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Somalia: Blicke sagen mehr als tausend Worte

Blicke sagen mehr als tausend Worte

In einem trockenen und abgelegenen Dorf sieht Ed Nash trotz der schrecklichen Dürre Zeichen der Hoffnung.

Mit feierlicher Miene macht sie einen Schritt nach vorn. Noch zu jung um einen Schleier zu tragen, hat sie ein cremefarbenes, elegant verziertes Brautmädchenkleid an. Mit den Puffärmeln, den Armbändern und dem ernsten Gesichtsausdruck würde sie auch zu einer Hochzeit in Europa oder Amerika passen.

Sie macht jedoch den Schritt nach vorn, damit unser Ernährungsteam sie wiegen und vermessen kann, um die Schwere ihrer Unterernährung festzustellen und ihr entsprechende therapeutische Nahrung zu geben. Sie ist eines von Tausenden unterernährten Kindern in Somaliland, die aufgrund der schrecklichen Dürre am Horn von Afrika ums Überleben kämpfen. Aber nur wenige Menschen auf der Welt leben abgeschiedener und sind für

Ein unterernährtes Mädchen in einem Brautmädchenkleid wird vom Medair-Ernährungsteam gewogen.

Ein unterernährtes Mädchen in einem Brautmädchenkleid wird vom Medair-Ernährungsteam gewogen.

Hilfsorganisationen schwerer zu erreichen als sie...

Ich sitze in einem silbernen Geländewagen und bin auf dem Weg nach Gumburu Xangeyo, dem abgelegensten Dorf, in dem Medair in der Region Sool in Somaliland Hilfe leistet. Die Deyr-Regenzeit hat bereits vor einigen Wochen begonnen, aber wie an den meisten Tagen gibt es auch heute keinen Regen. Die starken Winde peitschen Staub und Sand in beissenden Wirbeln auf.

Nach zwei Stunden der insgesamt siebenstündigen Fahrt verlassen wir die Asphaltstrasse und folgen von nun an einer unbefestigten Strasse, die mit ihren plötzlichen Biegungen und dem weichen Sand, in dem die Autos leicht stecken bleiben, sehr tückisch ist. Ich schaue aus dem Fenster und lasse das endlose Geschaukel auf der Buckelpiste über mich ergehen, während wir immer weiter in die Einöde vordringen.

Hier auf dem Land in der Region Sool ist es gespenstisch still. Das trockene Land – in dem nur einzelne verdorrte Büsche und turmartig aufragende Termitenhügel zu sehen sind – wäre normalerweise voller Herden grasender Kamele, Ziegen und Schwarzkopfschafe. Ich habe irgendwo gehört, dass 1990 im ganzen Land Somalia mehr Kamele lebten als in irgendeinem anderen Land auf der Welt. Heute kann man kilometerweit fahren, ohne einem einzigen Lebewesen zu begegnen.

Nach fünf Stunden Fahrt auf der Staubstrasse erreichen wir Gumburu Xangeyo, eine Ansammlung von Lehmhütten für etwa 250 Familien und weitere 250 in der nahen Umgebung.
 
Ein Baby in Gumburu Xangeyo bekommt energiereiche Spezialnahrung.

Ein Baby in Gumburu Xangeyo bekommt energiereiche Spezialnahrung.

Als das Ernährungsteam im Dorf ankommt, bildet sich bereits eine erwartungsvolle Schlange aus Kindern und Erwachsenen. Nachdem das Mädchen im Brautmädchenkleid seine Nahrung bekommen hat, warten auch die anderen Kinder in der Schlange darauf, gewogen und vermessen zu werden und dann ihre Päckchen mit der Spezialnahrung Plumpy'Nut zu bekommen. Dabei handelt es sich um eine energiereiche therapeutische Nahrung, die für die Behandlung von unterernährten Kindern unter fünf Jahren eingesetzt wird.

Medair verteilt zwar erst seit zwei Wochen Nahrung im Dorf, aber die Kinder nehmen bereits zu. Dafür, dass das Dorf einer solch schrecklichen Dürre ausgesetzt ist, erholen sich die Kinder sehr schnell.

