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Sudan: Ein Tag in bleibender Erinnerung

Medair klärt im Rahmen der Eröffnungszeremonie für den Weltstilltag über die lebensrettende Bedeutung des Stillens auf.

Medair klärt im Rahmen der Eröffnungszeremonie für den Weltstilltag über die lebensrettende Bedeutung des Stillens auf.

Medair klärt im Rahmen der Eröffnungszeremonie für den Weltstilltag über die lebensrettende Bedeutung des Stillens auf.

Als Emily Chambers ins Mikrofon sprach, blickte sie auf das zahlreich versammelte Publikum.

„Vor einiger Zeit traf ich in einer Klinik eine Frau mit ihrem vier Monate alten, gesunden und glücklichen Sohn“, sagte Emily, Medair-Gesundheitskoordinatorin in West-Darfur. „Er war wohlgenährt und gut im Wachstum, während die Babys der anderen Mütter sehr dünn waren.“

Emily hielt inne. In dem kleinen Dorf Beida hatten sich Hunderte Menschen versammelt, um der Eröffnungszeremonie des Weltstilltages in West-Darfur beizuwohnen. Emily war gebeten worden, im Namen von Medair eine Rede zu diesem Anlass zu halten, da Medair über eine Klinik für medizinische Grundversorgung im Dorf den Mutterschutz fördert.

Der Tag war bis jetzt schon unbeschreiblich gewesen, mit so vielen unglaublichen Anblicken, Geräuschen und Erfahrungen. Die Menschen in der farbenfrohen und fröhlichen Menge sangen, tanzten und taten ihre Zustimmung durch Jubel kund.  

Ein solches Fest hatte das Dorf lange nicht mehr erlebt.

Und jetzt waren alle Würdenträger und Gemeindevertreter aus ganz West-Darfur still und lauschten ihrem Vortrag. Sogar der Regionsbeauftragte und die Gesundheitsministerin waren gekommen und hörten zu. Emily atmete tief durch und fuhr fort.

‚Wir leben an einem heissen Ort‘

„Ich fragte die Mutter nach ihrem Sohn“, erzählte Emily auf Arabisch, sodass jeder sie verstehen konnte. „Sie erklärte mir, dass sie dem Kind nur Muttermilch gebe und das auch weiterhin tun werde, bis es ein halbes Jahr alt sei.

‚Aber wie schaffst du das?‘, fragten die anderen Mütter ungläubig. ‚Wir leben an einem heissen Ort. Ohne Wasser sterben die Babys!‘

„Aber ihr Sohn ist wohlgenährt, oder?“, fragte ich sie. „Das kommt daher, dass ihre Muttermilch genug Wasser und Nährstoffe enthält, um alle Bedürfnisse des Babys zu decken.“

„Als ich ihnen das erklärte, verstanden die Frauen, worum es ging, und erkannten, dass ihre eigenen Kinder, die Wasser und Muttermilch tranken, nicht so gesund waren wie dieser Junge.“

Stillen rettet Leben
Im Sudan stirbt immer noch jedes Zehnte Kind, bevor es fünf Jahre alt ist. Studien haben aber gezeigt, dass sich die Überlebenschancen mit den richtigen Stillmethoden in den ersten Lebensjahren deutlich verbessern können – stärker als mit jeder anderen Vorsorgemassnahme. Tatsächlich kann der sofortige Beginn des Stillens innerhalb einer Stunde nach der Geburt die Sterblichkeit der Neugeborenen um etwa 20% senken.

Es bedarf gezielter Bildung, um Frauen zum Stillen ihrer Babys zu animieren. Genau das ist die Arbeit, die Medair im Rahmen des Mutterschutzprogramms im Sudan leistet. Es ist auch der Grund, warum Emily an jenem Tag sofort die Gelegenheit wahrnahm, vor einem so grossen und einflussreichen Publikum zu sprechen, um so noch mehr Menschen über die Vorteile des ausschliesslichen Stillens in den ersten sechs Lebensmonaten zu informieren.  

„Alle Frauen in Darfur sollen wissen, dass sie ihr Kind ohne Weiteres nur mit Muttermilch ernähren können“, erklärte Emily. „Auch die Väter und Grossmütter sollten das wissen. 88% der Muttermilch besteht aus Wasser, und der Rest enthält lebenswichtige Nährstoffe.

In der ersten Stunde nach der Geburt ist die Muttermilch ausserdem etwas ganz Besonderes, weil sie das Immunsystem des Kindes stärkt“, erklärte sie. „Muttermilch ist wirklich ein Geschenk des Himmels.“
 
Ein Tag in bleibender Erinnerung
Nachdem die Reden zu Ende waren, erhielten die Würdenträger noch eine Führung durch die Klinik für medizinische Grundversorgung in Beida. Das Medair-Team hatte kurz zuvor deutliche Verbesserungen an der Infrastruktur des Gebäudes vorgenommen, unter anderem für neue Gerätschaften gesorgt und die Räume für die Schwangerschaftsfürsorge, für nachgeburtliche Untersuchungen und sichere Geburten ausgebessert.

„Ich zeigte der Gesundheitsministerin die Klinik“, erzählte Hebammenbetreuerin Margaret Poni. „Sie war sehr beeindruckt und sagte, sie würde hier sogar ohne Hebamme ein Kind zur Welt bringen, weil die Räume so sauber und professionell seien.“

Später an diesem Tag wurde Emilys Rede im Radio gesendet, wo sie noch von viel mehr Menschen gehört wurde. Da sie sie auf Arabisch gehalten hatte, konnte sie auch von allen verstanden werden. So verbreitete sich ihre einfache, aber lebensrettende Botschaft über die Vorteile des Stillens noch viel weiter als sie es je für möglich gehalten hätte.

„Es war wirklich eine wundervolle Eröffnungszeremonie“, sagte Emily später. „Ich werde mich noch sehr lange an diesen Tag erinnern.“

Die lebensrettende Botschaft über die Bedeutung des Stillens muss noch viele weitere Familien in West-Darfur erreichen. Ihre Spende ermöglicht die Fortsetzung der laufenden Arbeit von Medair.

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Der Einsatz von Medair für den Mutterschutz in West-Darfur wird durch die Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten (USAID), das Britische Ministerium für internationale Entwicklung (DFID) und private Spender unterstützt.

Medair ist seit 1995 im Sudan im Einsatz. In der Region West-Darfur ist Medair seit 2001 aktiv und arbeitet zurzeit an der Bereitstellung von medizinischer Grundversorgung und sauberem Wasser, sanitären Anlagen und Hygiene (WASH) für die von Konflikten betroffenen Menschen. In anderen Gebieten des Sudan fördert Medair WASH-Programme und kümmert sich um die medizinische Grundversorgung in Südkordofan. Medair ist auch an vielen Orten im Südsudan tätig.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin vertretenen Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.

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