Irmans Geschichte

„Als wir ankamen, stand da dieser Mann. Mitten auf der Strasse. Als er merkte, dass wir gekommen waren, um zu helfen, lächelte er und folgte unserem Wagen“,

„Als wir ankamen, stand da dieser Mann. Mitten auf der Strasse. Als er merkte, dass wir gekommen waren, um zu helfen, lächelte er und folgte unserem Wagen“, erinnert sich Dr. Nicky vom mobilen Gesundheitsteam von MAP (Menara Agung Pengharapan, eine indonesische Partnerorganisation von Medair).

Irman lebt in Soulowe, einem kleinen, von grünen Reisfeldern umgebenen Dörfchen in Sigi, im Landesinnern der indonesischen Insel Sulawesi. Am 28. September war er mit seiner Familie zu Hause und kochte Reis für das Abendessen, als plötzlich die Erde zu beben begann. „Das ganze Haus wackelte, die Wände stürzten ein. Zum Glück schafften wir es rechtzeitig ins Freie. Meiner Familie geht es gut – aber unser Haus liegt in Trümmern.“

Es ist nicht das erste Erdbeben, das Irman und seine Familie heimsucht. Bereits 2004 zerstörte ein heftiges Beben sein Haus und verletzte seine kleine Tochter. „Die Wand brach ein und stürzte auf die Kleine herab. Doch meine Tochter ist ein starkes Mädchen, sie überlebte“, erzählt Irman. Mit seiner zehnköpfigen Familie lebt er derzeit in einem notdürftigen, selbstgebauten Zelt. Es steht gleich neben dem Schutthaufen, der noch vor kurzem sein Zuhause war.

Koordiniert durch die indonesische Regierung, verteilen lokale Hilfsorganisationen im Dorf Kleidung, Nahrungsmittel und ein paar wenige Zelte. Doch die Hilfsleistungen reichen bei Weitem nicht. „Nahezu jede Familie ist betroffen. Die meisten Häuser sind unbewohnbar“, so Irman. „Obwohl die Häuser von aussen teilweise noch intakt aussehen, sind sie innen voller Risse und alles andere als sicher.“

So übernachten viele Menschen im Freien. Die Schlafzonen sind überfüllt und es herrschen schlechte Hygienebedingungen. Zelte, Decken und Moskitonetze sind Mangelware. Letztere sind jedoch sehr wichtig, um Krankheiten wie dem Dengue-Fieber oder Chikungunya vorzubeugen. Auch lokale Märkte wurden in Mitleidenschaft gezogen. Hygieneartikel wie Seife, Zahnbürsten oder Babywindeln sind nirgends verfügbar.
Wie er sich seine Zukunft vorstellt? Irman hofft auf Hilfe beim Wiederaufbau seines Hauses und der seiner Nachbarn. Doch die Bewohner von Sulawesi benötigen mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Die Existenz sämtlicher Dorfbewohner ist direkt von der örtlichen Reisernte abhängig.

Zum Glück konnte das Erdbeben den Reisfeldern nichts anhaben. Allerdings zerstörte das Beben das einzige Bewässerungssystem der Gegend. „Das Wasser muss unbedingt bald wieder fliessen. Sonst vertrocknen unsere Reispflanzen und uns geht in ein paar Monaten die Nahrung komplett aus“, erklärt Irman besorgt.

Das Erdbeben vom 28. September hat nicht nur Häuser zerstört, sondern auch die lokale Wirtschaft stark getroffen und Menschen traumatisiert oder in schwere Schockzustände versetzt. „Patienten kommen in die Klinik und berichten von einem beklemmenden Gefühl im Brustbereich“, so Dr. Nicky von MAPs mobilem Gesundheitsteam. „Ihre Symptome weisen auf enormen psychischen Stress und Angstzustände hin.“ Mit dem seelischen Zustand der Betroffenen verhält es sich wie mit ihren Häusern: Äusserlich zeigen sie sich widerstandsfähig und blicken mutig in die Zukunft. Doch tief in ihrem Innern hat das Erdbeben tiefe Risse hinterlassen. Risse, die so schnell nicht gekittet werden können.


Ein erfahrenes Nothilfeteam von Medair ist auf der Insel Sulawesi im Einsatz und bereit, im schwer getroffenen Landesinnern ihren Einsatz aufzunehmen. Das Team arbeitet eng mit folgenden drei einheimischen, registrierten und in der zerstörten Region tätigen NGOs zusammen: Yayasan Menara Agung Pengharapan – Indonesia (MAP), Yayasan Bumi Tunggah (YBT) und Cipta Fondasi Komunitas (CFK). Über diese lokalen Partnerorganisationen plant Medair eine Verteilung von Notunterkünften, weiteren Gebrauchsgütern („Non Food Items“) sowie Hygieneartikeln in den am stärksten betroffenen Bezirken Donggala, Sigi und Palu.