„Als das erste Mal Nahrung im Dorf verteilt wurde, mussten die Kinder hierher getragen werden, um sie abzuholen“, erzählt Salad Roble Awad, der 60 Jahre alte Dorfvorsteher. „Vorher waren die Kinder schwach und schläfrig. Die Nahrung hat sie wach gemacht!“

Eine kleine Gruppe von Dorfbewohnern erzählt mir, wie überrascht sie sind, dass sich überhaupt eine ausländische Hilfsorganisation um sie kümmert. „Hierher ist vorher noch niemand gekommen“, erklärt Salad. „Die Leute wollen nicht herkommen, weil die Fahrt zu unserem Dorf so beschwerlich ist. Aber Medair kam einmal, um sich die Situation bei uns anzuschauen, und dann erneut, um uns zu helfen. Nun habe ich Hoffnung für die Zukunft unseres Dorfes.“

Dies 29-jährige Sayneb Mohamed erzählt mir eine für das Dorf typische, tragische Geschichte. Vor einiger Zeit ging es ihr noch gut in diesen Weidegebieten. Sie hatte grosse Ziegen- und Schafherden, aber all ihre Tiere starben aufgrund der Trockenheit – das letzte vor einem Jahr.

„Als die Tiere starben, lagen überall Kadaver“, berichtet Sayneb. „Die toten Tiere lagen auf den Strassen des Dorfes. Der Gestank war unerträglich.“ Heute sind nur noch ein paar von Insekten blank geputzte Knochen übrig, die in der brennenden Mittagshitze vertrocknen.

Saynebs Sohn Jimcale war irgendwann so unterernährt und erschöpft, dass er sich kaum mehr bewegen konnte. Er verbrachte die meiste Zeit des Tages schlafend auf dem Boden. „Er war dem Tod sehr nahe“, sagt sie. „Bevor Medair hierher kam, starben viele Kinder.”

Die 29-jährige Sayneb und ihr Sohn Jimcale, der sich bereits gut erholt, warten auf die Spezialnahrung.

Die 29-jährige Sayneb und ihr Sohn Jimcale, der sich bereits gut erholt, warten auf die Spezialnahrung.

Aber heute haben Jimcales Wangen einen gesunden Glanz. Er spielt unablässig, sodass seine Mutter Mühe hat, ihn festzuhalten. „Die Kinder waren schwach und konnten die wenige Nahrung, die die Erwachsenen ihnen geben konnten, nicht verdauen“, sagt sie. „Die Spezialnahrung von Medair ist sehr gut für die Kinder.“

Aus meiner westlichen Sichtweise scheint mir das Leben in Gumburu Xangeyo unerträglich hart. Ich frage mich, woher die Menschen hier den Mut nehmen, um weiterzumachen. Aber egal wie hart das Leben hier auch sein mag, es ist unvergleichlich besser als ihr Leben hier zurückzulassen und in ein Flüchtlingscamp zu gehen. Bei meinem Spaziergang durch das Dorf berichten mir viele der Einwohner, wie entschlossen sie sind, hier zu bleiben.

Wenn Menschen in Flüchtlingscamps gehen, lassen sie ihr gesamtes Leben zurück. Sie verlieren ihr Land und all ihr Hab und Gut und sind auf Hilfe angewiesen. Diese Abhängigkeit erschwert die Rückkehr in ein normales Leben. Daher nehmen wir solch weite Reisen auf uns, um in Gemeinden wie Gumburu Xangeyo direkt vor Ort zu helfen.

Als das Ernährungsteam seine Arbeit für diesen Tag beendet hat, klettere auch ich in den Geländewagen zurück, und wir machen uns auf die lange Heimfahrt. Auf meiner Reise durch diese Region habe ich unglaubliche Not, Unterernährung und Entbehrungen gesehen, aber auch neue Hoffnung, einen Lichtblick am Horizont für eine Zukunft, die Medair den hier lebenden Familien bringen kann.

Sayneb hat heute etwas gesagt, was mich beeindruckt hat: „Augen sagen mehr als tausend Worte.“ Dieses somalische Sprichwort besagt, dass Worte allein der Dankbarkeit nicht Ausdruck verleihen können. Sie hatte dabei auf eine Gruppe Mütter gezeigt, die um uns herum standen und deren fröhliche Kinder in der Nähe spielten. „Ohne eure Hilfe wären wir am Ende gewesen.“


Mit Ihrer Unterstützung kann Medair Nothilfe leisten, damit mehr als 300 000 Menschen die Dürre in den kommenden Monaten überstehen. Wir werden auch Kinder impfen, die Kapazitäten vor Ort ausbauen und den Zugang zu sauberem Wasser verbessern. Mit diesen langfristigen Interventionen werden die Gemeinden zukünftige Dürreperioden besser überstehen.

Bitte spenden Sie noch heute für dieses lebenswichtige Projekt.

Lesen Sie mehr zur Arbeit von Medair in Somalia/Somaliland.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.






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