Madagaskar: Schwere Überschwemmungen im Südosten Madagaskars gefährden die lokale Bevölkerung
Das Emergency Response Team von Medair besucht die von der Überflutung betroffene Gemeinde Ampasinmaleny nach drei Tagen schwerer Regenfälle.
Am Morgen des 14. Februar suchte der Wirbelsturm Bingiza den Nordosten Madagaskars heim und hinterliess eine Schneise der Verwüstung. Medair schickte schnell ein Notfallteam aus Maroantsetra auf Motorrädern, um die Zerstörungen zu begutachten. Überraschenderweise fanden sie nur sehr begrenzte Schäden vor, obwohl es ein Sturm der Kategorie 2 gewesen war.
„In manchen Dörfern sah es sogar so aus, als hätte es gar keinen Wirbelsturm gegeben, weil die Häuser bereits repariert waren“, erzählt der stellvertretende Projektmanager von Medair, Andry Tianarivelo. Jedoch stellte das Team erhebliche Schäden an Strassen, Brücken und einigen anderen Infrastruktureinrichtungen fest.
Währenddessen blieb das Tief Bingiza vor Madagaskars Küste, bis es am Mittwoch erneut, diesmal als tropischer Sturm, über die Insel zog. Dieser bewegte sich langsam von der Südwest- zur Südostküste. Dabei gingen grosse Regenmengen auf ein Gebiet nieder, in dem der Boden bereits durch die schweren Niederschläge eines früheren Sturms übersättigt war.
Am Montag, den 21. Februar flog ein Medair-Team nach Vangaindrano und konnte bereits aus dem Flugzeug die grossflächigen Überschwemmungen in der Region sehen. Die Stürme hatten 19 von 29 Gemeinden im Bezirk Vangaindrano überflutet, darunter auch der Ort Ampasinmaleny. Nach der Landung schickte Medair ein Team auf Motorrädern, die im Flugzeug mitgebracht worden waren, zur Begutachtung nach Ampasinmaleny.

Das Emergency Response Team von Medair besucht die von der Überflutung betroffene Gemeinde Ampasinmaleny...
„Ich mache mir Sorgen, da ich in den letzten Tagen zu fünf meiner Dörfer keinerlei Kontakt hatte“, sagte Dominique Zonarivelo, der Bürgermeister von Ampasinmaleny.
Zu Ampasinmaleny gehören 13 Dörfer, wobei die fünf Dörfer, zu denen der Kontakt abgebrochen war, wohl am schlimmsten betroffen waren. Sogar im Heimatdorf des Bürgermeisters war das Ausmass der Schäden gewaltig. Viele Reisfelder standen unter Wasser, sodass man in der Gemeinde wohl in den nächsten Wochen Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung bekommen wird.
„Wir werden vermutlich einige Tage warten müssen, bis das Wasser abgeflossen ist, um zu sehen, ob wir unsere Reisernte verloren haben“, sagte Dominique. „Wir haben auch Maniok und Taro (regionale Wurzelgemüse) angepflanzt, aber die werden wohl auch kaputt sein.“
Im Dorf wateten die Einwohner vorsichtig durch das knietiefe Wasser, um einen über die Ufer getretenen Fluss zu überqueren. Die Brücke war weggeschwemmt worden. Der Bürgermeister führte das Medair-Team einen kleinen Pfad hinunter und zeigte auf einen kreisförmigen Schatten im trüben Wasser. „Hier“, sagte er, „das ist der Brunnen.“
Das Wasser hat die Brunnen von Ampasinmaleny überschwemmt, und somit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Bevölkerung das schmutzige Wasser aus dem Fluss trinken wird – ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. „Der Bürgermeister erklärte uns, dass man den Menschen beigebracht hat, das Wasser zehn Minuten abzukochen“, sagt die stellvertretende Medair-Landesbeauftragte Anne Hageman. „Aber er ist sich nicht sicher, ob sie das wirklich tun.“
Medair arbeitet mit anderen Organisationen zusammen, um zu entscheiden, wie am besten auf die Bedürfnisse in dieser Notsituation in der Region reagiert werden kann. Ein Schwerpunkt dabei ist die Wiederherstellung des Zugangs zu sicherem Trinkwasser. „Auf den ersten Blick können wir sagen, dass Bedürfnisse bestehen“, sagt Andry. „Aber auf lange Sicht gesehen ist es schwer, das ganze Ausmass der Schäden in Bezug auf WASH (Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene) festzustellen.“
Langfristiges Engagement
Medair ist bereits seit Langem als NGO in Madagaskar tätig und arbeitet ganzjährig dafür, den Zugang zu WASH in zahlreichen madagassischen Gemeinden zu verbessern. Gleichzeitig führt Medair Projekte zur Katastrophenrisikominimierung durch, um die Folgeschäden der häufigen Stürme und Zyklone in der Region zu verringern. Die Projekte werden vom Europäischen Amt für humanitäre Hilfe finanziert.
„Medair ist in Notsituationen nach Wirbelstürmen mit einem geschulten Team jederzeit und sofort einsatzbereit“, erklärt Yves-Pascal Suter, Landesbeauftragter für Medair. „Wir haben auch Notvorräte, die wir schnell verteilen können. Um den Bedürftigsten bestmöglich helfen zu können, arbeiten wir nicht allein, sondern koordinieren unsere Arbeit so gut wie möglich.“
Im Moment sammelt das Medair-Team noch Informationen vor Ort und stellt fest, wer unter den Bedürftigen am dringendsten auf Nothilfe angewiesen ist. „Wir wollen auch die anderen überschwemmten Dörfer besuchen“, sagt Anne. „Wir werden morgen unser treues Motorrad gegen ein Kanu tauschen und zu den Dörfern paddeln.“
Weitere aktuelle Nachrichten folgen, sobald sich dieser Nothilfeeinsatz weiterentwickelt.
Das aktuelle Programm von Medair in Madagaskar wird durch das Europäische Amt für humanitäre Hilfe und private Spenden unterstützt.
Medair ist seit 2002 in Madagaskar aktiv und leistet die erforderliche Nothilfe während der Wirbelsturmsaison. Das ganze Jahr über arbeitet Medair mit Gemeinden zusammen, um deren Zugang zu sicherem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygieneschulungen zu verbessern. Medair betreibt auch Katastrophenmanagement, damit die betroffenen Gemeinden sich besser vor zukünftigen Wirbelstürmen schützen können.
Dieses Internet-Update wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.




