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Hilfsbedarf im Bereich Medizinische Versorgung

Behandlung einer Patientin
Der jahrelange Konflikt liess nur sehr wenige soziale Dienste im Südsudan intakt. Die Unterernährungsrate liegt beispielsweise weit über dem international anerkannten Notfallgrenzwert, wie die akute Unterernährungsrate von 16,9% für 2009 belegt.
Diese hohe Unterernährungsrate steigt noch mit den einsetzenden Überschwemmungen, die verheerende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelsituation haben. Hinzu kommt, dass die Müttersterblichkeitsrate von 2037 Todesfällen pro 100 000 Lebendgeburten in der Region viermal höher ist als in den sudanesischen Nordstaaten.
Lediglich 30 40% der Bevölkerung haben weniger als einen Tag Fussmarsch zur nächstgelegenen medizinischen Grundversorgungseinrichtung; in den Gebieten am oberen Nil, in denen Medair arbeitet, ist dieser Prozentsatz noch wesentlich geringer.
Zu den typischen Krankheiten im Südsudan zählen Malaria, Durchfall und Lungenentzündung, die wegen der verbreiteten Unterernährung häufig zum Tod führen. Die Sterblichkeitsrate ist dramatisch hoch: Jedes fünfte Kind unter fünf Jahren bzw. jede neunte Schwangere stirbt.
Die Zahlen für Durchimpfung und Schwangerenfürsorge sind die niedrigsten der Welt. Jedes Jahr sterben unzählige Menschen an vermeidbaren Krankheiten wie Masern, Keuchhusten, Hirnhautentzündung und Wundstarrkrampf. Die Gemeinden und die sie unterstützenden NGOs sind noch immer nicht hinreichend in der Lage, auf diese Ausbrüche zu reagieren.
Mit der Unterzeichnung des CPA erhielten die NGOs Zugang zu Gebieten, die zuvor nicht erreichbar waren, und viele Vertriebene kehrten in ihre Heimat zurück. Die Reisemöglichkeiten haben sich verbessert, was dazu führt, dass manche Menschen tagelang unterwegs sind, um Hilfsleistungen in Anspruch nehmen zu können.
Tätigkeiten im Fachbereich medizinische Versorgung
Nothilfe
Das Emergency Response Team (ERT) von Medair das vom UNDP, der Europäischen Kommission, UNICEF und dem OCHA finanziert wird, ist in der Lage, sofort auf medizinische Notsituationen im gesamten Südsudan zu reagieren. Das ERT ist seit 2001 einsatzbereit und an kurzfristigen Analysen der Bedürfnisse von Vertriebenen, der Förderung der lokalen Kompetenz, der Hilfe bei Ernährungsnotfällen und der Soforthilfe bei Epidemien wie Gelbfieber, Meningitis oder Cholera beteiligt. Um die grösstmögliche Effizienz im Notfall zu gewährleisten, stimmt Medair die Umsetzung der Nothilfe mit dem UN-Ressort Emergency Preparedness and Response (in das Medair Mitarbeiter entsandt hat), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den lokalen Behörden und Partner-NGOs ab.
Wiederaufbau
Medair unterstützt derzeit ein Zentrum für medizinische Grundversorgung (Primary Health Care Centre, PHCC) in der Stadt Melut und sechs Stationen für medizinische Grundversorgung (Primary Health Care Units, PHCUs) im Bezirk Melut im Bundesstaat Obernil. Darüber hinaus unterstützen wir mittlerweile 2 PHCCs und 2 PHCUs im Bezirk Manyo County, ebenfalls im Bundesstaat Obernil. Die medizinische Arbeit von Medair im Südsudan wird vom UNDP, von der DFID, der Europäischen Kommission, der WHO und dem OCHA finanziert.
Diese von Medair unterstützten Kliniken ermöglichen der einheimischen Bevölkerung, die bisher sehr wenige praktikable Möglichkeiten der medizinischen Grundversorgung hatte, einen besseren Zugang zur medizinischen Versorgung. Der Klinikbetrieb richtet sich nach den Vorgaben des Basispakets an Gesundheitsdienstleistungen (Basic Package of Health Services, BPHS), einem zentralen Instrument des Gesundheitsministeriums der Regierung des Südsudan für den Aufbau eines Gesundheitswesens.
Eine PHCU erfasst rund 15 000 Menschen und bietet präventive und kurative Basisleistungen, unter anderem Schwangerenfürsorge, Gesundheitserziehung, kostenlose Beratung und Behandlung, ambulante Behandlung leichter Unterernährung sowie Überweisung an ein PHCC in schwereren Fällen. Die Patienten erhalten kostenlos Medikamente, Moskitonetze und Impfungen.
Ein PHCC erfasst rund 50 000 Menschen, kann kompliziertere Fälle behandeln, da es qualifiziertere medizinische Fachkräfte beschäftigt, und bietet eine grundlegende Schwangerenfürsorge, einen Notfalldienst für Geburten, Gesundheitserziehung, Impfungen, Moskitonetze, Beratung und Behandlung von ambulanten und stationären Patienten, Behandlung von Unterernährung, kleinere chirurgische Eingriffe und Laboruntersuchungen.
