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Unermüdlich im Einsatz für besonders gefährdete Menschen

Kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation das Coronavirus zur Pandemie erklärt hatte, suchte Medair Unterstützung im globalen Einsatz gegen die Verbreitung des Virus.

Die steigenden Kosten für persönliche Schutzausrüstungen und die Ausgaben für die Aufrechterhaltung der Lieferketten haben zu einer Finanzierungslücke von mehr als 1,6 Millionen US-Dollar geführt. In allen unseren Länderprogrammen ist es unsere Priorität, die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen und für besonders gefährdete Menschen lebensrettende Unterstützung zu leisten. Allein im Monat April erreichten wir mehr als 200 000 Menschen mit Präventionsbotschaften zu COVID-19 und versorgten 36 000 Menschen mit Hygieneartikeln.

Wie gelingt es, inmitten einer Pandemie die grundlegendsten Dienste aufrechtzuerhalten? Mit dieser Frage setzt sich derzeit die ganze Welt auseinander, und das gilt auch für das Medair-Team in Afghanistan. Fast alle Geschäfte sind sowohl in Grossstädten als auch auf kleineren Basaren geschlossen, und es gelten Ausgangssperren. Die Strassen sind nahezu menschenleer, religiöse Versammlungen nur beschränkt möglich, und die Schulen sind geschlossen.

Die Behandlung unterernährter Frauen und Kinder gilt als lebenswichtige Dienstleistung. Daher bekam Medair die Bewilligung, den Einsatz fortzusetzen. Trotz neuer Herausforderungen setzen wir uns weiterhin unermüdlich für die Menschen in Afghanistan ein, denn unser Grundauftrag ist es, besonders gefährdete Menschen, gerade auch in den entlegensten Orten, mit lebensrettender Unterstützung zu erreichen.

Als anfangs 2020 globale Richtlinien zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus herausgegeben wurden, passten unsere Teams vor Ort alle ihre humanitären Aktivitäten umgehend an. Mobile Ernährungsteams begannen sofort mit der Umsetzung von Vorkehrungen zur Gewährleistung der Sicherheit von Mitarbeitenden und Patienten. Inzwischen haben wir die Anzahl der Handwaschstationen an den Ernährungsstandorten mehr als verdoppelt. Ausserdem wird jeder Besucher auf Symptome von COVID-19 untersucht. Mitarbeitende und freiwillige Helfer tragen angemessene Schutzausrüstungen (PSA) und informieren darüber, was COVID-19 ist und wie die Übertragung verhindert werden kann. Der direkte Kontakt mit unterernährten Frauen und Kindern wird auf ein Minimum beschränkt, und die Räume werden vor und nach der Arbeit gründlich desinfiziert.

In die abgelegenen Dörfer der zentralen Hochlandregion Afghanistans zu gelangen, war schon immer eine Herausforderung, auch vor dieser neuen Krise. Manche Weiler sind nur über schmale, tückische Strässchen zu erreichen, die sich entlang felsiger Abgründe winden. Oft sind diese Orte durch Schneefall, Lawinen und Erdrutsche von der Aussenwelt abgeschnitten.
Verteilung von Seife in abgelegenen Weilern unter Beachtung der Abstandsregeln.
An einem Morgen, nachdem wir stundenlang durch die Berge navigiert waren, stand unser Team vor einem neuen Hindernis. Um COVID-19 fernzuhalten, war kurz vor dem Dorf eine provisorische Strassensperre errichtet worden.

Wir trafen uns mit den Gemeindevorstehern und erläuterten ihnen die Vorkehrungen, die wir grundsätzlich treffen, und wie sich Medair im Dorf bereits für die Ärmsten und Bedürftigsten eingesetzt hatte. Dem Team wurde daraufhin glücklicherweise rasch der Zugang ins Dorf gewährt.

Dorfbewohner errichten eine provisorische Strassensperre zur Verhinderung der Ausbreitung von COVID-19.

In diesem Dorf konnten wir viele unterernährte Schwangere und Kleinkinder behandeln, darunter auch Roya*, ein 16 Monate altes Mädchen. Roya litt unter starker Unterernährung, während das Dorf im strengen Winter durch Schnee von der Aussenwelt abgeschnitten war. Roya und ihre Mutter erhielten therapeutische Nahrungsmittel, Medikamente und Hygieneberatung.

Eine Krankenpflegerin beriet eine Mutter mit einem Neugeborenen beim Stillen. Diese war hilfesuchend über die Hügel ins Dorf gelaufen, weil Probleme beim Stillen ihres 12 Tage alten Babys sie sehr beunruhigten. Ein von Medair geschulter freiwilliger Helfer aus dem Dorf unterrichtete die Bewohner über die Risiken des Coronavirus und erinnerte die wartenden Mütter daran, wie sie sich die Hände richtig waschen sollten.

Am Ende des Tages, als das Team sich zur Abreise bereitmachte, bat uns ein Gemeindevorsteher, zurückzukehren. Wir dankten den Einwohnern für ihren freundlichen Empfang und wünschten ihnen Gesundheit und Zuversicht.

COVID-19 wirkt sich überall auf die Lebensweise der Menschen aus, auch in den entlegensten Gebieten Afghanistans. Die Art und Weise, wie wir in unseren Programmen arbeiten, passen wir laufend den aktuellen Begebenheiten an. Aber an unserem Mandat, auch die besonders gefährdeten Menschen mit unserer Unterstützung zu erreichen, hat sich nichts geändert. Wir machen uns auf die stundenlange Fahrt zurück zu unserer Basis – aber wir werden zurückkehren.


Medair ist eine internationale humanitäre NGO, die Nothilfe- und Wiederaufbaumassnahmen für Familien leistet, die durch Naturkatastrophen, Konflikte und andere Krisen in Not geraten sind. Medair ist derzeit in 12 Ländern aktiv.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und damit nicht unbedingt auch dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.

 

*Der Name wurde geändert.