Hauptziel von Medair im Südsudan ist die bessere Verfügbarkeit von medizinischer Versorgung, Trinkwasser und im Falle akuter Krisen von Notfallhilfe. Medair wird im Südsudan so lange helfen, bis Nothilfe und Unterstützung beim Aufbau nicht länger benötigt wird oder bis andere Organisationen Unterstützung bieten. In der Zwischenzeit konzentriert sich Medair auf die am meisten gefährdeten Gebiete, in denen andere Organisationen keine medizinische Versorgung oder WatSan-Unterstützung (Wasser und Abwasserentsorgung) bieten.
Der Hintergrund
Der Südsudan ist eine von Krieg und Armut geprägte Region. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 war der Sudan fast ununterbrochen Schauplatz von Kriegen. Im Januar 2005 endete mit der Unterzeichnung des Comprehensive Peace Agreeements (CPA) durch die Oppositionspartei Sudanese People’s Liberation Movement (SPLM) und die regierende Partei National Congress Party (NCP) der längste Bürgerkrieg, den Afrika je erlebt hat. Mehr als vier Millionen Menschen verloren in diesem Krieg ihr Leben, und mindestens genauso viele wurden aus ihrer Heimat vertrieben.
Durch die explosive Mischung verschiedener ethnischer Gruppen, alter Missstände und weit verbreiteter Bewaffnung konnte mit dem CPA keine Stabilität erreicht werden. Zahllose Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Bürgerkrieg kehrten nun in ihre Heimat zurück. Hierdurch kam es zu Spannungen in den Gemeinden, und der Versuch der Einführung eines Abrüstungsprogramms führte erneut zu Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen Stämmen.
Wer bietet Betreuung und Unterstützung?
Medair ist Teil eines großangelegten internationalen Hilfsnetzwerks, welches den Menschen im Südsudan seit Gründung der Aktion Lebensbrücke Sudan im Jahr 1988 hilft. Vom Hauptstandort in Lokichoggio im Norden Kenias (und seit kurzem auch von Juba, Hauptstadt des Südsudans und Sitz der südsudanesischen Regierung) aus arbeiten über vierzig verschiedene Organisationen zusammen an der Verbesserung der Zustände im Sudan.
Medair ist seit dem Jahr 1992 Helfer in diesem Gebiet und beschäftigt derzeit 28 internationale und 39 nationale Mitarbeiter an verschiedenen Orten.
Früher wurden die Programme im Südsudan vom nationalen Büro in Nairobi überwacht. Im Jahr 2005 jedoch begann Medair mit der Umstrukturierung seiner Verwaltung im Südsudan, um die neue Regierung und die sudanesischen Strukturen zu unterstützen. Derzeit laufen nur sehr wenige Programme in Nairobi, auch wenn es während dieser Übergangsphase genug zu tun gibt, um die Programme auf finanzieller, administrativer und logistischer Ebene zu unterstützen.
Die Haupt-Logistikbasis von Medair zog von Lokichoggio nach Malakal um. Bald wird es in Lokichoggio lediglich noch ein Büro zur Koordinierung der Flüge ins und aus dem Land und zur Koordinierung der logistischen Hilfsmittel und der Mitarbeiter geben. Durch diese Minimalpräsenz im Jahr 2007 wird es Medair außerdem möglich sein, ohne Verlust der Reaktionsmöglichkeit im Notfall weiter in das Land vorzudringen, und dies trotz der andauernden vorherrschenden Unsicherheit im Südsudan.
Der Umzug der Logistik und der Organisationsleitung nach Malakal stärkt die Möglichkeit, Projekte im Bezirk Melut im Bereich des oberen Nils zu unterstützen und zu beaufsichtigen und erhöht die Reaktionsfähigkeit von Medair in Notfällen erheblich. Außerdem werden die Kosten für die Logistik erheblich reduziert aufgrund der Tatsache, dass man in enger Zusammenarbeit mit dem nationalen Büro in Khartoum Vorräte per Binnenschifffahrt aus dem Norden (von wo aus sie in den ganzen Sudan verteilt werden) transportieren kann.
Medair wird seinen Standpunkt in Juba ausbauen und kann somit bei allen Koordinierungsplattformen mitwirken und einer vermehrten Präsenz des nationalen Direktors und des Koordinators in der Hauptstadt des Südsudans entgegensehen. Außerdem wird ein EP&R (Emergency Preparedness & Response)-Offizier in das OCHA (Office for the Coordination of Humanitarian Activities; Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten) der UNO entsandt, der auf der Ebene der Organisationen einen Notfallreaktionsplan einführen wird.
Warum ist im Südsudan Hilfe notwendig?
Der größte Teil des Südsudans hat in den Bereichen Nahrung, Bildung, Wasserverfügbarkeit, Mutter-Kind-Gesundheit und Ausbruch von allgemein vermeidbaren Epidemien den schlechtesten Sozialindikator der ganzen Welt. Obwohl der Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd offiziell durch das CPA beendet wurde, sterben noch immer Tausende Menschen unnötigerweise oder leiden unermesslich.
Wen unterstützt Medair? Alle Menschen, die Medair unterstützt, leben in kritischen Umständen, und ohne humanitäre Hilfe würden sie in Krisensituationen gelangen. An den Hauptstandorten von Medair werden die Stämme Nuer, Dinka, Shilluk und Jur Chol unterstützt.
Welchen Hauptproblemen widmet sich Medair? Das Programm von Medair zielt darauf ab, die Verfügbarkeit von medizinischer Versorgung und Trinkwasser für ausgewählte Stämme in Notsituationen zu verbessern. Der Krieg hinterließ nur sehr wenige intakte soziale Dienste im Südsudan. Zum Beispiel haben nur 25% der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser, und die Sterblichkeitsrate von Kindern von unter fünf Jahren liegt bei beinahe 25%. Lediglich 30 bis 40% der Bevölkerung hat weniger als einen Tag Fußmarsch zum nächstgelegenen medizinischen Versorgungszentrum, jedoch mehr als die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen im Südsudan befinden sich im Gebiet des Äquators, was bedeutet, dass insbesondere Bahr el-Ghazal und die Gebiete am oberen Nil extrem unterversorgt sind. Die Möglichkeit der humanitären Hilfe zur Deckung des Bedarfs dieser gefährdeten Bevölkerung ist sehr begrenzt. Die Programme von Medair zielen darauf ab, die Lücken zu füllen und den am meisten gefährdeten Menschen, die so verzweifelt Unterstützung benötigen, medizinische Versorgung und Trinkwasser zukommen zu lassen, sowie Nothilfe zu leisten, bis der Südsudan wieder autonom ist.