Madagaskar: Willkommen in Ankadibe

Die positiven Veränderungen in einem kleinen Dorf in Madagaskar zeigen, was die Arbeit von Medair bewirken kann.
Um das Dorf Ankadibe zu erreichen, muss man erst eine vierstündige Fahrt in einem Einbaum-Kanu hinter sich bringen. Diese Fahrt hat das Medair-Team schon viele Male unternommen. Im Nordosten Madagaskars findet man Hunderte abgelegene Dörfer wie Ankadibe, die von Überschwemmungen und Wirbelstürmen bedroht sind und nur einen beschränkten Zugang zu sicherem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH) besitzen.
In der Vergangenheit haben die saisonalen Wirbelstürme Ankadibe immer wieder verwüstet, Häuser zerstört, Vieh getötet und zu ausgedehnten Überschwemmungen geführt, die das Wasser verunreinigten und so Durchfallerkrankungen auslösten.
„Während des Wirbelsturms Gafilo stieg das Wasser auf 1,20 Meter an“, berichtet Dorfvorsteher Jean Chretien. „Wir hatten Angst und mussten uns in höher gelegene Gebiete retten, waren aber dort dem Regen schutzlos ausgeliefert. Frauen, die ihre Kinder auf dem Rücken trugen, wurden vom starken Regen regelrecht durchnässt.“
In den letzten drei Jahren hat Medair mit den Bewohnern des Dorfes Ankadibe zusammengearbeitet, um diesen schrecklichen Kreislauf von Zerstörung und Wiederaufbau zu durchbrechen. Zusammen haben wir 20 Wasserpumpen gebaut, Latrinen errichtet und uns für ein besseres Hygieneverhalten eingesetzt. „Vorher haben wir unser Wasser aus einem Brunnen oder aus dem Fluss geholt, aber viele wurden krank. Die meisten bekamen Durchfall“, berichtet die 28-jährige Dorfbewohnerin Suzaline. „Seit wir die Pumpen haben, gibt es keine Durchfallerkrankungen mehr.“
Seit wir mit der Arbeit in Ankadibe begonnen haben, sind die Einwohner hoch motiviert, die Gefährdung durch zukünftige Wirbelstürme zu mindern. Sie erlernten mit viel Engagement neue Fähigkeiten, bildeten Komitees und übernahmen die Verantwortung für ihre neue Infrastruktur.
„Die Einwohner dieses Dorfes waren mit hundertprozentigem Einsatz bei der Arbeit von Medair dabei“, erzählt der einheimische Medair-Mitarbeiter Célestin. „Alle sind mit viel Engagement bei der Sache, um Fortschritte in ihrem Dorf zu bewirken. Wenn ein Problem auftritt oder eine Entscheidung getroffen werden muss, ruft der Dorfvorsteher die Dorfgemeinschaft für eine Besprechung zusammen, damit eine Lösung gefunden wird.“
Nach diesem Prinzip möchte Medair in ganz Madagaskar tätig sein: Gemeinden unterstützen, die die Initiative ergreifen, um sich selbst zu helfen. Die Arbeit von Medair in Madagaskar wird durch die grosszügige Unterstützung der GD Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission, der Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten und privater Spender ermöglicht.
„Bei meinem zweiten Besuch in Ankadibe war ich sehr beeindruckt: Ich hatte das Gefühl, dass alles umgesetzt wurde“, sagt Joseph Ralaivo, Berater für Bewertungsverfahren von ICPM, einer Koordinationsplattform für NGOs in Madagaskar. „Ich habe selten so viele gute Ergebnisse gesehen. Ich glaube, das liegt an den Werten von Medair, die so gut zu den Werten der Dorfbewohner passen.“
Katastrophenvorsorge
Medair hat in Ankadibe mit den Einwohnern zusammengearbeitet, um Katastrophenvorsorgestrategien zu entwickeln, damit die Bewohner gut vorbereitet sind, wenn ihr Dorf das nächste Mal von einem Wirbelsturm heimgesucht wird. Wir spielten Puppentheater, um den Kindern die Katastrophenvorsorgemassnahmen verständlich zu machen, und betrieben mithilfe eines mobilen Kinos weitere Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema. Wir führten auch Übungen im ganzen Dorf durch, damit die Gemeindemitglieder lernen konnten, wie man im Falle eines Wirbelsturmalarms am besten reagiert. Wir konnten diese Übung im Dorf filmen und die Aufnahmen dann in vielen anderen ländlichen Gemeinden zeigen, um den Menschen dort bei der Entwicklung eigener Katastrophenschutzstrategien zu helfen.
