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Afghanistan: Von der Lebensmittelkrise zur Ernährungssicherheit

Von der Lebensmittelkrise zur Ernährungssicherheit

Unser Geld-für-Arbeit-Projekt in Kohistan hilft Familien, ihre Grundversorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern, und sät Hoffnung für die Zukunft.

„In den vergangenen Jahren gab es hier immer Hunger”, erklärt Fawad, ein junger Maurer aus dem Dorf Paschud im Bezirk Kohistan.

In diesem dünn besiedelten Bezirk der entlegenen afghanischen Provinz Badakhshan erstreckt sich das Gebirge so weit das Auge reicht. Das Land ist öd und leer.

Weit verstreut über die Hügel und Berge Kohistans liegen kleine Dörfer. Die Ansammlungen von Häusern aus ungebrannten Lehmziegeln wurden an den Hängen, meist in der Nähe eines Flusses oder Baches, errichtet.

Die abgelegenen Orte haben mit langen Wintern, schlechten Anbaubedingungen und starker Unterernährung zu kämpfen. Die kargen Böden und steilen Hänge erschweren den Ackerbau. Zudem sorgen starke Regenfälle in der Anbausaison für Überschwemmungen und Erdrutsche.

Ende 2009 machten früh einsetzende Schneefälle der Anbausaison vorzeitig ein Ende, sodass die Familien weder genug Nahrung noch Geld hatten, um auch nur das Existenzminimum zu sichern.

„Seit über drei Jahren haben wir nun das Problem, dass im Winter das Geld ausgeht”, sagt Fawad. „Die Menschen haben einfach kein Geld mehr und können sich keine Lebensmittel kaufen.”

Unser Geld-für-Arbeit-Projekt in Kohistan hilft Familien, ihre Grundversorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern, und sät Hoffnung für die Zukunft.

Unser Geld-für-Arbeit-Projekt in Kohistan hilft Familien, ihre Grundversorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern, und sät Hoffnung für die Zukunft.

Ein innovatives Projekt
2010 beschloss Medair mit der finanziellen Unterstützung durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe, lebenserhaltende Hilfe für Fawad und über 1000 Familien in den Dörfern Kohistans zu leisten. Dazu schlug Medair ein innovatives Geld-für-Arbeit-Projekt vor, von dem die Bewohner der Region sowohl kurz- als auch langfristig profitieren würden.

„Wir haben viele Probleme”, sagt Ahmad, ein Not leidender Bauer und sechsfacher Vater aus dem Dorf Turchud. „Wir haben kein Einkommen... Und besonders schlimm ist, dass unsere Strassen kaputt sind.”

Die Strassen in Kohistan sind oft nicht passierbar, was bedeutet, dass die Dorfbewohner keinen Zugang zu grundlegenden Infrastruktureinrichtungen wie Kliniken oder Märkten für den Kauf und Verkauf von Lebensmitteln haben.

Deshalb startete Medair in Absprache mit den Dorfverantwortlichen ein Geld-für-Arbeit-Projekt, durch das die einheimische Bevölkerung längerfristig instand gesetzte Strassen und gleichzeitig einen Lohn für die Arbeit an den Strassen erhält. Auf diese Weise verdienten die Bewohner das nötige Geld, um die Lebensmittelversorgungslücke zu schliessen und ihre Familien zu ernähren.

Lebensmittelversorgungslücke schliessen
Ein halbes Jahr lang arbeiteten die Männer sehr schwer an den Strassen. Sie hatten keine Maschinen, sondern nur Schubkarren, Esel, Schaufeln und Spitzhacken. Dennoch war die Stimmung gut: Die Arbeiter erzählten sich Geschichten, lachten viel und waren froh über die gemeinsame Arbeit. In den Dörfern machten sich dank des Strassenbauprojekts Begeisterung und neue Hoffnung breit.

„Diese Arbeit ist weder schwer noch langweilig, weil wir nicht nur Geld verdienen, sondern stolz darauf sind, etwas für unser Dorf tun zu können”, erklärt Ahmad.

