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Afghanistan: Verbesserung der Gesundheit afghanischer Frauen und Kinder durch Ausweitung des Medair-Ernährungsprogramms

Medair behandelte 2011 knapp 5000 unterernährte Kinder sowie schwangere und stillende Frauen.

2010 starben 191 000 afghanische Kinder unter fünf Jahren (1). Die Zahl ist erschreckend: Sie bedeutet, dass jeden Tag über 500 Kinder starben. Eine der Hauptursachen war die akute Unterernährung.

Unterernährung ist ein besonders weit verbreitetes Phänomen bei Kindern in den abgelegenen Bergdörfern der Provinz Badakhshan, wo die Anbausaison kurz ist, die Winter lang sind und die Ernteerträge stark schwanken. Während der Wintermonate sind viele kleine Dörfer der dünn besiedelten Bezirke Yawan, Raghistan und Kohistan wegen der starken Schneefälle vollständig von der Aussenwelt abgeschnitten.

2010 startete Medair im entlegenen und verarmten Bezirk Raghistan ein Ernährungsprojekt, durch das über 2000 unterernährte Kinder und Schwangere behandelt und somit viele Leben gerettet wurden.

Fardin isst gierig die nährstoffreiche Spezialnahrung.

Fardin isst gierig die nährstoffreiche Spezialnahrung.

2011 weitete Medair das Ernährungsprojekt auf die Bezirke Yawan und Kohistan aus. Unsere Mobilisierungsspezialisten besuchten die Dörfer in den drei Bezirken und baten die Familien eindringlich, ihre unterernährten Kinder sowie schwangeren und stillenden Frauen in eine der vier von Medair unterstützten Kliniken zu bringen. Dort erhielten sie nährstoffreiche Spezialnahrung, und die Besserung ihres Gesundheitszustands wurde bei Nachsorgeterminen genauestens überwacht.

Innerhalb der ersten zwei Wochen nach Eröffnung der von Medair unterstützten Klinik im Dorf Yawan in diesem Frühjahr wurden bereits mehr als 400 Patienten untersucht und mehr als 200 unterernährte Kinder und Frauen ins Ernährungsprogramm aufgenommen.

Fardins Genesung
Eines dieser Kinder war Danials Sohn Fardin. Wie viele Familien in der entlegenen Provinz Badakhshan hatten auch Danial und seine Familie einen schweren Winter erlebt. Während der langen, kalten Monate zu Jahresbeginn hatten sie sich von einer äussert mageren Kost ernährt, die kaum zum Überleben ausreichte. „Wir hatten nur ein wenig Weizen”, erklärt Danial. “Ausser Brot gab es gar nichts.”

Im Dorf Yawan wird der Oberarm der zweijährigen Najela gemessen, um ihren Ernährungszustand zu beurteilen.

Im Dorf Yawan wird der Oberarm der zweijährigen Najela gemessen, um ihren Ernährungszustand zu beurteilen.

Besonders hart war der Winter für den kleinen Fardin, Danials jüngsten Sohn. „Er wurde ein halbes Jahr lang gestillt”, sagt Danial. „Dann gaben wir ihm Brot und Ziegenmilch, aber das verweigerte er. So wurde er unterernährt, bekam hohes Fieber und seine Füsse wurden fingerdünn. Er war nur noch Haut und Knochen.”

Da Danial vom Erfolg des Medair-Ernährungsprogramms im Nachbarbezirk Raghistan gehört hatte, brachte er Fardin bereitwillig zur Begutachtung durch das Medair-Team und meldete ihn für das Programm an. „Wir haben grosses Vertrauen in Medair, weil wir vergangenes Jahr von der Arbeit der Organisation in anderen Bezirken gehört haben”, so Danial. „Wir wissen, dass Medair der Bevölkerung eine gute Gesundheitsversorgung bietet.”

Knapp einen Monat nach seiner Aufnahme ins Ernährungsprogramm hatte sich Fardins Gesundheitszustand massiv gebessert. Der mittlerweile gesunde und propere Junge nuckelte glücklich an einer Packung therapeutischer Nahrung, während sein Vater ihn stolz in den Armen hielt.

„Unglaublich! Er hat grosse Fortschritte gemacht”, sagt Danial dankbar lächelnd. „Anfangs war er völlig teilnahmslos. Doch jetzt ist er wieder neugierig und schaut umher. Unsere Hochachtung für Medair. Mein Kind wäre fast gestorben, aber dann hat uns Medair geholfen. Wir sind sehr dankbar, dass Medair hier ist.”

Zwischen April und Oktober 2011 behandelte Medair 576 schwer unterernährte Kinder unter fünf Jahren und versorgte 1432 an moderater Unterernährung leidende Kinder sowie 2886 schwangere und stillende Frauen mit nährstoffreichen Essensrationen.

Allerdings benötigt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in dieser entlegenen Bergregion länger als einen ganzen Tag, um zu einer Gesundheitseinrichtung und wieder zurück zu gelangen, was regelmässige Besuche zu einer ziemlichen Herausforderung macht.

Der ernährungstechnische Mitarbeiter Abdul Khan wiegt ein Kleinkind.

Der ernährungstechnische Mitarbeiter Abdul Khan wiegt ein Kleinkind.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Unterernährung ein schwerwiegendes Problem bleiben wird, wenn die Gemeinden nicht die Verantwortung für die Verbesserung ihres eigenen Wohls übernehmen
, engagierte und schulte Medair 545 freiwillige Helfer, um Familien und Dörfer über eine bessere Ernährung aufzuklären. Sie sollten 5133 Haushalte, d. h. 35 930 Menschen, darüber informieren, wie wichtig der Verzehr von Obst und Gemüse, die Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit, gute Hygienepraktiken und die richtige Pflege kranker Kinder sind.

„Man muss sich nur das Gesicht der Menschen hier ansehen, um zu erkennen, dass die Unterernährung ein grosses Problem ist”, erklärt Gharib Nawaz, der Gouverneur von Kohistan, bei der Eröffnung der Klinik in Paspul im vergangenen Juni. “Ich stehe der Eröffnung dieser Ernährungsklinik absolut positiv gegenüber. Die ausländischen Hilfsorganisationen sind an einem Einsatz in diesen Gebieten nicht interessiert. Wir sind sehr dankbar dafür, dass Medair trotz der Schwierigkeiten, die die Arbeit in dieser Region mit sich bringt, hierher kommt und uns hilft.”

(1) Levels and Trends in Child Mortality, Report 2011. U.N. Inter-agency Group for Child Mortality Estimation: www.unicef.org/media/files/Child_Mortality_Report_2011_Final.pdf
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Das Ernährungsprojekt von Medair in Afghanistan wird durch die Schweizer Glückskette, das Mennonitische Zentralkomitee (MCC) zusammen mit der Canadian Food Grain Bank, das Welternährungsprogramm, UNICEF und private Spenden unterstützt.

Mehr zur Arbeit von Medair in Afghanistan

Dieses Internet-Update wurde mit Mitteln erstellt, die Medair-Mitarbeiter vor Ort und am Hauptsitz gesammelt haben. Bei den darin geäusserten Meinungen handelt es sich ausschliesslich um die Ansichten von Medair; sie geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen wieder.





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