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Kongo (DRC): Endlich eine Klinik nebenan

Endlich eine Klinik nebenan

Dank der neuen Krankenstation im Camp Linakofo bleibt den Flüchtlingsfamilien der gefährliche Weg durch den Wald erspart, wenn sie eine medizinische Behandlung benötigen.

Merci krümmte sich unter dem Schmerz einer heftigen Wehe. Als es vorbei war, richtete sie sich wieder auf und atmete tief durch. Es wurde bereits dunkel. Sie musste sofort zur Klinik in Dungu May. Ein sechs Kilometer langer Marsch auf einem Trampelpfad durch den Wald lag vor ihr.
 
In diesem Wald drohten jedoch viele tödliche Gefahren, besonders nachts. Wie die meisten im Camp Linakofo war auch die 33-jährige Merci Mborigie wegen der brutalen Angriffe der Miliz auf Dörfer der Region in das Lager geflohen. Ein Armeestützpunkt in der Nähe des Camps bot zwar eine gewisse Sicherheit, aber im Wald und besonders nachts mussten Zivilisten oft mit Vergewaltigungen und tödlichen Angriffen rechnen.

Das Camp zu verlassen konnte schon tagsüber gefährlich sein, wie die 34-jährige Justine Misa am eigenen Leib erfahren musste. Im letzten Jahr hatten die Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) zwei ihrer Töchter in der Nähe des Camps am helllichten Tag entführt. Die Mädchen wurden wochenlang missbraucht, bevor sie schliesslich fliehen und zu ihrer überglücklichen Mutter im Camp zurückkehren konnten. „Es war ein Wunder, dass die Mädchen zurückkamen“, sagt Justine.

Im Osten der D.R. Kongo terrorisieren die Rebellen der LRA die Bevölkerung mit unvorstellbar schrecklichen Gräueltaten: Sie töten und verstümmeln Zivilisten und entführen und missbrauchen Frauen und Kinder.

Die Bewohner der meisten Gebiete der Region Haut Uélé, zum Beispiel Dingila, Doruma, Bangadi und Niangara, sind aus Angst aus ihren Heimatdörfern geflüchtet.

Zurzeit leben mehr als 300 000 Bedürftige wie Merci in Flüchtlingscamps wie Linakofo oder in überlaufenen Gemeinden, die Flüchtlinge aufnehmen.

Auch wenn Merci die Gefahren kannte, die mit dem Verlassen des Camps verbunden waren, wusste sie auch, dass das Baby noch in dieser Nacht kommen würde, ob der Weg zur Klinik nun sicher war oder nicht. Wenn sie eine riskante Hausgeburt vermeiden wollte, hatte sie keine andere Wahl als den Marsch durch den Wald zu riskieren und das Beste zu hoffen.

Und so machten sie und ihr Mann sich mit klopfendem Herzen auf den Weg. Er hielt ständig nach möglichen Gefahren Ausschau, während Merci, die er auf einem Fahrrad neben sich herschob, versuchte, trotz starker Schmerzen nicht zu laut aufzustöhnen. Nach mehr als einer Stunde kamen sie dann endlich in der Klinik an, und Merci brachte in der Nacht einen gesunden Jungen zur Welt.

Aufgrund des aktuellen Konflikts bietet Medair kostenlose medizinische Versorgung in der Klinik in Dungu May und in 12 weiteren Gesundheitszentren der Region an. Das bedeutet, dass alle Kosten für Mercis Behandlung von Medair übernommen wurden. „Ich wüsste nicht, was ich ohne eure Hilfe getan hätte“, sagt Merci.

Merci und ihre Kinder ruhen sich in der Klinik in Dungu May aus.

Merci und ihre Kinder ruhen sich in der Klinik in Dungu May aus.

An den 13 Gesundheitsstandorten geben wir auch Medikamente ab, bilden medizinisches Personal aus und bieten kostenlose medizinische Behandlungen sowie eine psychologische Betreuung für Opfer sexueller Gewalt an. „Ohne Medair wären viele Menschen gestorben, da die Kranken einfach zu Hause geblieben wären“, sagt die stellvertretende leitende Krankenschwester in Dungu May, Amon Ndaima.

