Kongo (DRC): Unter Brüdern und Schwestern

Medair kümmert sich um die medizinische Versorgung von Zehntausenden Menschen, die von den anhaltenden gewaltsamen Konflikten im Bezirk Ituri in der Demokratischen Republik Kongo betroffen sind.

Medair bietet Zehntausenden Bedürftigen im Bezirk Ituri kostenlose Gesundheitsversorgung an

Geschichten wie die von Androzo hört man im Bezirk Ituri in der D.R. Kongo in diesen Tagen nur allzu häufig
„Ich arbeitete auf einem Bauernhof in der Nähe, als ich plötzlich Schüsse hörte“, erzählt der 25-jährige Androzo Tabu, als er von dem schrecklichen Tag im Oktober 2010 berichtet. „Zuerst dachte ich, es seien Militärtruppen, die in ihr Camp zurückkehren, aber als die Schüsse auch nach fünf Minuten nicht aufhörten, nahm ich meine Hacke und meine Machete und rannte nach Hause.“
Androzo rief dort seine Frau und die drei Kinder zusammen und gemeinsam rannten sie mit vielen anderen in den Wald, um dort Schutz zu suchen, während Milizionäre ihr kleines Dorf Sorodo im Bezirk Ituri angriffen. Die Kämpfer terrorisierten die Einwohner und plünderten die Häuser sowie die von Medair unterstützte Krankenstation. Drei Menschen wurden getötet und eine Frau wurde schwer verletzt.
Als Androzo und seine Familie nach Sorodo zurückkehrten, war alles in ihrem Haus weg. „Ich bin sehr wütend. Ich arbeite sehr hart auf dem Feld, um Dinge für meine Familie kaufen zu können, und diese Menschen kommen einfach und nehmen uns alles weg“, berichtet er niedergeschlagen.
Ein Leben in Angst
Geschichten wie die von Androzo hört man im Bezirk Ituri in der D.R. Kongo in diesen Tagen nur allzu häufig. Bewaffnete Milizen terrorisieren immer wieder die Bevölkerung und plündern die Dörfer. Die ständige Unsicherheit hat zu einer anhaltenden Notsituation geführt, in der Zehntausende aus ihren Heimatdörfern vertrieben wurden. Nun benötigen sie dringend Hilfe.
„Sie können sich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen die Binnenvertriebenen in dieser Region leben müssen“, sagt Dr. Blaise Gaya Anyom, der leitende Arzt für die Region Gety im Bezirk Ituri. „Das Sozialsystem einschliesslich der Gesundheits- und Bildungseinrichtungen wurde in dieser Region völlig zerstört.“
Androzos Flucht
Ein Jahr vor dem Angriff auf das Dorf Sorodo wurde Androzos Familie durch die anhaltenden Kämpfe zwischen den Miliztruppen und der kongolesischen Armee zur Flucht aus ihrem Heimatdorf Mori gezwungen. Aber auch hier in Sorodo, wo Androzo als Binnenvertriebener auf geliehenem Land lebt, kommt es immer wieder zu Angriffen.
Während ihrer Flucht von Mori nach Sorodo mussten sich Androzo und seine Familie tagelang in den Wäldern versteckt halten, bis keine Gefahr mehr für sie bestand. Als sie dann endlich in Sorodo ankamen, war Androzos siebenjährige Tochter Sylvie schwer krank geworden. „Sie war bewusstlos und ihr Gesicht war angeschwollen“, berichtet der Vater mit leiser Stimme, als er an diese schreckliche Zeit zurückdenkt.
Sylvie wurde in ein Krankenhaus in Boga gebracht, wo sie eine Behandlung gegen akute Anämie und Kwashiorkor (eine Form der Unterernährung) erhielt. Zwei Wochen später wurde sie in gutem Gesundheitszustand entlassen. „Ich musste nicht einen Cent für die Behandlung bezahlen, Medair hat sich um alles gekümmert“, berichtet Androzo. „Wäre Medair nicht gewesen, wäre meine Tochter jetzt tot.“
Kostenlose medizinische Versorgung
