Kongo (DRC): Brücken bauen

Medair richtet einen lebenswichtigen humanitären Korridor von der Stadt Isiro in das von der Aussenwelt abgeschnittene Gebiet Ango ein, in dem Tausende Hilfe benötigen.
Noch vor etwas mehr als einem Jahr erhielten die bedürftigen Familien in Ango kaum Unterstützung von internationalen Hilfsorganisationen. Und das nicht, weil sie keine Hilfe benötigten hätten, sondern weil dieses Gebiet so schwer zugänglich war.
Im Jahr 2009 zwangen gewaltsame Übergriffe 25 000 Menschen, ihre Heimatdörfer zu verlassen und in das Gebiet Ango zu fliehen, wo die 30 000 Einwohner zuvor bereits unter ärmlichen Bedingungen lebten. Als Medair Ende 2010 ein Team zur Lagebeurteilung in die Stadt Ango einflog, stellten die Mitarbeiter fest, dass Hilfe dringend nötig war und teilweise lebensbedrohliche Zustände herrschten. Es fehlte vor allem an medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln.
Das Gebiet Ango ist schwer zugänglich, unter anderem weil es sehr weit von anderen Ballungszentren entfernt liegt und die Strassen und Brücken auf dem Weg dorthin in einem schlechten Zustand sind. „Das grösste Problem ist, dass 15 der 25 Brücken beschädigt sind“, erklärt Mark Wooding, Medair-Berater für Wiederaufbau. „Auch wenn die Strassen ausgebessert würden, wäre die Überquerung der Flüsse wegen der schlechten Brücken trotzdem noch äusserst gefährlich.“
„Humanitäre Organisationen können abgelegene Regionen wie Ango nicht erreichen“, sagt Jean Kugaya, ein kongolesischer Ingenieur von Medair. „Einige neue Lastwagen, die aus Isiro kamen, mussten ihre Fahrt in Dingila beenden, weil sie die Brücke dort nicht überqueren konnten.“
Da Tausende Familien von lebensnotwendiger Hilfe abgeschnitten waren, startete Medair mit Unterstützung des Pooled Fund (ein Treuhandfonds mit mehreren institutionellen Spendern für die D.R. Kongo) und privaten Spendern ein Projekt zum Bau und zur Sanierung der 15 Brücken, die für die Einrichtung eines humanitären Korridors in das Gebiet Ango befahrbar gemacht werden mussten.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig diese Brücken für uns sind,“ sagt Bernard Poly, ein Hilfsarbeiter in Nagbongbo.
Um Hilfsorganisationen wie zum Beispiel dem Welternährungsprogramm mit seinen grossen Lastwagen den Zugang zu dieser entlegenen Region zu ermöglichen, müssen die Brücken für LKWs mit 25 Tonnen Gewicht ausgelegt sein.
„Eine der Herausforderungen war der Wiederaufbau von drei Metallbrücken, bei denen die Holzbalken und die Metallteile am Zerfallen waren, da sie seit der Kolonialzeit nicht mehr gewartet worden waren,“ erklärt Thomas Simon, Medair-Projektmanager für Wiederaufbau. „Ziel war es, die Holzbalken und fehlenden Metallteile zu ersetzen, damit Lastwagen und andere Fahrzeuge die Brücke wieder passieren konnten.“
„Die Holzbalken der Brücken sind sehr gefährlich“, betont Mark. „Die meisten schweren Lastwagen bleiben beim Überqueren der Brücken stecken.“
Einige Brücken waren aufgrund ihres Alters, wegen mangelnder Wartung und durch Umwelteinflüsse wie Bodenerosion in einem so schlechten Zustand, dass das Wasser über sie hinweg floss anstatt unter ihnen hindurch. „Wir hatten schon nach Möglichkeiten gesucht, die Brücken selbst zu reparieren“, erzählt Bernard Poly. „Wir haben versucht, provisorische Brücken aus Ästen zu bauen, aber die waren für die Fahrzeuge einfach nicht stabil genug... Wir dachten schon, man hätte uns vergessen, aber dann kam Medair und begann die Brücken zu reparieren.“

Die Medair-Mitarbeiter Thomas Simon und Julien Kambale arbeiten am Projekt für den Wiederaufbau der Brücken zwischen Isiro und Ango.
Unser Team traf sich mit Gemeindeausschüssen und den Behörden vor Ort, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten partnerschaftlich an dem Projekt zusammenarbeiteten und die Gemeinden sich auch für die sanierten Brücken verantwortlich fühlen. „Da die Menschen am Aufbau der Brücken mitarbeiten konnten, verbesserte sich auch die wirtschaftliche Situation, zum Beispiel von Flüchtlingen oder Alleinerziehenden, die sonst keine Möglichkeit hatten, Geld zu verdienen“, erklärt der 61-jährige Sarafine Nodele Ndele, Gemeindevorsteher im Gebiet Poko. „So können sie zum Beispiel das Schulgeld bezahlen oder ihren Kindern neue Kleidung kaufen.“
Tatsächlich hatte das Brückenbauprojekt für viele Familien neben der Erschliessung des Gebiets Ango für die humanitäre Hilfe noch einen anderen positiven Nebeneffekt. Entlang der Strasse konnten viele Menschen für eine gewisse Zeit Arbeit finden und erlernten zudem wertvolle neue Fähigkeiten. Die Arbeiter wurden ausserdem über HIV/Aids und andere Geschlechtskrankheiten sowie die Schlafkrankheit aufgeklärt – einige zum ersten Mal. Zudem dürften Waren, die aus Städten wie Isiro geliefert werden, in Zukunft günstiger werden, da die Lastwagen die Region viel schneller erreichen.
„Wir hoffen ausserdem, dass die Brücken durch die Vereinfachung des Transports der Landwirtschaft einen indirekten Wachstumsschub geben und somit im weiteren Sinne auch die ökonomischen Möglichkeiten der Menschen verbessern“, erklärt Jean Kugaya.
Der Wiederaufbau der Brücken hat für die Menschen in der Region bereits zu einer besseren Versorgung mit humanitärer Hilfe geführt. „Das Brückenprojekt hat den Lastwagen des Welternährungsprogramms, die Nahrungsmittel zur Bevölkerung in den Uélé-Regionen transportieren, die Zufahrt in das Gebiet ermöglicht“, sagt Laurent Frimault, Logistikbeauftragter des Welternährungsprogramms.
„Als meine Schwestern und Verwandten den Fortschritt bei den Bauarbeiten an den Brücken sahen, freute ich mich sehr über ihren glücklichen Gesichtsausdruck“, berichtet Bernard Poly. „Da wir hier sehr abgeschieden sind, fehlt es häufig an wirklich grundlegenden Dingen. Wir hatten unserer Region den Spitznamen Zaire gegeben, da die Situation ähnlich schlecht war wie während des Mobutu-Regimes. Aber jetzt fühlen wir uns langsam wieder wie die D.R. Kongo. Das freut mich sehr.“
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Zusätzlich zum Brückenprojekt eröffnete Medair 2011 eine Basisstation in Ango, in der Gesundheitsversorgung angeboten wird und wo wir uns dafür einsetzen, den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH) für die lokale Bevölkerung zu verbessern.
Die Medair-Projekte im Gebiet Ango werden durch den Multi-Donor Pooled Fund, die Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten (USAID) und private Spender unterstützt.
Lesen Sie mehr über die Arbeit von Medair in der D.R. Kongo.
Dieses Internet-Update wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den hierin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.




