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Afghanistan: Auf dem Weg der Besserung

Auf dem Weg der Besserung

In den unzugänglichen Regionen Afghanistans ist Medair im Einsatz, um das Leben von unterernährten Kindern und Schwangeren zu retten.

„Es gibt hier viele Menschen, die sterben, wenn sie im Krankheitsfall nicht ordentlich ernährt oder behandelt werden”, erklärt Abdul Shaya. „Ich habe das oft erlebt. Das ist hier an der Tagesordnung.”

Abdul Shaya war auf dem Esel nach Yawan geritten, um seine 18 Monate alte Enkelin Mahsa in der neu eröffneten Ernährungsklinik von Medair behandeln zu lassen. Ein kleiner, rüstiger Mann mit strahlenden Augen und einem lächelnden Mund, der seine kleine Enkelin liebevoll umsorgte, während er darauf wartete, zu den Mitarbeitern des Ernährungsteams vorgelassen zu werden.

„Ich liebe meine Enkel so wie meine Kinder. Sie sind mein Fleisch und Blut”, sagt er. „Mahsas Mutter hat gerade erst ein weiteres Kind entbunden und ist zu schwach, um hierher zu kommen, und ihr Vater ist im Augenblick krank. Deshalb habe ich sie hierher gebracht.”

Seit sie nicht mehr gestillt wird, ist Mahsa sehr krank. „Nach dem Abstillen wurde sie zusehends schwächer und dünner”, berichtet Abdul Shaya. „Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, ist sehr hart und zäh. Mahsa hätte das nicht essen sollen, aber wir hatten keine spezielle Nahrung für sie.”

Nach der Untersuchung durch das Medair-Ernährungsteam wurde Mahsa als stark unterernährt eingestuft. Wir gaben Abdul Shaya eine grosse Packung nährstoffreiche therapeutische Nahrung für Mahsa, die er dankbar entgegennahm, und baten ihn, in zwei Wochen zur Kontrolle und für weitere Nahrung noch einmal in die Klinik zu kommen.

Mahsa öffnet gierig ihren Mund für die nährstoffreiche Spezialnahrung.

Mahsa öffnet gierig ihren Mund für die nährstoffreiche Spezialnahrung.

Unterernährung in Afghanistan
Jedes Jahr sterben 237 000 afghanische Kinder vor ihrem fünften Geburtstag – eine schockierende Zahl. Eine der Hauptursachen ist die akute Unterernährung. Diese ist ein weit verbreitetes Phänomen in den abgelegenen Bergdörfern, wo die Anbausaison kurz ist, die Winter lang sind und die Ernteerträge stark schwanken. Die Familien müssen den Winter mit den mageren Vorräten überleben, die sie den Sommer über anlegen können.

„Die meiste Zeit herrscht Unterernährung in den Dörfern”, sagt Abdul Shahad, der als Gemeindegesundheitsmitarbeiter für das Gesundheitsministerium arbeitet. „Die Kinder sind dünn, haben aber oft aufgedunsene Bäuche und geschwollene Füsse. Einige sind völlig appetitlos, während anderen der Hunger unerträglich zu schaffen macht. Sie sind traurig, ohne Lebensenergie und können nicht spielen. Sie haben kein Interesse an den Geschehnissen um sie herum.”

2010 startete Medair im entlegenen und verarmten Bezirk Raghistan in der Provinz Badakhshan ein Ernährungsprogramm, durch das über 2000 unterernährte Kinder und Schwangere behandelt und damit viele Leben gerettet wurden.

Angespornt durch den Erfolg des Ernährungsprojekts in Raghistan weitete Medair das Programm auf die benachbarten Bezirke Yawan und Kohistan aus. Mittlerweile betreiben wir drei Ernährungskliniken – eine in jedem Bezirk; eine vierte soll im Juli in Yawan eröffnet werden.

Gemeindeanimatoren besuchen die Dörfer in den drei Bezirken und bitten die Familien eindringlich, ihre unterernährten Frauen und Kinder zur Behandlung in die Klinik zu bringen. „Ich habe noch nie so dünne und kranke Kinder gesehen wie hier in den Dörfern”, sagt Adbul Khan, ernährungstechnischer Mitarbeiter von Medair. „Ich wurde sehr traurig, als ich mit den Müttern sprach. Ich habe ihnen gesagt, dass sie ihre kranken Kinder stillen müssen, aber sie haben nicht einmal genug Nahrung für sich selbst.”

Ausserdem bildet Medair mehr als 500 freiwillige Helfer aus, die die Familien und Dorfgemeinschaften dazu anhalten sollen, mehr über nährstoffreiche Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse, Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit, besseres Hygieneverhalten und die Pflege kranker Kinder zu lernen. Wir hoffen, dass mehr als 5000 Haushalte (bis zu 35 000 Menschen) ihr Wissen durch dieses Programm erweitern werden und in Zukunft die Gesundheit ihrer Kinder besser schützen können.