Auch wenn Mercis Geschichte in der Klinik von Dungu May ein gutes Ende nahm, zeigte sie, wie dringend die Einrichtung einer Krankenstation nahe Linakofo war.

Im Camp von Linakofo trifft man auf eine Gemeinde von 1500 mutigen und starken Menschen, die verzweifelt ums Überleben kämpfen. Familien leben in winzigen Unterkünften aus Palmblättern, alten Planen oder Plastikfolien. Da sie ihre Lebensgrundlage verloren haben, sind sie auf die Essensrationen der Hilfsorganisationen angewiesen. Manche versuchen auf kleinen Parzellen in der Nähe des Camps Nahrungsmittel anzubauen. Die Zukunft dieser Menschen ist zurzeit noch ungewiss, weshalb sie hoffen, dass der Konflikt bald endet, damit sie nach Hause zurückkehren oder an einem anderen Ort ein neues Leben beginnen können.

Die Lage der Menschen wird noch dadurch verschlimmert, dass die nächste Einrichtung für medizinische Versorgung sechs gefährliche Kilometer weit weg in Dungu May liegt. „Bereits seit einiger Zeit beschäftigen sich die regionale Gesundheitsbehörde und andere Beteiligte mit diesem Thema“, erklärt Dr. Benjamin Manano Ung’ur, offizieller Gesundheitsbeauftragter des Bezirks Dungu.

Nun freuen wir uns, dank Ihrer Unterstützung die Eröffnung einer neuen Krankenstation bekannt geben zu können, die direkt hier in Linakofo kostenlose medizinische Behandlungen anbietet. Bereits im ersten Monat haben wir 311 Patienten in Sprechstunden beraten sowie Krankheiten wie Malaria, Durchfall und sexuell übertragbare Infektionen diagnostiziert und behandelt.

Bildunterschrift: Der Krankenpfleger Emmanuel Mbolisa untersucht eine Patientin in der neuen Krankenstation in Linakofo.

Bildunterschrift: Der Krankenpfleger Emmanuel Mbolisa untersucht eine Patientin in der neuen Krankenstation in Linakofo.

„Ich war selbst schon zweimal dort“, berichtet Justine. „Letzten Monat bekam mein Sohn einen Hautausschlag am ganzen Körper. Die Krankenschwester verschrieb uns ein Medikament, das wir auf die betroffenen Hautstellen auftragen mussten, und der Ausschlag verschwand. Ich wurde dort auch schon behandelt.“

„Die Krankenstation ist sehr wichtig“, sagt Modeste Saba Agimirungu, Leiterin des Komitees der Binnenflüchtlinge in Linakofo. „Vor der Eröffnung konnten wir das Camp nachts nicht verlassen, um zur Klinik (in Dungu May) zu gehen, aber jetzt können wir ganz einfach die neue Krankenstation aufsuchen.“

Die Menschen, die in Linakofo leben, freuen sich sehr über die neue Einrichtung. Sie schneiden die Büsche an der Klinik zurück und halten die Umgebung in Ordnung. „Es ist eine Art der Gemeindearbeit, die sie machen, um ihren Dank auszudrücken“, erklärt Emmanuel Mbolisa, ein Krankenpfleger, der die Krankenstation betreut.

Justines Töchter hoffen auf eine bessere Zukunft.

Justines Töchter hoffen auf eine bessere Zukunft.

Justines Töchter erholen sich derzeit immer noch von ihren traumatischen Erlebnissen
. Sie gehen zur Schule, helfen bei der Maisernte und träumen von einer besseren Zukunft.

„Ohne Medair wären wir vielleicht gestorben“, sagt Justine. „Medikamente sind sehr teuer und unerschwinglich für uns. Aber dank Medair ist die Gesundheitsversorgung kostenlos, wofür wir sehr dankbar sind.“

Dank Ihrer anhaltenden Unterstützung können wir mutige Frauen und Kinder wie Justine und ihre Töchter in solch schwierigen Zeiten retten und unterstützen
. Bitte spenden Sie noch heute.
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Für weitere Informationen über die Arbeit von Medair in der D.R. Kongo klicken sie bitte hier.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.






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