützung eines institutionellen Gebers Solarmodule für die beiden sozialen Einrichtungen Marj und Talia bereitgestellt. ©Medair/Abdul Dennaoui

«Bevor die Solarpanels installiert wurden, mussten wir unsere Sprechstunden und Dinge wie Ultraschalluntersuchungen auf die begrenzte Verfügbarkeit von Strom abstimmen. Oft blieb dafür nur ein kleines Zeitfenster. Immer wieder kam es vor, dass wir die Leute für geplante Untersuchungen wieder nach Hause schicken mussten, weil plötzlich kein Strom da war. Das war nicht vorhersehbar. Auch die Flure waren immer dunkel, weil es kein Licht von aussen gab. Das drückte auf die Stimmung des Personals und der Patientinnen und Patienten. Wir konnten den Menschen keine verlässlichen Termine anbieten, weil wir einfach nicht wussten, wann der Strom verfügbar ist. Das staatliche Netz liefert im Durchschnitt etwa vier Stunden Strom pro Tag. An guten Tagen ist der Strom nur acht Stunden lang weg», sagt Nasrat, Wartungstechniker in einer der Gesundheitseinrichtungen in Marj.  

Nasrat arbeitet bereits seit mehreren Jahren in der von Medair unterstützten Gesundheitseinrichtung. Er erzählt, dass sich seit der Installation der Solarpanels auch das Arbeitsklima deutlich verbessert hat.  «Vielen Dank an alle Beteiligten, die uns hier die Solarmodule zur Verfügung gestellt haben. Es ist ein Segen, Strom zu haben. Endlich können die Beschäftigten hier normal arbeiten. Etwas so Simples wie Licht am Arbeitsplatz trägt viel zu einem positiven Arbeitsumfeld bei und schont dabei noch die Umwelt. Das ist der Weg für eine nachhaltigen Zukunft», sagt Nasrat.  

Mit Unterzeichnung der Klimacharter verpflichtet sich Medair, einen Beitrag zur Reduzierung der Klimaemissionen zu leisten. Das geschieht unter anderem durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Gleichzeitig soll auch den Auswirkungen des Klimawandels begegnet werden, indem beispielsweise Unterkünfte so nachgerüstet werden, dass sie Überschwemmungen und Stürmen standhalten. 

Der Klimawandel entwickelt sich zu einer zunehmenden Bedrohung für die Lebensgrundlage und das Überleben vieler Gemeinschaften. Nachhaltige Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien sind von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, die durch den Klimawandel verursachten Probleme zu verringern. 

Solar panels

Solarmodule, die am 8. Juni 2022 auf dem Dach des Marj Social Development Center im Bekaa-Tal installiert wurden. Medair hat mit Unterstützung eines institutionellen Gebers Solarmodule für die beiden sozialen Einrichtungen Marj und Talia bereitgestellt. ©Medair/Abdul Dennaoui

 


Die Arbeit von Medair im Bekaa-Tal im Libanon wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und von Chaine du Bonheur (Glückskette) finanziert. 

Dieser Artikel wurde von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten und am internationalen Hauptsitz verfasst. Die vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Hilfsorganisationen übertragbar.