Die meisten Familien müssen einen langen Weg mit dem Esel auf sich nehmen, um ihre unterernährten Kinder in die Klinik zu bringen.

Die meisten Familien müssen einen langen Weg mit dem Esel auf sich nehmen, um ihre unterernährten Kinder in die Klinik zu bringen.

Erste Patienten in Yawan
Innerhalb der ersten zwei Wochen nach Eröffnung der Klinik in Yawan wurden bereits mehr als 400 Patienten untersucht und mehr als 200 unterernährte Frauen und Kinder ins Programm aufgenommen.

Auch Bebe Firoza gehörte zu denjenigen, die in diesen ersten Wochen in der Hitze vor den Klinikzelten warteten. Sie brachte ihre zehn Monate alte Enkelin Nazaneen zur Begutachtung. Nazaneens Vater war tot und ihre Mutter hatte sie im Stich gelassen, sodass Nazaneen nun von ihrer Grossmutter aufgezogen wird. „Was sollte ich tun? Der Vater von Nazaneens Mutter wollte sie nicht in seine Familie aufnehmen”, sagt Bebe Firoza. „Ihre Mutter hat uns mittlerweile verlassen. Was sollte ich also tun? Ich muss mich um sie kümmern.”

Wie Mahsa wurde auch Nazaneen als stark unterernährt eingestuft. Sie erhielt therapeutische Nahrungsrationen, und Bebe Firoza sollte in zwei Wochen mit ihr wiederkommen. „Sie muss gesund werden, denn sie leidet”, sagt Bebe Firoza. „Es ging ihr immer schlechter, und deshalb bin ich hierher gekommen. Um sie behandeln zu lassen.”

Hoffnung für Mahsa
Bevor sich Abdul Shaya auf den Rückweg in sein Dorf machte, fragten wir ihn, was wohl mit Mahsa geschehen wäre, wenn die Klinik nicht eröffnet worden wäre. „Dann hätten wir sie mit der Nahrung weiterernährt, die wir haben, und ziemlich wahrscheinlich wäre sie gestorben”, antwortete er. „Die Menschen hier tun ihr Bestes, aber manchmal stirbt das Kind trotzdem.”

Ausgehend von der Wirkung des letztjährigen Programms in Raghistan haben wir jeden Grund zu hoffen, dass durch dieses Programm das Leben vieler Kinder gerettet wird, die andernfalls sterben würden, und dass sich das Leben ihrer Familien deutlich verändert. Allerdings hängt der Erfolg des Programms davon ab, ob die Eltern und Grosseltern den oftmals beschwerlichen Weg in eine Klinik für die Nachkontrollen auf sich nehmen.

„Ich war sehr traurig und verzweifelt, doch jetzt bin ich glücklich, weil es eine Behandlung für meine Enkelin gibt“, sagt Abdul Shaya, bevor er sich mit Mahsa auf den zweistündigen Heimweg macht. „Wir sind so froh, dass es Menschen gibt, die sich um uns kümmern.”

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In den kommenden Wochen und Monaten werden wir Mahsas Genesung begleiten und Sie darüber auf dem Laufenden halten. Besuchen Sie die Webseite von Medair oder abonnieren Sie den Medair-Newsletter, um nichts zu verpassen. Wir hoffen, dass Mahsa und Nazaneen weiterhin zur Behandlung in die Klinik gebracht und bald wieder völlig gesund und bei Kräften sein werden.

Das Medair-Ernährungsprojekt in den unzugänglichen Regionen Afghanistans ist für das Überleben von Mahsa, Nazaneen und Tausenden anderen Kindern sowie Schwangeren von grösster Bedeutung. Ihre Spende macht unsere Arbeit erst möglich.


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Unser Ernährungsprojekt in Afghanistan wird durch die Schweizer Glückskette, das Mennonitische Zentralkomitee (MCC), das WFP, UNICEF und private Spenden unterstützt.

Medair ist seit 1996 in Afghanistan tätig und kümmert sich um bedürftige und abgelegene Gemeinden in der Provinz Badakhshan und im zentralen Hochland. Zusätzlich zur Hilfe im Bereich Ernährung, Schulungen für unterernährte Frauen und Kinder leistet Medair auch Unterstützung für Gemeinden in Bezug auf sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH) und verbessert die Ernährungssicherung in gefährdeten Gemeinden durch Schulungen für Bauern und Geld-für-Arbeit-Programme. Medair hilft den Gemeinden auch mit Nothilfeeinsätzen bei Naturkatastrophen und arbeitet zudem mit den lokalen Regierungsstellen zusammen, um das Schadenrisiko zukünftiger Katastrophen zu verringern.

Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin vertretenen Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.





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