: Gespräch mit Jim Ingram, dem neuen Geschäftsführer von Medair
Im Juni ernannte das Internationale Aufsichtsgremium Jim Ingram zum neuen Geschäftsführer von Medair. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Jim Ingram stammt aus Kanada und lebt und arbeitet seit 32 Jahren in der Schweiz. Während 15 Jahren leitete er das weltweit renommierte christliche Studienzentrum L‘Abri. 2004 wechselte er schliesslich zu Medair. Rasch wurde er zum Finanzdirektor ernannt und spielte als Mitglied des Management-Teams eine Schlüsselrolle. Jim erzählt uns über sein Leben, seinen Werdegang und seine Vision für Medair.
Was bedeutet die Schweiz für Sie?
Jim: Für meine Frau, meine vier Söhne und mich bedeutet die Schweiz unser Zuhause. Seit dem Tag unserer Ankunft fühle ich mich hier wohl. Ich finde, dass sich die Schweiz und Kanada bezüglich Gemütlichkeit und Ordnung sehr ähnlich sind. Drei unserer Söhne sind hier geboren. Alle drei haben Schweizer Schulen besucht, eine Schulbildung in französischer Sprache erhalten und Deutsch gelernt. Wir lieben die Schweiz.
Können Sie uns erzählen, wie Sie zum ersten Mal von Medair gehört haben?
Jim: Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Es war gegen Ende der 90er Jahre. Ein Student im L‘Abri, ein ehemaliger Medair-Mitarbeiter, erklärte uns, wie die Organisation das Leid von Krisenopfern lindert. Das hat mich wirklich angesprochen, weil ich zu oft die Frage hörte: „Wenn Gott wirklich existiert, warum gibt es dann so viel Leid auf der Welt?“ An jenem Tag erzählte man mir also von einer Organisation, die sich einsetzte, um konkret etwas zu bewegen. Das interessierte mich.
Wie hat Sie Ihre Erfahrung im Finanzbereich und im Management-Team auf die Tätigkeit als Geschäftsführer vorbereitet?
Jim: In den sieben Jahren bei Medair habe ich natürlich unsere Mission sehr gut kennengelernt. Als Mitglied des Management-Teams während der letzten vier Jahre war ich an den wichtigsten Entscheidungen über die Mission und ihre Umsetzung beteiligt. Ich muss noch viel lernen, aber eines weiss ich: Ich kenne Medair. Ich kenne persönlich die ausgezeichneten Teams, die in den Einsatzgebieten, am Hauptsitz und in den nationalen Büros arbeiten. Ich spüre das Herz der Organisation schlagen.
In den Monaten vor Ihrer Ernennung waren Sie Geschäftsführer ad interim. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?
Jim: Die Bedeutung der Einheit. Die Solidarität der Teams in dieser Übergangszeit war sehr gross. Alle unterstützten sich gegenseitig. Die Leidenschaft und das Engagement jedes Einzelnen zugunsten der Hilfeempfänger war eindrücklich. Ich fühlte mich in meiner Rolle als Geschäftsführer wohl. Am richtigen Platz und in der richtigen Rolle zu sein bereitet Freude und echte Befriedigung. Genau das wünscht sich Gott für uns alle. Und ich wünsche all unseren Teammitgliedern, dass sie sich ebenso entfalten können.
Wie sehen Sie die finanzielle Integrität von Medair?
Jim: Medair ist eine sehr einfach aufgebaute Organisation. Wir haben nur 5,5% allgemeine Betriebskosten und 6,9% Mittelbeschaffungskosten. Anders ausgedrückt fliessen 87,6% der Spenden in die humanitäre Arbeit, was sehr für unsere finanzielle Integrität spricht.
Welche Verantwortung tragen Sie als Geschäftsführer?
Jim: Meine Aufgabe ist die Führung der Organisation: strategische Entscheidungen treffen, Teammitglieder motivieren, unsere Werte und unseren Auftrag in Form von Zielen und humanitären Aktivitäten um zu setzen etc. Zuhören und Fragen stellen sind sehr wichtig. Ich muss Situationen aus einem anderen Blickwinkel betrachten und jeden dazu bringen können, es genau so zu tun.
Welche Veränderungen möchten Sie vornehmen?
Jim: Ich fühle mich sehr geehrt und gehe mit grosser Demut an die Aufgabe der Organisationsführung heran. Dies in einer Zeit, in der sich die Welt ständig wandelt. Unsere Mission wird selbstverständlich unverändert bleiben. Gestützt auf unsere bewährten Grundlagen werden wir versuchen, unsere Finanzierungsquellen zu diversifizieren, unsere Fähigkeit zu verbessern, schneller und häufiger auf Notfälle zu reagieren. Dazu wollen wir versuchen mehr qualifizierte Fachleute zu gewinnen, die bereit sind, in für einen Einsatz auszureisen und sich längerfristig zu engagieren. Und schliesslich wollen wir unsere Kapazitäten für Kriseninterventionen in städtischen Gebieten ausbauen. Im Management-Team überprüfen wir, was gut funktioniert, was geändert werden muss und was noch verbessert werden kann, um unseren Auftrag stets bestmöglich zu erfüllen: das menschliche Leid zu lindern.
„Randall Zindler, Jim Ingrams Vorgänger als Medair-Geschäftsführer, hat die Organisation während seiner siebenjährigen Amtszeit stark geprägt. Wir profitierten von seiner Weisheit, Leitungskompetenz, Entschlossenheit und Bescheidenheit bei der Arbeit zugunsten der Bedürftigsten. Daher war es nicht einfach, einen Nachfolger zu finden. Nach einem langen internationalen Auswahlverfahren mit hervorragend qualifizierten Bewerbern schien uns klar, dass Jim Ingram am geeignetsten für dieses Amt ist. Das Aufsichtsgremium war sich einig: Jim besitzt grosse Integrität und strahlt die Werte von Medair aus. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm.“
Christina Bregy, Präsidentin des Internationalen Aufsichtsgremiums von Medair



