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Hilfsbedarf im Bereich Medizinische Versorgung

Behandlung einer Patientin
Der jahrelange Konflikt liess nur sehr wenige soziale Dienste im Südsudan intakt. Lediglich 30 bis 40% der Bevölkerung haben weniger als einen Tag Fussmarsch zur nächstgelegenen medizinischen Grundversorgungseinrichtung. Die Unterernährungsrate liegt in 7 von 10 südsudanesischen Bundesstaaten über dem Notfallgrenzwert (2010) [1].
Diese hohe Unterernährungsrate steigt noch mit den einsetzenden Überschwemmungen, die verheerende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelsituation haben. Hinzu kommt, dass die Müttersterblichkeitsrate von 2037 Todesfällen pro 100 000 Lebendgeburten im Südsudan viermal höher ist als in den sudanesischen Nordstaaten [2].
Zu den typischen Krankheiten im Südsudan zählen Malaria, Durchfall und Lungenentzündung, die wegen der verbreiteten Unterernährung häufig zum Tod führen. Die Sterblichkeitsrate ist dramatisch hoch: jedes fünfte Kind unter fünf Jahren bzw. jede neunte Schwangere stirbt [3].
Die Zahlen für Durchimpfung und Schwangerenfürsorge sind die niedrigsten der Welt. Epidemien von vermeidbaren Krankheiten, wie Masern, Keuchhusten, Gehirnhautentzündung und Wundstarrkrampf, sind keine Seltenheit; so sterben unzählige Menschen, deren Tod ohne Weiteres verhindert werden könnte. In den letzten Jahren breitete sich die tödliche Tropenkrankheit Kala-Azar weiter aus. Die Gemeinden und die sie unterstützenden NGOs sind noch immer nicht hinreichend in der Lage, auf alle diese Krankheitsfälle zu reagieren.
Unsere Tätigkeiten im Fachbereich Medizinische Versorgung und Ernährung
Tätigkeiten im Fachbereich medizinische Versorgung
Nothilfe
Das medizinische Notfalleinsatzteam (ERT) von Medair ist in der Lage, sofort auf medizinische Notsituationen im gesamten Südsudan zu reagieren. Das ERT ist seit 2001 einsatzbereit und an kurzfristigen Analysen der Bedürfnisse von Vertriebenen, der Förderung der lokalen Kompetenz, der Hilfe bei Ernährungsnotfällen und der Soforthilfe bei Epidemien wie Kala-Azar, Gelbfieber, Meningitis oder Cholera beteiligt. Um die grösstmögliche Effizienz im Notfall zu gewährleisten, stimmt Medair die Umsetzung der Nothilfe mit dem UN-Ressort Emergency Preparedness and Response (in das Medair Mitarbeiter entsandt hat), den lokalen Behörden und Partner-NGOs ab.
Wiederaufbau
Medair unterstützt ein Zentrum für medizinische Grundversorgung (Primary Health Care Centre, PHCC) in der Stadt Melut und sechs Stationen für medizinische Grundversorgung (Primary Health Care Units, PHCUs) im Bezirk Melut im Bundesstaat Obernil. Darüber hinaus unterstützen wir zwei PHCCs und zwei PHCUs im Bezirk Manyo County, ebenfalls im Bundesstaat Obernil.
Diese von Medair unterstützten Kliniken ermöglichen der einheimischen Bevölkerung, die bisher sehr wenige praktikable Möglichkeiten der medizinischen Grundversorgung hatte, einen besseren Zugang zur medizinischen Versorgung. Der Klinikbetrieb richtet sich nach den Vorgaben des Basispakets an Gesundheitsdienstleistungen (Basic Package of Health Services – BPHS), einem zentralen Instrument des Gesundheitsministeriums der Regierung des Südsudan für den Aufbau eines grundversorgenden Gesundheitswesens.
Eine PHCU erfasst rund 15 000 Menschen und bietet präventive und kurative Basisleistungen, unter anderem Schwangerenfürsorge, Gesundheitserziehung, kostenlose Beratung und Behandlung, ambulante Behandlung leichter Unterernährung und Überweisung an ein PHCC in schwereren Fällen. Die Patienten erhalten kostenlos Medikamente, Moskitonetze und Impfungen.
Ein PHCC erfasst rund 50 000 Menschen, kann kompliziertere Fälle behandeln, da es qualifiziertere medizinische Fachkräfte beschäftigt, und bietet eine grundlegende Schwangerenfürsorge, einen Notfalldienst für Geburten, Gesundheitserziehung, Impfungen, Moskitonetze, Beratung und Behandlung von ambulanten und stationären Patienten, Behandlung von Unterernährung, kleinere chirurgische Eingriffe und Laboruntersuchungen.
