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Afghanistan: Wiederaufbau nach der Überschwemmung

Wiederaufbau nach der Überschwemmung

2011 kündigte der erfahrene Bauingenieur Sieger Burger seine Stelle bei einer der grössten Baufirmen der Niederlande, um zusammen mit dem Medair-Team in den entlegensten Gemeinden Afghanistans zu arbeiten.

Sieger übernahm bald die Leitung eines äusserst erfolgreichen Überschwemmungshilfsprojekts in der Provinz Bamyan, mit dem Tausenden Bedürftigen geholfen werden konnte.

Erzählen Sie etwas über Ihre Arbeit mit den von den Überschwemmungen betroffenen Gemeinden in der Provinz Bamyan.
2010 zerstörten grosse Überschwemmungen die Ernte und trugen viel Ackerland fort, was die Landschaft radikal veränderte. Mit dem Verlust ihres Landes und ihrer Ernte verloren viele Menschen auch die Hoffnung.

Sieger Burger (links) untersucht die Wasserqualität eines Dorfbrunnens in der Provinz Bamyan.

Sieger Burger (links) untersucht die Wasserqualität eines Dorfbrunnens in der Provinz Bamyan.

Was sind die grössten Probleme der Menschen dort?
Da in Afghanistan seit 30 Jahren Krieg herrscht, ging das Wissen, mit dem die Menschen in der Vergangenheit ihr Land pflegten und Umweltschutz betrieben, bei der heutigen Generation verloren. Die Menschen kümmerten sich verständlicherweise eher darum, wie sie den nächsten Tag überlebten, als um ihre langfristige Zukunftsplanung. Aus diesem Grund wurden viele Flächen überweidet. Die meisten Bäume und das meiste Gras sind heute verschwunden, und die Menschen müssen nun mit den Folgen dieser falschen Bodenbewirtschaftung fertig werden.

Medair hat mehr als 6000 Menschen die Möglichkeit gegeben, für ihre Arbeit bei der Wiederherstellung des Ackerlands Geld zu erhalten. Warum war bezahlte Arbeit so wichtig für diese Gemeinden?

Die Menschen brauchten das Geld, um den Ernteausfall zu kompensieren. Hätten wir ihnen einfach nur Nahrungsmittel gegeben, hätten wir ihnen damit alle Entscheidungsmöglichkeiten genommen und gleichzeitig ein Problem für die lokalen Händler geschaffen, die ihre Nahrungsmittel verkaufen wollen. Mit dem Geld konnten die Menschen selbst entscheiden, was sie dafür kaufen wollten. Meistens kauften sie Nahrungsmittel oder Brennstoff für ihre Feuer oder zahlten Schulden zurück.

Die von den Überschwemmungen betroffenen Einwohner von Kadalac errichten mit einfachen Werkzeugen einen Damm.

Die von den Überschwemmungen betroffenen Einwohner von Kadalac errichten mit einfachen Werkzeugen einen Damm.

Erzählen Sie etwas über die Katastrophenschutzkonzepte, die Sie in diesen Gemeinden umgesetzt haben.
Es ist sehr wichtig, dass die Menschen vor Ort sich mit Katastrophenschutzkonzepten auskennen. Ich erkläre ihnen, warum Sturzfluten entstehen und was sie tun können, um die Auswirkungen solcher Überschwemmungen zu minimieren. Oft kann ich ihnen ganz einfache Lösungen anbieten. Wir geben ihnen Werkzeuge und zeigen ihnen, welche Arbeiten sie selbst durchführen können. So können sie sich selbst helfen und müssen nicht darauf warten, dass eine NGO kommt und ihnen hilft. Genau dafür stehen die Werte Hoffnung und Menschenwürde von Medair.

Die Schulung im Bereich Katastrophenschutz bedeutet eine völlig neue Denkweise für die Menschen. Ich bringe ihnen bei, was sie weit flussaufwärts oben in den Bergen tun können, wo niemand lebt. Sie verstehen nicht gleich, wie wichtig das ist, da diese Stellen weit von ihren Häusern und Dörfern entfernt liegen. In der Vergangenheit hatten sie versucht, ihr Land und ihre Häuser durch den Bau von Schutzvorrichtungen weiter flussabwärts zu schützen, aber sobald das Wasser ihre Häuser erreichte, war seine Kraft so gross, dass die Schutzvorrichtungen nichts mehr nützten. Die Fluten rissen einfach alles mit.

