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Somalia: Jeder Tropfen zählt

Jeder Tropfen zählt

Während die Dürre am Horn von Afrika immer noch viele Menschenleben fordert, arbeiten wir an einer wirksamen und günstigen Methode, die zukünftige Hungersnöte unter den Viehhirten in den Wüstendörfern der Region verhindern soll.

Fährt man einige Stunden abseits der Strassen und Städte durch die trockene und staubige Wüste Somalilands, trifft man auf Menschen, die dort draussen in kleinen Dörfern leben und ganz und gar von ihren Viehherden abhängig sind.

Die schreckliche Dürre in der Region hatte katastrophale Auswirkungen auf diese Hirtendörfer. Ohne Wasser starben bald immer mehr Nutztiere und die Menschen blieben ohne Milch oder Fleisch geschwächt zurück.

Khadija Hassan Mohamed und ihre Kinder mussten mitansehen, wie viele ihrer Ziegen während der Dürre verendeten.

Khadija Hassan Mohamed und ihre Kinder mussten mitansehen, wie viele ihrer Ziegen während der Dürre verendeten.

„Diese Dürre ist die schlimmste, die ich je erlebt habe“, sagt der 70-jährige Suleman Mohamed Jirde, Gemeindevorsteher des Wüstendorfs Jama Qamar. „Während anderer Dürreperioden konnten wir wenigstens an manchen Stellen noch etwas Wasser finden, aber diesmal gab es einfach nirgends mehr Wasser.“

Traditionell sammelt man in den Dörfern grosse Mengen Regenwasser in riesigen Zisternen, die hier Berkads genannt werden. Aber viele dieser Berkads haben Risse bekommen und können daher kein Wasser mehr speichern.

„Uns bleiben noch 30 Ziegen“, berichtet Khadja Hassan Mohamed, eine Witwe, die in Jama Qamar ganz allein sechs Kinder grosszieht. Sie musste mitansehen, wie ihre Kinder während der Dürre ständig kränklicher wurden und immer stärker an Unterernährung litten. „Vor der Dürre hatte ich etwa 100 Ziegen, aber die anderen sind alle gestorben.“

Nutztierkrise
Die schreckliche Dürre bedroht das Leben von 12 Millionen Menschen am Horn von Afrika. Den Familien fehlt es an Nahrungsmitteln, und sie sind auf spezielle Ernährungsprogramme angewiesen, um das Leben ihrer unterernährten Kinder zu retten. Aus diesem Grund betreibt Medair in einigen besonders hilfsbedürftigen Regionen Somalilands Ernährungsprogramme für Kinder.

Während einer Dürre wie dieser besteht auch immer ein dringender Wasserbedarf – nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Nutztiere. Tatsächlich könnte durch ausreichend Wasser für die Nutztiere eine Hungersnot in den Wüstenregionen verhindert werden.

„Die Hungersnot am Horn von Afrika ist vor allem eine Nutztierkrise“, sagt Lloyd Le Page, CEO der von den Vereinten Nationen geförderten Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (CGIAR), bei einer kürzlich abgehaltenen Konferenz zur Hungersnot. „In diesen ausgedörrten Landstrichen können Hungersnöte am besten durch den Zugang zu Weidemöglichkeiten und Wasserquellen für das Vieh auch während der Trockenzeit verhindert werden.“[1]

Das Innere einer sanierten Berkad im Dorf Jama Qabar

Das Innere einer sanierten Berkad im Dorf Jama Qabar

Wasser ist ein wichtiger Faktor unserer umfassenden Hilfsmassnahmen
. In den ersten Monaten des Jahres 2011 transportierte Medair 1,3 Millionen Liter Wasser per Lastwagen in 30 Dörfer, darunter auch Jama Qamar. „Unsere Kamele trinken viel Wasser, etwa 100 Liter pro Woche“, erklärt Suleman. „Medair hat 16 Tankwagen zu uns geschickt und damit in unseren Augen Grosses geleistet.“

Der Transport von Wasser mit Lastwagen ist eine Notfallmassnahme, um Leben zu retten, aber kostenintensiv und keine nachhaltige oder langfristige Lösung für die Wüstenbewohner. Förderbrunnen sind hier so gut wie unbekannt, da der Grundwasserspiegel sehr niedrig ist (in etwa 150 bis 250 Metern Tiefe). Dies würde Tiefbrunnenbohrungen erfordern, die wiederum sehr kostspielig sind.

Jeder in diesen Wüstendörfern weiss, dass die beste Lösung das Sammeln und Speichern von Regenwasser mithilfe von Berkads ist. Regenfälle sind hier selten, aber wenn sie kommen, bringen sie lebenswichtiges Wasser, das gesammelt werden kann, bevor es in der trockenen Erde versickert.

