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Fünf wichtige Fakten über die Hungerkrise

Hunger ist nicht das einzige Problem. Hunger gefährdet Kinder am stärksten, weil ihre jungen und sich entwickelnden Körper anfälliger für Krankheiten wie Durchfall und Masern sind wie die von Erwachsenen.

1. Hunger gefährdet die Gesundheit von Kindern überdurchschnittlich

Hunger gefährdet Kinder am stärksten, weil ihre jungen und sich entwickelnden Körper anfälliger für Krankheiten wie Durchfall und Masern sind wie die von Erwachsenen. Während einer Krise sind Kinder auch deshalb besonders verwundbar, weil sie oft nicht diejenigen Nährstoffe aus ihrer Nahrung erhalten, die sie für eine gesunde Entwicklung benötigen – z.B. aufgrund von Stillproblemen oder weil sie keine für ihr Alter geeignete Nahrung bekommen. Auch schwangere Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sind einem höheren Unterernährungsrisiko ausgesetzt.

Unterernährung beeinträchtigt mehr als nur das körperliche Wohlbefinden. Die Lernfähigkeit und das normale Wachstum eines unterernährten Kindes werden ebenfalls beeinträchtigt, sodass es nicht mehr in der Lage ist, an für seine Entwicklung wichtigen Alltagsaktivitäten teilzunehmen. Bei guter Therapie können sich Kinder jedoch von Unterernährung erholen und ihre Kindheit langsam zurückgewinnen.

Verfolgen Sie Angars Geschichte, um die Veränderungen mitzuerleben, die möglich sind.

2. Konflikt und Hunger sind eng miteinander verbunden

Medair ist in sechs der zehn Länder aktiv, die am stärksten von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. In allen sechs Ländern sind Konflikte im Gange oder sie sind im Begriff, sich langsam davon zu erholen. Konflikte unterbrechen die Nahrungsmittelproduktion – weil beispielsweise Bauern von ihren Feldern vertrieben und damit die Versorgungsketten unterbrochen werden. Die Folge sind für viele unerschwinglich hohe Nahrungsmittelpreise. Fast 80 Prozent aller Kinder, die an Entwicklungsstörungen leiden, leben in Ländern, die von Konflikten betroffen sind.

Quelle: FSIN, GRFC 2020, Oxfam 2020

3. Es geht um mehr als nur um Nahrungsmittelknappheit

Verschmutztes Trinkwasser ist ein oft vergessener Beschleuniger von Hunger.

 

Kontaminiertes Trinkwasser und eine mangelnde sanitäre Infrastruktur wie Handwaschstationen oder hygienische Latrinen tragen zur raschen Ausbreitung von Durchfall und damit verbundenen Krankheiten bei, welche die Aufnahme von Nährstoffen erschweren. Unbehandelt kann dies zu schwerer Unterernährung führen.

Mangelnder oder fehlender Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung ist ein weiterer Faktor, der zu schwerer Unterernährung beiträgt. Ohne Gesundheitseinrichtungen, die therapierbare Krankheiten wie Lungenentzündung, Malaria und Durchfall sofort behandeln können, gehören insbesondere Kinder zu der am stärksten gefährdeten Personengruppe, die ernsthaft unter den lebensbedrohlichen Folgen von Unterernährung leidet.

Ein weiterer, weniger bekannter Umstand, der zu Unterernährung beiträgt, ist eine Ernährung, der es an Vielfalt oder Abwechslung mangelt – oft, weil schlicht kaum andere Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Eine einseitige Ernährung, die zum Beispiel hauptsächlich aus Kartoffeln oder Brot besteht – wie es manchmal in abgelegenen Orten Afghanistans der Fall ist – kann ebenfalls zu Unterernährung führen. Betroffene nehmen dann nicht alle Nährstoffe zu sich, die zur Erhaltung eines gesunden Körpers benötigt werden.

 

4. Die COVID-19 Pandemie verschärft die Situation

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie haben dazu geführt, dass Millionen von gefährdeten Menschen nach jahrzehntelanger Verbesserung ihrer Lebensumstände wieder in die Armut abgerutscht sind.

Die Situation wird sich wahrscheinlich noch erheblich verschlechtern, bevor eine Trendwende eintritt.

Lockdowns schränkten die Möglichkeiten vieler Menschen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, erheblich ein, weil sie dazu auf tägliche Arbeit angewiesen waren. Gleichzeitig brach durch die Arbeitsplatzverluste von im Ausland arbeitenden Familienmitgliedern die Versorgung vieler von Geldüberweisungen abhängiger Familien ein. Lieferketten wurden unterbrochen und lokale Märkte geschlossen, was in manchen Gemeinschaften zu Nahrungsmittelunsicherheit und zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise in einer Zeit führte, da das verfügbare Auskommen in den Familien sowieso bereits knapp war.

Die Auswirkung der Pandemie auf die Ernährungslage darf nicht unterschätzt werden. Das Welternährungsprogramm (WHO) schätzt, dass sich die Zahl der Menschen, die vom Hungertod bedroht sind, innerhalb dieses Jahres auf 270 Millionen verdoppelt hat.

 

5. Lösungen sind möglich

Für uns als einzelne Organisation ist es zwar nicht möglich, alle Faktoren, die Hunger hervorbringen, zu beseitigen. Aber wir können Menschen mit Unterernährung behandeln und uns danach an die Bekämpfung der Ursachen von Hunger machen. Genau dies tun wir seit über 30 Jahren. Dabei konzentrieren wir uns auf besonders schwer erreichbare Gebiete, an denen die am stärksten gefährdeten Menschen oft vergessen gehen.

Konkret bedeutet dies für unsere Programme, dass wir:

Unterernährung behandeln

schwer unterernährte Frauen und Kinder in unseren Kliniken weltweit behandeln und in gefährdeten Gemeinschaften «Selbsthilfegruppen» bilden, welche die Eltern in gesunden Ernährungspraktiken schulen und sie ermutigen, ihre Kinder bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung in die Klinik zu bringen.

Mangelernährung vorbeugen

den Gemeinschaften sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen, Handwaschstationen installieren und Hygieneschulungen durchführen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, die Unterernährung hervorrufen.

Nahrungsmittelsicherheit verbessern

Gemeinschaften in Ländern wie Afghanistan schulen und ihnen die nötigen Geräte zur Verfügung stellen, damit sie ihr eigenes Gemüse anbauen können, um sicherzustellen, dass ihre Kinder die Nährstoffe erhalten, die sie für ein kräftiges und gesundes Wachstum benötigen.

Vielleicht mehr als jemals zuvor ist uns heute nur allzu bewusst, wie verbunden wir alle miteinander in dieser Welt sind. Eine ernüchternde, zugleich aber auch ermutigende Tatsache – weil sie nämlich bedeutet, dass jede Aktion zählt und wir daher alle dort, wo wir sind und mit dem, was wir haben, einen Unterschied machen können.

Informieren Sie sich vertieft über die globale Hungerkrise oder helfen Sie mit Ihrer Spende dort, wo Ihre Unterstützung am dringendsten benötigt wird.