Um die Wucht der Wassermassen zu verringern, muss man an ihrem Ursprungsort ansetzen. Die Menschen in der Region haben dieses Wissen nicht oder zumindest nicht mehr. Daher sind diese Schulungen so wichtig. Wir erklären ihnen die Theorie und helfen ihnen dann, diese in der Praxis umzusetzen. Sobald die Menschen den Nutzen verstehen, sind sie auch motiviert, die Dinge anzupacken.

Bei einer unserer Schulungen erklärte ein 80-jähriger Mann einer Gruppe von Teilnehmern: „Das, was hier unterrichtet wird, haben wir schon vor 40 Jahren gemacht, bevor der Krieg anfing. Hört gut zu, denn sie bringen uns genau die richtigen Dinge bei.“

Einwohner von Kadalac sprechen mit Sieger über ihre beeindruckenden Gabionen.

Einwohner von Kadalac sprechen mit Sieger über ihre beeindruckenden Gabionen.

Sie waren vor allem vom Dorf Kadalac begeistert. Was hat Sie dort so beeindruckt?
Kadalac wurde von den Überschwemmungen schwer getroffen. Die Wassermassen führten Steine und Sand mit sich, was dann auf den Äckern liegen blieb. Sie hatten grosses Glück, dass niemand ums Leben kam. Die Menschen waren wirklich mitgenommen und beschlossen, dass sie so etwas nie wieder erleben wollten.

Als wir Kadalac zum ersten Mal besuchten, war bereits klar, dass die Einwohner ihr Dorf unbedingt schützen wollten. Ich half ihnen, diese Willenskraft mit speziellen Massnahmen umzusetzen, die sie selbst zum Schutz des Dorfes durchführen konnten. Daraufhin arbeiteten sie mit hohem Einsatz und viel Energie am Bau der nötigen Schutzvorrichtungen. Und tatsächlich haben sie die Ziele dieses Projekts weit übertroffen und noch mehr für den Schutz ihres Dorfes getan.

Mit nur 17 Männern bauten sie in über 50 Tagen mehr als 25 grosse Gabionen (Schutzwände), die etwa zwei Meter breit, vier Meter hoch und einen Meter dick sind. Diese Bauwerke werden die Geschwindigkeit des Wassers verringern und die Entstehung von Sturzfluten verhindern.

„Wenn es noch einmal so regnen sollte wie 2010 wären wir jetzt wohl sicher. Medair hat uns aufgezeigt, was wir tun mussten, um unser Dorf zu schützen, und uns dann bei der Umsetzung geholfen.“ – Taki, ein 35-jähriger Einwohner von Kadalac.

„Wenn es noch einmal so regnen sollte wie 2010 wären wir jetzt wohl sicher. Medair hat uns aufgezeigt, was wir tun mussten, um unser Dorf zu schützen, und uns dann bei der Umsetzung geholfen.“ – Taki, ein 35-jähriger Einwohner von Kadalac.

Einer der Hilfeempfänger erklärte mir: „Da wir jetzt diese Schutzvorrichtungen haben, werde ich beginnen, mein Land wieder urbar zu machen, weil ich jetzt die Hoffnung habe, dass es nicht wieder mit Schlamm und Sand überschwemmt wird.“

Während eines Rundgangs durch das Dorf Kadalac mit Bewohnern der umliegenden Gemeinden war einer der auswärtigen Dorfvorsteher vom Einsatz und dem Ergebnis in Kadalac so beeindruckt, dass er es „eine übermenschliche Leistung“ nannte.

Seitdem habe ich das gute Beispiel von Kadalac dazu genutzt, andere Gemeinden zu animieren, diesem Vorbild zu folgen. Die Menschen in Kadalac konnten ihre Situation mit den von ihnen errichteten Schutzbauwerken extrem verbessern und verfügen nun über Wissen, das sie vorher nicht hatten. Wir haben das Risiko zukünftiger Überschwemmungen in diesem Dorf bedeutend verringert und den Menschen neue Hoffnung gegeben.
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Lesen Sie die ganze Geschichte zum innovativen Nahrungsmittelhilfe- und Katastrophenschutzprojekt von Medair in Afghanistan.

Lesen Sie mehr über die Arbeit von Medair in Afghanistan.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben keinesfalls den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.






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