Irak: „Nicht einmal eigene Kleider“

Jassim wohnt in einem fremden Haus. Den Besitzer kennt der 49-Jährige nicht. Auch ist nicht sicher, wie lange er mit seiner achtköpfigen Familie darin wohnen bleiben darf. Mit Frau und Kindern zog er im September 2017 in das leerstehende Haus in Sindschar ein. Seit bewaffnete Gruppen im August 2014 in ihre Region vordrangen, harrte die Familie in Lagern und baufälligen Gebäuden aus.

Jassim wohnt in einem fremden Haus. Den Besitzer kennt der 49-Jährige nicht. Auch ist nicht sicher, wie lange er mit seiner achtköpfigen Familie darin wohnen bleiben darf. Mit Frau und Kindern zog er im September 2017 in das leerstehende Haus in Sindschar ein. Seit bewaffnete Gruppen im August 2014 in ihre Region vordrangen, harrte die Familie in Lagern und baufälligen Gebäuden aus. „Unser Dorf wurde als erstes angegriffen“, erinnert Jassim sich.


Medair-Teams besuchen Familien, die jüngst nach Sindschar zurückgekehrt sind. Sie ermitteln den Bedarf vor Ort und versorgen Bedürftige mit Decken, Kerosinheizöfen und Behältern zur Lagerung von Brennstoff. Die Stromversorgung ist unregelmässig und teuer, Kerosin fürs Kochen und Heizen unabdingbar. Wir gingen in 47 Dörfern von Haus zu Haus, um die bedürftigsten Familien zu identifizieren und ihre dringendsten Bedürfnisse zu ermitteln.

Jassims Frau Farina hiess das Medair-Team in ihrem Garten willkommen. Wir erfuhren, dass die Familie keinerlei Einkünfte hat und versorgten sie mit grundlegenden Haushaltsgütern. Insgesamt verteilte Medair in der Region Sindschar 1‘953 solcher Haushaltssets an Familien. Finanziert wurde das Projekt vom Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen.


Solche Verteilungen sind essentiell wichtig. Gleichzeitig besteht aber auch ein wesentlicher Teil der Arbeit von Medair darin, mit Menschen in Kontakt zu treten, ihnen genau zuzuhören – und dann praktische oder emotionale Unterstützung zu leisten.

Farina vertraute uns an, dass sie an einer chronischen Krankheit leidet und auf Medikamente angewiesen ist. Wir informierten sie über die mobile Gesundheitsklinik von Medair, die wöchentlich Menschen in Sindschar behandelt. Jassim berichtete uns von der Zeit, als er in seinem Dorf auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeitete und mit dem Geld die gesamte Familie durchbrachte. „Wir hatten damals ein gutes Leben“, sagt er.


Dagegen waren die letzten Jahre enorm hart. „Wir waren komplett von anderen Menschen abhängig“, so Jassim. „Noch nicht einmal Brot für unsere Kinder konnten wir uns leisten.“

Jassim fällt es schwer, den Kopf nicht hängen zu lassen. Aber die Hilfe von Medair gibt ihm Hoffnung. „Wir haben alles verloren und sind dringend auf die Dinge angewiesen, die wir von euch erhalten“, sagt er. „Ich wünsche mir sehr, dass alles bald besser wird und wir anfangen können, uns ein neues Leben aufzubauen.“