Kongo (DRC): Delegation der Vereinten Nationen über unsichere Lage im Dorf Bukiringi “zutiefst besorgt”
Bewaffnete Milizen terrorisieren Einwohner und plündern Dörfer im Bezirk Ituri. Zehntausende Einwohner sind auf der Flucht und brauchen dringend Hilfe.
Am 1. Februar 2011 führte Fidele Sarassoro, Humanitärer Koordinator und stellvertretender Sonderbeauftragter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für die Demokratische Republik Kongo, eine Delegation hochrangiger Vertreter der Vereinten Nationen und internationaler Nichtregierungsorganisationen sowie kongolesischer Schutztruppen für einen offiziellen Besuch in das vom Konflikt betroffene Dorf Bukiringi im Süden Ituris in der Province Orientale. Medair unterstützt eine Klinik in Bukiringi, die allen Dorfbewohnern eine kostenlose medizinische Versorgung ermöglicht.
„Während das internationale Interesse sich zu Recht auf die Gewalt in den Uélé-Regionen der D.R. Kongo und die Notlage der Binnenflüchtlinge konzentriert, hat die anhaltend instabile Sicherheitslage auch die Situation in Dutzenden Dörfern des Bezirks Ituri verschlechtert und so eine Notsituation geschaffen“, erklärt Philip Walker, Medair-Länderverantwortlicher für die D.R. Kongo. „Um dieser Krise entgegenzuwirken, hilft Medair 340 000 bedürftigen Menschen in 36 Dörfern der Bezirke Gety und Boga in Ituri mit kostenloser medizinischer Versorgung.“
In Bukiringi fehlt heute etwa 24 600 Bedürftigen die Lebensgrundlage. Sie haben auch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder sanitären Einrichtungen. Obwohl einige Zelte für die Flüchtlinge aufgebaut und Moskitonetze zur Malariaprophylaxe verteilt wurden, schlafen die meisten Menschen lieber im Wald, da sie nächtliche Angriffe befürchten.
„Die mit der unsicheren Lage verbundenen Probleme, auf die Sie uns aufmerksam gemacht haben, bereiten uns allen grosse Sorgen“, sagt Fidele Sarassoro. „Wir sind uns der Schwierigkeiten in Bukiringi bewusst und arbeiten alle daran, in der D.R. Kongo Frieden zu schaffen. Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns auf nationaler Ebene für eine durchführbare Lösung einsetzen.“
Vor zwei Wochen wurde Bukiringi erneut angegriffen. „Wir sind mindestens jeden dritten Monat zur Flucht gezwungen“, sagt die Klinikkrankenschwester Lillian Nawassi. „Beim letzten Angriff nahmen wir wichtige Medikamente mit in unser Versteck. Unsere Patienten halfen uns die Sachen zu transportieren, sodass wir sie auch in unserm Versteck im Wald noch weiter behandeln konnten.“
„Die Binnenflüchtlinge in dieser Region leben unter unvorstellbaren Umständen“, sagt Dr. Blaise Gaya Anyom, Chefarzt in Gety. „Die sozialen Einrichtungen dieser Region, zum Beispiel Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, wurden vollständig zerstört.“
Gesundheitskliniken sind während Angriffen oft das Ziel von Plünderungen. Häufig wird nichts zurückgelassen, nicht einmal die Patientenakten. „Diese Angriffe bedeuten eine grosse Belastung für die Binnenflüchtlinge, die bereits aufgrund der extremen Armut sehr verletzlich sind“, sagt Medair-Supervisor Beatrice Kavira. „Ohne die nötige Ausstattung können die Kliniken nicht funktionieren. Wir liefern kostenlose Sets für Transfusionen und reproduktive Gesundheit und versorgen sie mit neuen Medikamenten, damit wieder Patienten behandelt werden können.“
In der von Medair unterstützten Klinik in Bukiringi werden die meisten Patienten gegen Malaria, Atemwegsinfektionen und Durchfall sowie wegen der Folgen sexueller oder geschlechtsspezifischer Gewalt behandelt. Medair bietet auch kostenlose Behandlungen in folgenden Bereichen: reproduktive Gesundheit, Notfallgeburtshilfe, Umgang mit Geschlechtskrankheiten, HIV-Präventions-Sets, Familienplanung und Schulung von Gesundheitspersonal. Da jederzeit Angriffe passieren können, verteilt Medair hygienische und saubere Geburtshilfe-Sets an Schwangere, die sie einsetzen können, falls sie ihr Kind auf der Flucht vor den Milizen zur Welt bringen müssen.
„Wir rechnen etwa mit 10 000 Geburten im Jahr 2011. Ich kann Ihnen aber sicher sagen, dass an die 80% der Kliniken in diesen beiden Regionen (Boga und Gety) nicht ausreichend für diese Geburten ausgestattet sind“, sagt Dr. Jerry Masudi, Notfallhilfe-Koordinator des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) in der Aussenstelle Ituri. „Die Lage ist äusserst prekär.“
„Trotz all dieser Probleme haben wir Partner wie Medair und den Bevölkerungsfonds, die uns helfen, diese Bedürfnisse über eine Koordinierung der humanitären Arbeit abzudecken“, sagt Dr. Blaise Gaya Anyom. „Bei aller Unterstützung ist der Bedarf jedoch immer noch immens – und das nicht nur in Bukiringi, sondern in der ganzen Region.“
„Deshalb bringt uns dieser Besuch auch Hoffnung“, sagte er abschliessend zur Delegation der Vereinten Nationen. „Wir sind sicher, dass Ihr Besuch sich positiv auf die Probleme der Menschen in dieser Region auswirken wird.“
Medair hat sich dem Ziel verschrieben, den Einwohnern von Bukiringi und der Million weiterer Menschen, denen Medair jedes Jahr im Nordosten der D.R. Kongo zur Seite steht, auch in Zukunft lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen.
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Für die Medien: Für Interviews und weitere Informationen stehen englisch- und französischsprachige Medair-Mitarbeiter zur Verfügung. Auch Geschichten von Hilfeempfängern und Fotos sind verfügbar.
D.R. Kongo: Gloria Lihemo, Kommunikationsbeauftragte, +243 99 332 8224,
fco-congo(at)medair.org
Schweiz (Medair-Hauptsitz): Timothy Chapuis, Medienbeauftragter, +41 21 694 35 49, timothy.chapuis(at)medair.org
Die Medair-Programme in der D.R. Kongo werden durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe, die Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten, die Schweizer Glückskette, den Pooled Fund, den Global Fund, den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und private Spender unterstützt.
Als eine der am längsten in der Region tätigen internationalen NGOs sorgt Medair seit 1997 für Not- und Wiederaufbauhilfe im Nordosten der D.R. Kongo und hat sich seither das Vertrauen der Gemeinden und Ansprechpartner erarbeitet. Medair sichert für mehr als eine Million Menschen pro Jahr in Ituri, den Regionen Bas-Uélé und Haut-Uélé die Gesundheitsversorgung durch die Unterstützung von über 200 Gesundheitseinrichtungen mit technischer Beratung, Aufsichtsarbeit, Schulungen für Gesundheitspersonal und Belieferung mit Arzneimitteln und sonstigem medizinischem Material. Medair bemüht sich auch, den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene in der Region zu verbessern.
Diese Pressemitteilung wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.