Nun können auf der Strasse, die zuvor kaum für Esel geeignet war, sogar Autos und Lkw fahren. „Im Winter war hier kein Durchkommen”, sagt Ahmad und lässt seinen Blick über die Strasse schweifen. „Wir haben eine gute Strasse gebaut.”

Mehr als 800 Männer konnten beim Bau der Strasse ein Einkommen erzielen. Aus dem Projekt sind zudem Beihilfen an 300 bedürftige Haushalte geflossen.

„Viele Menschen wären in einer sehr misslichen Lage gewesen, aber jetzt bekommen sie Hilfe und müssen dieses Jahr nicht mehr Hunger leiden”, sagt Fawad.

Nahrung für die Zukunft

Medair entwarf ausserdem eine längerfristige Strategie zur Verbesserung der künftigen Ernährungssituation in Kohistan. Wir entwickelten ein Weiterbildungsprogramm für Bauern, in dem neue Techniken zur Ertragssteigerung vermittelt werden. Bauern wie der siebenfache Vater Emal besuchten eine Schulung und erhielten Dünger, Gemüsesaat und Handgeräte.

„Wir haben gelernt, wie man Kompost erzeugt”, berichtet Emal. „Wir haben auch gelernt, wie man Gemüse sät: Man sät in Reihen, was Vorteile bei der Unkrautbekämpfung und Bewässerung hat.”

Ausserdem hat Medair zehn Mustergärten angelegt, mit denen den Bauern gezeigt wird, wie sie ihre Anbauflächen vor Erdrutschen und Bodenerosion schützen, Bäume pflanzen und das Wasser regulieren können.

Die Bauern sind begeistert von ihren neuen Kenntnissen und sehen voller Hoffnung auf die nächste Ernte. „Ich hoffe, dass ich genug ernten werde, um meine Familie das ganze Jahr über ernähren zu können”, sagt Emal stolz.

Die Weiterbildungsmassnahme wird sofort und langfristig Früchte tragen. „Ich habe bereits damit begonnen, die neuen Methoden auf meinem Land umzusetzen, und wegen des Komposts schon eine grosse Veränderung festgestellt”, sagt Emal. „Ich werde mein neues Wissen an meine Kinder weitergeben, damit sie vorbereitet sind, wenn sie später einmal Bauern werden.”

„Das ist das erste Mal, dass irgendjemand gekommen ist und uns etwas über Landwirtschaft beigebracht hat.”

Neue Perspektiven
In Kohistan haben nun bisher isolierte Dörfer neue Hoffnung. 2010 leistete Medair direkte Hilfe für über 1000 Familien, um die jährliche Lebensmittelversorgungslücke zu schliessen. Gleichzeitig eröffneten sich durch die neuen Strassen für Zehntausende Menschen in der Region neue Möglichkeiten. Jetzt können Lkw auch im Winter die Region versorgen und die Familien haben es leichter, den Paspul Bazaar zu erreichen. Das ist der wichtigste Markt des Bezirks, wo sie Lebensmittel und andere Dinge kaufen oder verkaufen können.

„Medair ist die einzige Organisation, die unserem Dorf hilft”, sagt Fawad. „Ich möchte Medair und allen, die uns geholfen haben, herzlich danken.”

Das Ernährungssicherungs- und Geld-für-Arbeit-Projekt im Bezirk Kohistan wird durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe und private Spender unterstützt.

Medair ist seit 1996 in Afghanistan tätig und kümmert sich um bedürftige und abgelegene Gemeinden in der Provinz Badakhshan und im zentralen Hochland. Zusätzlich zur Unterstützung der Gemeinden in Bezug auf sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH) bietet Medair auch Hilfeleistungen in den Bereichen Ernährung, Schulungen für unterernährte Frauen und Kinder sowie für Bauern und Geld-für-Arbeit-Programme, um die Ernährungssicherung in gefährdeten Gemeinden zu fördern. Medair hilft den Gemeinden auch mit Nothilfeeinsätzen bei Naturkatastrophen und arbeitet zudem mit den lokalen Regierungsstellen zusammen, um das Schadenrisiko zukünftiger Katastrophen zu verringern.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.






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