Haiti: Lebensrettende Hilfe für bedürftige Familien in der abgelegenen Bergregion Côtes-de-Fer
Medair wird 250 dauerhafte Unterkünfte in Côtes-de-Fer errichten und zusätzlich 750 Häuser sanieren, um sie widerstandsfähiger gegen Wirbelstürme und Erdbeben zu machen. Das Team wird ausserdem den Zugang zu Wasser und Latrinen verbessern und die Menschen in gesundem Hygieneverhalten schulen.
Obwohl seit dem schweren Erdbeben, das den Inselstaat so hart getroffen hat, bereits 16 Monate vergangen sind, haben viele Menschen immer noch keine sichere Unterkunft. In Côtes-de-Fer wurden zahlreiche Dörfer stark beschädigt, erhielten jedoch unter anderem aufgrund ihrer isolierten Lage kaum Hilfeleistungen.
„Durch das unwegsame Gebirge mit seinen vielen Flüssen führen nur wenige passierbare Strassen nach Côtes-de-Fer“, erklärt John Fixsen, Unterkunftsbeauftragter bei Medair. „In vielen ländlichen Gebieten begegnet man selten mehr als zwei oder drei Fahrzeugen am Tag. Und bei starkem Regen steigen die Flusspegel, sodass die Region unter Umständen vollkommen von der Aussenwelt abgeschnitten wird.“
Als ein Medair-Team die Region besuchte, stellte es fest, dass die meisten Häuser durch das Erdbeben beschädigt worden waren. Ganze Familien lebten nun in Unterkünften aus einem einzigen Raum oder wohnten noch in ihren gefährlichen, instabilen Häusern. Ein Mann lebte in einem Zelt, das er in seinem beschädigten Haus aufgestellt hatte, ein anderer in einem Raum von der Grösse eines Hühnerstalls.
Hier traf Medair auch auf die zehnfache Mutter Linante. Sie lebte zusammen mit all ihren Kindern in einem kleinen Raum neben den Trümmern ihres verlassenen Hauses. Das provisorische Dach war mit zerschlissener Plastikfolie abgedeckt, die undicht war, wenn es regnete. Aufgrund der feuchten Umgebung hatten Linantes Kinder ständig Fieber. „Medair ist seit dem Erdbeben die erste NGO, die zu uns kam, um mit uns über unsere Wohnbedürfnisse zu sprechen“, sagt Linante.
In Côtes-de-Fer herrscht grosse Armut, weshalb es für die Bevölkerung besonders schwer ist, ihre Häuser wieder aufzubauen. Kinder müssen teilweise stundenlang laufen, um Wasser zu holen, und die sogenannte offene Defäkation ist noch weit verbreitet – ein gefährlicher Brauch in einem Land, das immer noch gegen eine tödliche Choleraepidemie kämpft. Zudem gibt es wenig Arbeit, und das Erdbeben hat die Lage noch weiter verschärft. „Die lokale Bevölkerung kann gerade genug Nahrungsmittel zum Überleben produzieren. Wenn es mal eine schlechte Ernte gibt, müssen die Menschen hungern“, sagt Francoeur Dalexis, Bürgermeister von Gris-Gris.
Aufgrund der kritischen Lage und der Abgeschiedenheit der Region hat Medair beschlossen, ein umfangreiches, 30-monatiges Projekt durchzuführen. Die NGO wird die Menschen schulen und anleiten und Materialien zur Verfügung stellen, um die Unterkunftssituation sowie den Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen für die bedürftigsten Familien zu verbessern. Dadurch erhalten die Einwohner, die diese Arbeiten ausführen, gleichzeitig ein kurzfristiges Einkommen.
„Der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser in Kombination mit der Choleragefahr macht dies zu einem lebenswichtigen Projekt für Côtes-de-Fer“, sagt James McDowell, Projektmanager für den Fachbereich WASH (Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene) bei Medair. „Schätzungen zufolge sind in Haiti seit dem Erdbeben fast 5000 Menschen an Cholera gestorben, und die Krankheit ist immer noch eine Bedrohung.“
Die Einwohner von Côtes-de-Fer sind jeden Tag stundenlang unterwegs, um Wasser zu holen. Medair wird sich um die Bereitstellung von sicheren Wasserquellen kümmern, die näher bei den Häusern liegen. Das wird den Menschen viel Zeit ersparen, in der sie zur Schule gehen oder Geld verdienen können.
„Wir sahen ein paar Mädchen, die mit Kanistern auf dem Rücken auf dem Weg zu einem Fluss waren, um Wasser zu holen“, berichtete die haitianische Dolmetscherin Florance, die für Medair arbeitet. „Ohne Wasser kann man weder kochen noch trinken – man kann gar nichts machen. Es lässt sich kaum in Worte fassen, wie wichtig Wasser ist.“
Das Medair-Projekt wird sich vor allem auf die Schulung der Menschen und die Förderung ihrer Fähigkeiten konzentrieren, damit ihr Wissen erweitert wird und sie sich zukünftig besser vor Katastrophen schützen können.
„Die Menschen sind arbeits- und lernwillig und möchten sich gegenseitig helfen“, erklärt die Medair-Kommunikationsbeauftragte Vanessa Nicholson. „Es ist besonders ermutigend zu wissen, dass wir hier Häuser wiederaufbauen und sanieren, aber auch, dass wir der Gemeinde nicht einfach nur bessere Gebäude hinterlassen.“
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Das Medair-Projekt in Côtes-de-Fer wird durch die Schweizer Glückskette und private Spender unterstützt.
Medair traf nur wenige Tage nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 in Haiti ein. Bis heute hat Medair 2582 Behelfsunterkünfte errichtet, in denen in Jacmel und der ländlichen Umgebung 15 492 Menschen ein neues Zuhause gefunden haben. Das Unterkunftsprojekt in Jacmel wird bis Juli 2011 fortgesetzt und von der Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten (USAID) sowie privaten Spendern unterstützt.
Bei den in dieser Pressemitteilung vertretenen Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.