Gesundheits- und Hygieneförderer sind Freiwillige, die das Wissen von Familien und Gemeinden in den Bereichen Gesundheit und Hygiene fördern und deren praktisches Verhalten ändern möchten. Die Förderung gesunder Verhaltensweisen wie Händewaschen und Vollimpfungen ist mit den Tätigkeiten der PHCCs und PHCUs verbunden, wird in Schulen durchgeführt und erfolgt über Kampagnen im grösseren gesellschaftlichen Umfeld.
Medair hat es sich ausserdem zur Aufgabe gemacht, neue medizinische Mitarbeiter anzulernen und vorhandene medizinische Kräfte weiterzubilden, um eine richtige Diagnose und Therapie der klinischen Krankheitsbilder sicherzustellen. Wir schulen Dorfentwicklungsausschüsse, die als Vermittler zwischen den Instanzen der Gemeinden und des Gesundheitsministeriums fungieren und auf gesundheitsbezogene Probleme in den Gemeinden hinweisen sollen.
Hilfsbedarf im Bereich Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene (WASH)
In den betroffenen Gebieten im Südsudan gibt es kaum sicheres Trinkwasser und nur wenige sanitäre Einrichtungen. Selbst dort, wo es Wasser und sanitäre Einrichtungen gibt, werden diese von manchen Menschen aufgrund bestimmter kultureller Überzeugungen und Praktiken nur ungern benutzt.
Unsere Tätigkeiten im Fachbereich WatSan
Nothilfe
Das WASH-Team von Medair leistet Soforthilfe in Notsituationen, wenn Wasser knapp ist oder verseucht wurde und Krankheiten verursachen kann. Beispielsweise sanieren wir Brunnen und bauen Wasserversorgungssysteme aus, wodurch in Flüchtlingssiedlungen der Zugang zu sauberem Wasser verbessert wird. Bei den Kriseneinsätzen wird gleichzeitig Aufklärung in Sachen sichere sanitäre Verhältnisse und Hygiene betrieben.
Wiederaufbau
Medair setzt sich für sichere Wasserquellen und damit für eine Eindämmung der Wasserkrankheiten ein. Darüber hinaus betreibt Medair Aufklärung zum Thema richtiges Sanitär- und Hygieneverhalten. Das WASH-Team konzentriert sich darauf, mehr Einheimische auszubilden, die dann in der Lage sind, neue und vorhandene Wasserstellen instand zu halten, hygienische Latrinen zu errichten und der Bevölkerung das richtige Verhalten im sanitären Bereich beizubringen und ihr Hygienebewusstsein zu fördern. Bevölkerung und Regierung sollen ein Gefühl der Eigenverantwortung für die wiederhergestellten sicheren Wasserquellen entwickeln und auf diese Weise die nachhaltige Wirkung der durchgeführten Projekte sicherstellen.
Hilfsbedarf im Bereich Unterkunft und Infrastruktur
Anhaltende Unruhen zwangen zehntausende Menschen zur Flucht, gleichzeitig kehrten hunderttausende Menschen aus den Nordstaaten in den nun unabhängigen Südsudan zurück. Derart viele Heimkehrer und Flüchtlinge erzeugten einen enormen Bedarf an einfachem Hausrat, insbesondere da, wo die Aufnahmegemeinden nicht in der Lage waren, in dieser Hinsicht zu helfen.
Unsere Tätigkeiten im Fachbereich Unterkunft und Infrastruktur
Nothilfe
Medair hilft der Not leidenden Bevölkerung, indem wir ihren Mindestbedarf an Notunterkünften, Hygiene und Nahrungsmitteln decken. Wir verteilen Pakete mit Nicht-Nahrungsmitteln an die Heimkehrer und ihre Aufnahmegemeinden und versorgen sie so mit grundlegenden Haushaltsgegenständen wie Decken, Zeltplanen, Kochgeschirr, Eimern und Moskitonetzen.
Darüber hinaus koordiniert Medair die Massnahmen des "NFI-Clusters" (der Hilfsorganisationen, die Nicht-Nahrungsmittel bereitstellen) im Bundesstaat Obernil. Durch unsere effektive Koordination konnte die Reaktionszeit verkürzt werden, wofür wir die Anerkennung des UNJLC (UN Joint Logistics Corps) erhielten.
Wiederaufbau
Medair hilft beim Wiederaufbau von Gesundheitseinrichtungen, um die bestmögliche medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
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[1] ANLA 2010-2011: reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/00706BB25352C9DCC125783B004DE507-Full_Report.pdf
[2] ‘Southern Sudan Household Survey’, MOH-GOSS/SSCCSE, October 2007 ghiqc.usaid.gov/tasc3/docs/650-09-313/annex_k.pdf
[3] ‘Southern Sudan Household Survey’, MOH-GOSS/SSCCSE, October 2007 ghiqc.usaid.gov/tasc3/docs/650-09-313/annex_k.pdf