Medair bietet Zehntausenden Bedürftigen im Bezirk Ituri kostenlose Gesundheitsversorgung an. Das Projekt wird durch die grosszügige Unterstützung der Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten (USAID) und privater Spender ermöglicht.
„Die Menschen in dieser Region leiden bereits seit Langem unter diesem Konflikt“, sagte der USAID-Mitarbeiter Jay Nash im Rahmen eines Besuchs in den Gesundheitszentren von Dele und Vilo nahe der Stadt Bunia. „Aber ich bin froh, dass wir mit einem Partner vor Ort zusammenarbeiten, der sich um den essenziellen Bereich der medizinischen Versorgung kümmert. Wir werden auch in Zukunft versuchen, unsere Hilfsleistungen fortzusetzen, bis diese Probleme gelöst sind.“
Medair kümmert sich um die medizinische Versorgung der bedürftigsten Menschen in der Region. Zusätzlich leitet und schult Medair das Personal der Gesundheitskliniken vor Ort und trägt so zur Stärkung des allgemeinen Gesundheitssystems bei. Zusätzlich engagiert sich Medair für die Krankheitsprävention und führt hierzu Impfprogramme durch, verteilt Moskitonetze und stellt Schwangeren hygienische Geburtshilfesets zur Verfügung.
„Wir bemerkten bereits eine Veränderung, als wir begannen, Moskitonetze und hygienische Geburtshilfesets im Zuge der Schwangerenbetreuung zu verteilen“, berichtet Eugenie Gayasi, die leitende Krankenschwester im Gesundheitszentrum von Dele. „Die Frauen kommen nun von überall her zu uns, um das Angebot der Schwangerenbetreuung zu nutzen. Das ist eine positive Veränderung im Verhalten der Bevölkerung.“
Unter Brüdern und Schwestern
Wie Zehntausende andere Binnenvertriebene in dieser Region muss auch Androzo jeden Tag um die Sicherheit seiner Familie fürchten und versuchen, sie mit dem Nötigsten zu versorgen. Er und seine Familie haben kaum genug zu essen, ganz zu schweigen von Geld für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung.
„Ich bin Medair für die Unterstützung meiner Familie sehr dankbar“, sagt Androzo. „Ich muss mir als Binnenvertriebener bereits um so viele Dinge Sorgen machen. Wenigstens gehören Krankenhausrechnungen nun nicht mehr dazu.“
„Wenn wir krank werden, gehen wir in die Klinik, und die Behandlung, die wir dort erhalten, ist völlig kostenlos. Es sind Organisationen wie Medair, die mir das Gefühl geben, unter Brüdern und Schwestern zu sein.“
Die Programme von Medair in der D.R. Kongo werden durch die GD Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz, die Entwicklungshilfeorganisation der Vereinigten Staaten (USAID), die Schweizer Glückskette, den Pooled Fund, den Global Fund, den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und private Spender unterstützt.
Als eine der am längsten in der Region tätigen internationalen NGOs sorgt Medair seit 1997 für Nothilfe und Wiederaufbau im Nordosten der D.R. Kongo und hat sich das Vertrauen der Gemeinden und Ansprechpartner erarbeitet. Medair ermöglicht in Ituri sowie in den Bezirken Bas-Uélé und Haut-Uélé mehr als einer Million Menschen pro Jahr den Zugang zu medizinischer Versorgung und unterstützt mehr als 200 Gesundheitseinrichtungen mit technischer Beratung, Kontrolltätigkeiten sowie Schulung von Gesundheitspersonal und versorgt diese Zentren auch mit medizinischem und anderem Material. Medair bemüht sich auch, den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene in der Region zu verbessern.
Dieser Web-Beitrag wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin vertretenen Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.


