Simbabwe: Fliessendes Wasser in Marondera

Das städtische Wasserversorgungsprojekt von Medair ermöglicht 120 000 Einwohnern der Stadt Marondera in Simbabwe wieder Zugang zu fliessendem Wasser zu Hause.

Das städtische Wasserversorgungsprojekt von Medair ermöglicht 120 000 Einwohnern der Stadt Marondera in Simbabwe wieder Zugang zu fliessendem Wasser zu Hause.
Im Oktober 2010 musste die 16-jährige Benhilda Dengu noch dreimal am Tag von ihrem Haus einen halben Kilometer zu einem flachen und ungeschützten Brunnen laufen, um Wasser für sich und ihre Familie zu holen. Ihre Eltern waren zwei Jahre zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem lebt sie bei den Grosseltern und hilft bei der Betreuung ihrer drei jüngeren Geschwister.
„Wir haben nun seit acht Monaten kein fliessendes Wasser mehr im Haus“, berichtete Benhilda. Wie bei allen Häusern in der Region gab es kein fliessendes Wasser mehr, da die Rohre und Pumpen im Wasserversorgungssystem von Marondera defekt waren. Daher mussten die Einwohner das unbehandelte Wasser aus gemeinschaftlichen Brunnen holen. Das Trinken dieses Wassers brachte jedoch erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich.
Cholera-Gefahr
„Manche Menschen bekommen vom Wasser aus den flachen Brunnen Bauchschmerzen“, erklärte der Vorarbeiter der Wasseraufbereitungsanlage, Jotham Sinoka.
Bauchschmerzen sind allerdings nur der Anfang. 2008 und 2009 erlebte Simbabwe eine tödliche Cholera-Epidemie, die 4000 Menschenleben forderte. Dies war eine der schlimmsten Epidemien, die jemals in Afrika südlich der Sahara dokumentiert wurden. 55 von 62 Bezirken waren betroffen, darunter auch grosse städtische Regionen, die durch den schlechten Zustand der Wasseraufbereitungsanlagen, der Kanalisation und der Abfallentsorgung anfällig wurden.
Als Medair aus der Ferne Zeuge der verheerenden Cholera-Epidemie in Simbabwe wurde, begann das Team für Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH), einen Plan zur Verbesserung der sicheren Wasserversorgung im Land und zum Schutz der Bevölkerung vor Cholera und anderen durch Wasser übertragbaren Krankheiten zu entwerfen.
„Durch unsere Präsenz in Simbabwe haben wir die einmalige Möglichkeit, den Wasserbedarf abzudecken, besonders in den dicht besiedelten Städten, wo die Zustände eine neue Cholera-Epidemie begünstigen“, sagte Philip Walker, Medair-Landesverantwortlicher für Simbabwe.
Marondera wurde schnell als gefährdete Stadt identifiziert. Die erste Medair-Beurteilung kam zum Schluss, dass das gesamte Wassersystem saniert werden musste: Pumpen, Motoren und Druckerhöhungsanlagen waren defekt.
„Die ganze Stadt mit 120 000 Einwohnern war von einer Pumpe abhängig und nicht von dreien, wie es eigentlich sein sollte“, erklärte Pieter Bakker, Medair-Verantwortlicher für städtische WASH-Projekte.
„Die alten Pumpen sind noch aus den fünfziger und sechziger Jahren, und aufgrund des stetigen Verfalls wurde die Lage prekär“, sagte der Stadtplaner für Marondera, Wickliff Mutambanengwe. „Die Hilfe von Medair kam genau zur richtigen Zeit.“
Enge Zusammenarbeit
Mit der finanziellen Förderung durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe begann Medair, in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde mit der Sanierung der Wasseraufbereitungsanlagen und des Verteilernetzes. Der Stadtrat von Marondera steuerte Finanzhilfen zum Projekt bei, die vom Finanzministerium von Simbabwe zur Verfügung gestellt wurden. „Der Stadtrat hat Verantwortung übernommen und seinen Teil zum Projekt beigetragen“, sagte Pieter. „Ohne sein Engagement und seine Arbeit hätte das Projekt nicht funktioniert.“
Über mehrere Monate half Medair bei der Sanierung der wichtigsten Infrastruktur in Pump- und Druckerhöhungsanlagen. Medair arbeitete mit Baufirmen vor Ort zusammen und stellte für das Projekt Gerätschaften sowie Fachwissen zur Verfügung.
In die Pumpanlagen wurden neue, schwere Pumpen eingebaut, die mit grosser Vorsicht montiert werden mussten, da jede von ihnen etwa 1,5 Tonnen wog. „Als das Equipment vor Ort eintraf, löste das bei den Mitarbeitern der Gemeinde grosse Freude aus, da sie endlich einen Fortschritt sehen konnten“, erzählte Pieter Bakker. „Das war ein schöner Moment.“
Die örtlichen Bauunternehmer arbeiteten begeistert am Projekt mit und stellten sogar eine zusätzliche Pumpe zur Verfügung. „Als Einwohner von Marondera freuen wir uns, eure Tätigkeiten unterstützen zu können, da wir nun sehen, wie sich die Dinge verbessern und gut entwickeln“, sagte Gerry Maritz von Robertson’s Building Systems.
Und mit einem strahlenden Lächeln fügte er hinzu: „Heute Morgen konnte ich das erste Mal seit Langem wieder zu Hause duschen.“
„In Marondera fliesst das Wasser wieder“
Am 1. Dezember 2010 wurden in der Marondera-Wasseraufbereitungsanlage die Wasserwerke offiziell an den Stadtrat übergeben. Dank des Projekts haben die 120 000 Einwohner der Stadt wieder fliessendes Wasser in ihren Häusern. „Die Einwohner von Marondera sind dem Europäischen Amt für humanitäre Hilfe und Medair sehr dankbar dafür, dass sie auf ihre Bedürfnisse reagiert und die Wasserwerke von Marondera saniert haben“, sagte der Bürgermeister.
„Ihr seid zur richtigen Zeit gekommen, als die alten Maschinen fast den Geist aufgegeben hätten“, sagte der Wasserversorgungsinspektor Shepherd Shingirai. „Allein hatten wir Mühe. Die Versorgung mit Wasser war nie ausreichend.“
Für die junge Benhilda und ihre Familie ist es ein wahrer Segen, dass sie nun wieder das Wasser aus ihrem eigenen Wasserhahn trinken können. „Das Wasser wird die täglichen Arbeiten sehr erleichtern, zum Beispiel das Kochen und das Baden“, sagte Benhilda.
„Letztlich wird das Projekt die Gefahr einer Cholera-Epidemie in Marondera mindern”, erklärte Pieter Bakker abschliessend. „Das Geld ist gut angelegt, da dies ein sehr gradliniges Projekt ist. Die Ergebnisse sind offensichtlich – entweder man hat Wasser oder man hat keines. Marondera hat nun Wasser.“
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Das Medair-Projekt im simbabwischen Marondera wird durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe, den Stadtrat von Marondera und private Spender unterstützt.
Medair begann im November 2009 mit der Arbeit in Simbabwe als Hilfsprogramm für die Minimierung des Risikos zukünftiger Cholera-Epidemien und um dem hohen Grad an Bedürftigkeit in der Bevölkerung zu begegnen.
Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.
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