„Für uns zählt jeder Tropfen Wasser“, erklärt der Vorsteher des Dorfes Kaladhac, Mohamed Mohamed. „Wir können Ihnen gar nicht sagen, wie wichtig Wasser für uns ist. Wasser bedeutet Leben. Unser Leben hängt davon ab, ob wir Wasser haben oder nicht.“

Reparatur der Berkads
Berkads sind grosse Zisternen. Man kann sie sich fast wie grosse Schwimmbecken vorstellen: Der Boden senkt sich in ihre Richtung ab, sodass das Regenwasser durch einen Schmutzfang in die Berkad fliesst und sich im Inneren sammelt. „Die Berkads sind der Grund, warum wir noch hier sind“, sagt Mohamed. „Wenn es sie nicht gäbe, müssten wir alle wegziehen.“

Da aber so viele Berkads baufällig sind, haben die Viehhirten Probleme, ihre Tiere während der Dürreperioden am Leben zu halten. Neben dem Vieh gibt es hier kaum andere Quellen für Nahrung, Milch oder Einkommen, sodass schnell auch vormals gesunde Familien an Unterernährung leiden und vielleicht sogar gezwungen sind, ihre Heimat auf der Suche nach Wasser, Nahrung oder Überlebenshilfe zu verlassen.

Deshalb arbeiten wir mit abgeschiedenen Wüstendörfern zusammen, um die Berkads zu reparieren und so eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung für die Familien und ihr Vieh zu schaffen. Eine volle Berkad kann so viel Wasser speichern, dass es für bis zu 250 Menschen über einen Zeitraum von sechs Monaten reicht, ohne dass weitere Regenfälle nötig sind – und nach der Reparatur halten die Berkads für mindestens 20 Jahre.

Suleman Mohamed Jirde steht am Eingang zur neu sanierten Berkad seines Dorfes.

Suleman Mohamed Jirde steht am Eingang zur neu sanierten Berkad seines Dorfes.

Geringe Kosten, grosser Nutzen

In Jama Qamar haben wir eine riesige Berkad mit einer Kapazität von 750 000 Litern saniert. Bevor wir mit der Arbeit begannen, war es nur ein Loch im Boden. „Das ist die erste unserer Berkads, die durch eine internationale Organisation saniert wurde“, sagt Suleman. „Wir sind uns sicher, dass sie nun lange halten wird.“

Als Medair-Mitarbeiter Mark Toews das Dorf Sibidley besuchte, war er überrascht, wie voll die Berkad war, nachdem es nur einmal geregnet hatte. „Ich konnte es nicht fassen“, berichtet Mark. „Die Berkad, die wir saniert hatten, füllte sich nach nur einem ergiebigen Regen mehr als zur Hälfte. 50 Meter weiter ist eine verfallene Berkad, in dem nicht ein Tropfen Wasser zu finden war. Das ist der Unterschied, den eine sanierte Berkad machen kann.“

„Als der Regen kam und sich das Wasser in unserer Berkad sammelte, waren wir sehr glücklich und haben uns sehr gefreut“, sagt Mohamed im Dorf Kaladhac. „Wir fühlten uns wie jemand, der seine teuersten Besitztümer verloren hat und sie dann zurückbekommt, oder wie jemand, der arm war und plötzlich reich wurde.“

Im Verhältnis zu dem grossen Nutzen, den die Berkads für die Menschen haben, sind die Reparaturkosten überraschend gering
. Eine Berkad kann schon für USD 8400 repariert werden und 250 Menschen über die nächsten 20 Jahre den Zugang zu Wasser sichern. Mit einer Berkad haben die Familien Wasser, um ihr Vieh am Leben zu halten, was wiederum dazu beiträgt, zukünftige Hungersnöte zu verhindern. Gleichzeitig kann sie ihnen auch dabei helfen, die aktuelle Krise zu überstehen.

Während Medair auch weiterhin unter Hochdruck unterernährte Kinder in Somaliland behandelt, kümmern wir uns gleichzeitig um die Sanierung von Berkads, um dadurch Leben zu retten und das Auftreten zukünftiger Hungersnöte zu verhindern.


Eine Berkad kostet USD 8400. Das bedeutet, dass Ihre Spende in Höhe von USD 150 einer fünfköpfigen Familie für die nächsten 20 Jahre eine nachhaltige Wasserquelle sichern kann.

Bitte spenden Sie noch heute.


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Das Medair-Programm in Somalia/Somaliland wird durch das Britische Ministerium für internationale Entwicklung, die Generaldirektion der Europäischen Kommission für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz, die Schweizer Glückskette, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das Welternährungsprogramm, die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), EO-Metterdaad, Woord en Daad und private Spendern unterstützt.

Medair ist seit 2008 in Somalia und Somaliland tätig. In Burao, Somaliland, betreibt Medair ein umfassendes Hilfsprogramm, das sich um Ernährung, medizinische Versorgung und einen verbesserten Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene für die von chronischer Dürre und Konflikten betroffenen Menschen kümmert. Seit Mai 2011 betreibt Medair zudem ein zusätzliches mobiles therapeutisches Ernährungsprojekt im südlichen Togdheer, das unterernährte Kinder in abgelegenen, ländlichen Gemeinden erreichen soll. Im August 2011 startete Medair ein Nothilfeprogramm im Bezirk Ceynabo in der Region Sool sowie im Bezirk Ceel Afweyn in der Region Sanaag. Somaliland erklärte 1991 seine Unabhängigkeit von Somalia. Die Unabhängigkeit wurde jedoch von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.



[1] Alertnet. Four ways to prevent famine in the Horn of Africa – experts. Stand vom 1. September 2011: www.trust.org/alertnet/news/four-ways-to-prevent-famine-in-the-horn-of-africa-experts





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