In vielen kleinen Dörfern wie Ankadibe richten Wirbelstürme schlimme Schäden an den Häusern an. Daher hat Medair damit begonnen, den Menschen zu zeigen, wie sie ihre Häuser verstärken und/oder sie anders bauen können, damit sie einem Wirbelsturm besser standhalten.
Wirbelsturmschutzraum
In Ankadibe wünschte sich die Gemeinde einen grossen Wirbelsturmschutzraum, der näher bei den Häusern der Einwohner liegt, sodass sie während eines Sturm dort Schutz suchen können. Medair arbeitete eng mit den Bewohnern zusammen, um diesen Traum zu verwirklichen. „Wir brachten Baumaterial wie Sand, Holz und Steine“, berichtet Pierre Malaza, Vorsitzender von „TOKY“, der neuen Vereinigung für Wirbelsturmschutzräume in Ankadibe. „Es war viel Arbeit, aber sie fiel uns leicht, weil wir sehr motiviert waren und die Dorfbewohner mit viel Spass arbeiteten.“
Als der Schutzraum fertig war, lud das Dorf unser Team zu einem Einweihungsfest für den neuen Schutzraum, eine neue Handwascheinrichtung und zwei höher gelegene Wasserpumpen ein. Pierre strahlte vor Stolz, als er uns durch den Schutzraum führte, der 130 Menschen Schutz bieten kann und mit Latrinen, Duschen und einem Lagerraum für Reis ausgestattet ist, wobei die Dorfbewohner selbst für die Bestückung des Reislagers verantwortlich sind.
„Wir sind sehr stolz auf unseren Schutzraum“, sagt Pierre. „Er gibt uns Hoffnung, dass wir beim nächsten Wirbelsturm und der nächsten Überschwemmung geschützt sind. Aber der Schutzraum bringt uns auch im restlichen Jahr viele Vorteile, da die Vermietung des Raums etwas Geld einbringt, das für die Entwicklung des Dorfes verwendet wird, und ausserdem dient er uns als Versammlungsraum.“
Beim Einweihungsfest erhob sich Dorfvorsteher Jean und sprach zu allen Anwesenden. „Zuerst war es ein Traum, aber jetzt ist es Realität“, sagte er. „Ich bin so froh, dass wir nun diesen Wirbelsturmschutzraum sowie die Wasserpumpen und Latrinen in unserem Dorf haben. Wir werden uns gut um die Wartung und Instandhaltung dieser Einrichtungen kümmern. Wenn man heute in unsere Herzen sehen könnte, würde man erkennen, wie glücklich wir sind!“
In Ankadibe haben einst verwundbare Menschen wichtige Schritte unternommen, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Diese Schritte werden ihnen nun eine sicherere und bessere Zukunft ermöglichen. „Wir danken Gott, dass Medair in unserem Dorf mit uns zusammenarbeitet“, sagt Pierre. „Auch wenn wir traurig sein werden, wenn ihr geht, sind wir nun doch so weit, dass wir uns bei einem Wirbelsturm sicher fühlen können, und dafür danken wir euch.“
Medair unterstützt das Dorf Ankadibe auch weiterhin und ist gleichzeitig in vielen anderen durch Wirbelstürme und Überschwemmungen gefährdeten Dörfern im Nordosten Madagaskars tätig. Wir unterstützen dynamische Gemeinden, die positive Veränderungen in ihren Dörfern bewirken wollen.
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Das Medair-Programm in Madagaskar wird durch die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, die GD Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission, die Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten, das Welternährungsprogramm und private Spender unterstützt.
Medair ist seit 2002 in Madagaskar tätig und leistet Nothilfe während der jährlichen Wirbelsturmsaison. Das ganze Jahr über arbeitet Medair mit Gemeinden zusammen, um deren Zugang zu sicherem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygieneschulungen zu verbessern. Medair betreibt auch Katastrophenvorsorge, damit die betroffenen Gemeinden sich besser vor zukünftigen Wirbelstürmen schützen können.
Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.






