Haiti: Investition in die Frauen Haitis
Im Rahmen der Geld-für-Arbeit-Projekte von Medair wirken Frauen am Bau von Unterkünften mit, wovon haitianische Gemeinden immens profitieren.
Schon vor dem Erdbeben hatten die meisten Haitianer nicht viel zum Leben. Jedoch besassen die meisten wenigstens ein eigenes Haus. Nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 waren viele dieser Häuser allerdings nur noch Schutthaufen.
Sofort begaben sich humanitäre Organisationen vor Ort und begannen, Haitianer für die umfangreichen Wiederaufbauarbeiten zu beschäftigen.
In Haiti betrachtet man die Arbeiten zum Wiederaufbau des Landes, wie etwa Zimmermanns-, Maurer- und Dachdeckerarbeiten, traditionell als Männerarbeit. Obwohl mehr als 40% der Familienhaushalte in Haiti von Frauen geführt werden, sind sie bei der Erwerbsarbeit im Rahmen des Wiederaufbaus klar benachteiligt.
„Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Thema, um das wir uns jetzt dringend kümmern müssen“, sagt Sheelagh Kathy Mangones, Landesprogrammkoordinatorin von UN Women in Haiti. „Frauen stehen bei humanitären Krisen an vorderster Front. Sie spielen für das Überleben ihrer Familien eine wichtige Rolle, bauen Gemeinden wieder auf und kümmern sich um Lebensmittel und Gesundheitsversorgung. Frauen mehr Macht zu geben und Möglichkeiten zu eröffnen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.“
„Frauen sind das Rückgrat der haitianischen Gesellschaft“, sagt Florance Paul, haitianische Kommunikationsbeauftragte bei Medair. „Viele haitianische Familien haben ein weibliches Oberhaupt. In den Wiederaufbau des Landes wurde viel investiert, aber die Frauen konnten während der Nothilfephase, in der ein zusätzliches Einkommen wichtig gewesen wäre, nicht immer davon profitieren.“
Als Miriam im Dezember 2010 ankam, machten Frauen lediglich 2% der Arbeitskräfte unserer Geld-für-Arbeit-Projekte aus. Die meisten waren als Köchinnen, Putzfrauen oder Wasserträgerinnen beschäftigt. Durch die gemeinsamen Anstrengungen von Miriam und dem gesamten Medair-Team stieg der Frauenanteil auf maximal 340 bzw. 29%. Die meisten dieser Frauen arbeiteten als Zimmerleute und Bauarbeiterinnen. „Mir war klar, dass eine Erhöhung des Frauenanteils auf Widerstand stossen würde, aber die Rückmeldungen der Frauen übertrafen von Anfang an meine Erwartungen“, erklärt Miriam.

Miriam Lopez von Medair animiert eine Gruppe von Frauen in La Montagne zur Mitarbeit am Geld-für-Arbeit-Programm.
„Medair ist die erste NGO, die auch an Frauen denkt und sich gezielt für sie einsetzt“, sagt Christellas Kollegin Binnadette Ouan. „Ich bin stolz zu den Teams zu gehören, die das Land wieder aufbauen.“
Betreuer, Lehrer und männliche Kollegen sind von der Arbeit der Frauen beeindruckt. „Die Frauen arbeiten ebenso hart wie die Männer“, sagt Geraldine Guerrier, Technikbeauftragte von Medair in La Montagne. „Manchmal legen sie weite Strecken zu Fuss zu ihrem Arbeitsplatz zurück. Sie sind zuverlässig und haben einen positiven Einfluss auf das Arbeitsklima im Team.“
„Ich bewundere diese Frauen wirklich“, sagt Miriam. „Es ist harte körperliche Arbeit und auch nicht einfach, mit den Traditionen und der Kultur in den Gemeinden zu brechen.“
Der Haitianer Patrick Mama, der als stellvertretender Projektleiter des Bereichs Unterkünfte für Medair arbeitet, gibt zu, dass er anfänglich am Willen und der Fähigkeit der Frauen zweifelte, solche Arbeiten zu verrichten. „Ich dachte, sie würden bestimmt keine Leitern hochsteigen oder ihre Hände schmutzig machen wollen“, berichtet er. „Ich hätte nicht erwartet, sie auf den Dächern arbeiten oder Zement mischen zu sehen.“
Patrick wurde schnell klar, dass seine Vorurteile unbegründet waren. „Die Frauen sind wirklich glücklich mit der Arbeit und haben viel Spass daran. Sie fühlen sich gebraucht und wohl. Meine Vorstellung, dass Frauen die Arbeit nicht machen könnten oder wollten, war schlichtweg falsch. Der Erfolg dieses Projekts freut mich sehr.“
„Die Männer respektieren mich“, sagt die 27-jährige Marise Météllus, die an einem Geld-für-Arbeit-Projekt mitwirkt. „Nach meinem ersten Arbeitstag war ich müde. Heute kann ich genauso hart arbeiten wie die Männer. Ich kann alles, was die Männer auch können.“
Neben den Vorteilen wie sicherere Häuser und besser ausgebildete Arbeitskräfte kurbelt das Einkommen der weiblichen und männlichen Arbeiter die regionale Wirtschaft an.
„Viele hielten es für unmöglich, die Anzahl Teilnehmerinnen unserer Geld-für-Arbeit-Projekte zu steigern“, sagt Medair-Kommunikationsbeauftragte Vanessa Nicholson. „Aber es war nicht nur möglich, sondern ein grosser Erfolg.“
„Ich habe kürzlich an einer Abschlussfeier in La Croix teilgenommen, wo wir unsere Bauarbeiten beendet hatten“, berichtet Vanessa weiter. „Frauen kamen zu mir und erzählten, dass sie ihre Kinder nun in die Schule schicken konnten, weil sie bei Medair Arbeit gefunden hatten. Sie waren sehr dankbar für diese Chance.“
„Die Frauen in Haiti möchten am Wiederaufbau mitwirken“, erklärt Vanessa abschliessend. „Es ist auch ihr Land, und deshalb wollen auch sie ihren Beitrag dazu leisten.“
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Das Medair-Projekt in Haiti wird durch die Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten (USAID), die Schweizer Glückskette, EO-Metterdaad und private Spender unterstützt.Medair hat in Haiti mehr als 3200 sichere Unterkünfte errichtet, in denen knapp 20 000 bedürftige Menschen ein neues Zuhause gefunden haben.
Lesen Sie mehr über die Arbeit von Medair in Haiti.
Dieses Internet-Update wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.





