Pressemitteilung

Südsudan: Schwere Überschwemmungen verschärfen Krise in Pibor

20 November 2020  /  Juba

 

 

Amy Van Drunen

Kommunikationsbeauftragte (Englisch) comms-sds@medair.org 

Seit Juli 2020 sind über eine Million Menschen im Südsudan von Überschwemmungen betroffen, davon 404 000 alleine im Bundesstaat Jonglei1. Medairs Nothilfeteam war in diesem Jahr bereits dreimal im Bezirk Pibor, im Bundesstaat Jonglei, im Einsatz und berichtet, dass die Menschen kaum Zeit hatten, sich von einer Katastrophe zu erholen, bevor die nächste hereinbrach.

 

Die Überschwemmungen in der Region verschärfen bereits bestehende Probleme wie interkommunale Gewalt, eine sich verstärkende wirtschaftliche Rezession, zunehmende Ernährungsunsicherheit, Auswirkungen des weltweiten COVID-19 Ausbruchs und steigende Gesundheitsrisiken. Da sich die Regenzeit dem Ende nähert, fliesst das Wasser an mehreren Orten langsam ab. Die Auswirkungen der gegenwärtigen Überschwemmungen auf das Leben der Menschen werden jedoch noch lange nach dem Rückgang der Wasserstände spürbar sein. Viele Menschen haben ihre Häuser und ihr Vieh verloren, Ernten wurden weggespült und Gesundheitseinrichtungen zerstört. Die Befürchtung besteht, dass sich Krankheiten in der Bevölkerung ungehindert ausbreiten werden.

 

Weltweit besteht für mehr als 117 Millionen Kinder das Risiko, dass sie aufgrund der COVID-19 Pandemie nicht gegen Masern geimpft werden können*. Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen (MSF) äusserten sich besorgt** angesichts eines Masernausbruchs in Pibor mit derzeit mehr als 300 Verdachtsfällen – ein alarmierender Anstieg einer durch Impfungen vermeidbaren und potenziell tödlichen Krankheit. Die hochansteckende Krankheit Masern befällt 90 Prozent nicht immuner Menschen, die mit einer infizierten Person*** zusammenleben, was bei Menschen, die unter unhygienischen Lebensbedingungen und in einer überfüllten Umgebung leben, zu ernsten gesundheitlichen Problemen führt. Das Virus wird durch Atemtröpfchen in der Luft von einer infizierten Person übertragen, die gehustet oder geniest hat, oder durch Kontakt mit den Augen, der Nase oder dem Mund nach Berührung einer infizierten Oberfläche und verursacht Fieber, Husten, laufende Nase, rote Augen und Ausschlag4. Kinder unter fünf Jahren gehören zur anfälligsten Personengruppe für Komplikationen einer Maserninfektion; Symptome sind Lungenentzündung, Durchfall und Enzephalitis – eine Art von Hirninfektion4. Noch schwerwiegender sind die Folgen von Masern in Kombination mit Unterernährung, die besonders im Südsudan, einschliesslich Pibor, ein erhebliches Risiko darstellt.

 

*WHO Immunization, Vaccines and Biologicals

**Médecins Sans Frontières Press Release 3. November 2020

***Center for Disease Control and Prevention

Dr. Wendy Dyment, Medairs leitende Gesundheits- und Ernährungsexpertin, steht für weiterführende Fragen zur Verfügung.

Medair ist eine schweizerische humanitäre Hilfsorganisation, die Nothilfe und Wiederaufbaumassnahmen für Familien leistet, die durch Naturkatastrophen, Konflikte und andere Krisen in Not geraten sind.

Medair reagiert auf die Notsituation im Südsudan mit Gesundheits- und Ernährungsleistungen, Wasser-, Sanitär- und Hygieneprojekten sowie mit der Verteilung von lebensnotwendigen Schutzunterkünften und Haushaltsgegenständen.

Regelmässige Updates erhalten Sie auf www.medair.org oder Twitter @Medair_SDS und @MedairPress.

Medairs Nothilfeteam im Südsudan wird von der Europäischen Kommission, UK Aid der britischen Regierung und privaten Spendern unterstützt. Fotos von Medairs Arbeit im Südsudan sind in hoher Auflösung verfügbar. Kontakt: Amy van Drunen: comms-sds@medair.org.

Weiterführende Informationen über das Südsudan-Programm von Medair finden Sie hier.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und damit nicht unbedingt auch dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.