Gesundheits- und Hygieneförderer sind Freiwillige, die anreizgestützt das Wissen von Familien und Gemeinden in den Bereichen Gesundheit und Hygiene fördern und deren praktisches Verhalten ändern möchten. Die Förderung gesunder Verhaltensweisen wie Händewaschen und Vollimpfungen ist mit den Tätigkeiten der PHCCs und PHCUs verbunden, wird in Schulen durchgeführt und erfolgt über Kampagnen im grösseren gesellschaftlichen Umfeld.
Medair hat es sich ausserdem zur Aufgabe gemacht, neue medizinische Mitarbeiter anzulernen und vorhandene medizinische Kräfte weiterzubilden, um eine richtige Diagnose und Therapie der klinischen Krankheitsbilder sicherzustellen. Wir schulen Dorfentwicklungsausschüsse, die als Vermittler zwischen den Instanzen der Gemeinden und des Gesundheitsministeriums fungieren und auf gesundheitsbezogene Probleme in den Gemeinden hinweisen sollen. Darüber hinaus unterstützt Medair den Aufbau des Gesundheitsamtes des Bezirks Melut und mittlerweile auch das bereits bestehende Gesundheitsamt des Bezirks Manyo und arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um sicherzustellen, dass alle Dienste entsprechend den Vorgaben der Regierung des Südsudan betrieben werden.
Hilfsbedarf im Bereich Wasser und sanitäre Einrichtungen (WatSan)
In den betroffenen Gebieten im Südsudan gibt es kaum sicheres Trinkwasser und nur wenige sanitäre Einrichtungen. Selbst dort, wo es Wasser und sanitäre Einrichtungen gibt, werden diese von manchen Menschen aufgrund bestimmter kultureller Überzeugungen und Praktiken nicht benutzt. Nur 60% der Bevölkerung haben Zugang zu sicherem Trinkwasser, und nur 7% verhalten sich im Hygiene- und Sanitärbereich richtig, was bedeutet, dass das Leben von Millionen Menschen durch Wasserkrankheiten gefährdet ist.
Unsere Tätigkeiten im Fachbereich WatSan
Nothilfe
Das WatSan-Team von Medair leistet Soforthilfe in Notsituationen, wenn Wasser verseucht wurde und Krankheiten verursachen kann. Medair konzentriert sich dabei in Absprache mit der Regierung des Südsudan auf die von der Cholera Prevention and Preparedness Group (CPPG) ausgewiesenen Gebiete, die durch Cholera und Wasserkrankheiten gefährdet sind. Die von Medair errichteten modifizierten Oberflächenwasseraufbereitungsanlagen dienen mittelfristig zur Entschärfung der akuten Krise und verschaffen der Regierung Zeit für den Aufbau einer Infrastruktur, mit der der Wasserbedarf gedeckt werden kann.
Medair setzt die Oberflächenwasseraufbereitungsanlagen auch für Nothilfemassnahmen in akuten Krisen ein. Bei allen Kriseneinsätzen wird gleichzeitig Aufklärung in Sachen sichere sanitäre Verhältnisse und Hygiene betrieben.
Wiederaufbau
Medair setzt sich für sichere Wasserquellen und damit für eine Eindämmung der Wasserkrankheiten ein. Darüber hinaus betreibt Medair Aufklärung zum Thema richtiges Sanitär- und Hygieneverhalten. Unsere WatSan-Projekte im Südsudan werden vom UNDP, der Europäischen Kommission und UNICEF finanziert.
Das WatSan-Team konzentriert sich darauf, mehr Sudanesen auszubilden, die dann in der Lage sind, neue und vorhandene Wasserstellen instand zu halten, Latrinen zu errichten und der Bevölkerung das richtige Verhalten im sanitären Bereich beizubringen und ihr Hygienebewusstsein zu fördern. Bevölkerung und Regierung sollen ein Gefühl der Eigenverantwortung für die sicheren Wasserquellen entwickeln und auf diese Weise die nachhaltige Wirkung der durchgeführten Projekte sicherstellen.
Hilfsbedarf im Bereich Unterkunft und Infrastruktur
Im Jahr 2008 siedelten sich mehr als 450 000 Heimkehrer und Binnenvertriebene wieder im Südsudan an, davon mehr als 130 000 allein in den Bundesstaaten Dschungali, al-Wahda und Obernil. 2009 führte die desolate Sicherheitslage in den Bundesstaaten Dschungali und Obernil – aber auch in anderen Landesteilen – zu einer Massenflucht. Das erzeugte einen enormen Bedarf an einfachem Hausrat, insbesondere da, wo die Aufnahmegemeinden nicht in der Lage bzw. nicht willens sind, den Vertriebenen in dieser Hinsicht zu helfen.
Unsere Tätigkeiten im Fachbereich Unterkunft und Infrastruktur
Nothilfe
Medair hilft der Not leidenden Bevölkerung, indem wir ihren Mindestbedarf an Notunterkünften, Hygiene und Nahrungsmitteln decken. Wir verteilen Pakete mit Nicht-Nahrungsmitteln an die Heimkehrer und ihre Aufnahmegemeinden und versorgen sie so mit grundlegenden Haushaltsgegenständen wie Decken, Zeltplanen, Kochgeschirr, Eimern und Moskitonetzen.
[1] U.N. OCHA Comparative Humanitarian Statistics for Southern Sudan, Update November 2009
[2] ‘Southern Sudan Household Survey’, MOH-GOSS/SSCCSE, Oktober 2007
[3] ‘Sudan IDP & Refugee Returns, Reintegration Operations Statistical Overview’, Information Management Office UNMIS, Return Reintegration & Recovery, Januar 2009.
