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Medizinische Versorgung

Beratung eines Patienten

Beratung eines Patienten

Im gesamten Gebiet der sudanesischen Nordstaaten fehlt es an guter und zugänglicher medizinischer Versorgung. Abgesehen von der mangelnden medizinischen Grundversorgung hat die Bevölkerung mit Seuchen, sexuell übertragbaren Krankheiten und unzureichender Unterstützung im Bereich der reproduktiven Gesundheit zu kämpfen.

Süd-Kordofan ist laut einer Untersuchung des sudanesischen Bundesministeriums für Gesundheit einer der vier unterversorgtesten Bundesstaaten des Nordsudan. Malaria ist vor allem in der Regenzeit ein besonderes Problem, und in den ehemaligen Rebellengebieten werden keine routinemässigen Schutzimpfungen durchgeführt.

Auch die Reproduktionsgesundheit ist ein grosses Problem: Die Müttersterblichkeitsrate liegt bei 552 pro 10 000 Lebendgeburten[1]. Die Informationen, die Medair während des laufenden Einsatzes in Süd-Kordofan gesammelt hat, lassen ein vermehrtes Auftreten von sexuell übertragbaren Krankheiten in Verbindung mit einem geringen Wissen über HIV/Aids erkennen. Diese Probleme werden noch durch fehlende Kenntnisse der Bevölkerung über die grundlegende Gesundheitspflege sowie durch die Unfähigkeit der medizinischen Kräfte verstärkt, Diagnosen richtig zu stellen und die Patienten entsprechend zu behandeln.

In West-Darfur ist die Gesundheitssituation noch immer extrem schlecht: Es kam zu zahlreichen Ausbrüchen von Krankheiten, darunter auch Meningitis und Masern. Das System der Überweisungen an die medizinische Sekundärversorgung steht unter enormem Druck, da der Einsatz von Krankenwagen aufgrund der Unsicherheit eingeschränkt und mit der Nutzung kommerzieller Lkws ein hohes Risiko verbunden ist. Folglich muss weiterhin unbedingt eine gute medizinische Primärversorgung in den ländlichen Gebieten dieses Bundesstaates gewährleistet werden. Auch die Reproduktionsgesundheit stellt nach wie vor ein besonderes Problem dar. Bereits vor Ausbruch des derzeitigen Konflikts wurde diesbezüglich ein vorrangiger Handlungsbedarf festgestellt, und auch jetzt noch gibt es Meldungen über sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. Eine kürzlich durchgeführte Studie weist darauf hin, dass das Wissen über HIV/Aids erschreckend dürftig ist.

Nothilfe

In Süd-Kordofan erhält Medair die Fähigkeit aufrecht, mit Sofortmassnahmen gegen mögliche Seuchenausbrüche oder auf andere medizinische Notfälle in allen Einsatzregionen zu reagieren. Diese Reaktionsfähigkeit schliesst die laufende Schulung von Mitarbeitern, die Bevorratung mit Grundversorgungsgütern sowie die regelmässige Aktualisierung der Behandlungsleitfäden für Notfalleinsätze bei Seuchenausbrüchen ein.

In West-Darfur gelten alle von uns durchgeführten medizinischen Versorgungsmassnahmen als Nothilfe, da der überwiegende Teil der Bevölkerung vom Konflikt betroffen ist und rund die Hälfte Vertriebene sind. Wir sind in der Lage, auf Seuchenausbrüche zu reagieren und im Fall von Vertreibungen oder Rückwanderungen bis zu sechs Behelfskrankenhäuser pro Jahr bereitzustellen.

Medair unterstützt ausserdem etwa 21 Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung in West-Darfur, von denen vier sich in Binnenvertriebenen-Camps befinden und eine in einem Flüchtlingslager angesiedelt ist. In diesen Einrichtungen übernehmen wir die Aufsicht und die Mitarbeiterausbildung, gewährleisten eine zuverlässige Versorgung mit Medikamenten und schaffen die Rahmenbedingungen für ein Gesundheitsinformationssystem. Einer der Schwerpunkte liegt im Bereich Reproduktionsgesundheit, wo wir für die Schulung und Betreuung von medizinischen Kräften und Hebammen, die HIV/Aids-Aufklärung, die Bereitstellung von Ausrüstungen für sichere Entbindungen, die Verteilung von Verhütungsmitteln, die Behandlung nach einer Vergewaltigung sowie den Bau von zwei weiteren sicheren Geburtsbereichen sorgen. Die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens erfolgt durch die Ausbildung und Unterstützung von über 1000 sogenannten Community Health Promoters (CHPs).

Wiederaufbau

In den Nordstaaten des Sudan ermöglicht Medair jedes Jahr Hunderttausenden Not leidenden Menschen Zugang zur medizinischen Grundversorgung. Hierzu zählen Sprechstunden für ambulante Patienten, Impfungen, die Ausbildung von Mitarbeitern sowie die Bereitstellung lebenswichtiger Medikamente. Auch die reproduktive Gesundheit spielt eine wichtige Rolle. Ausserdem ist die Gesundheitsförderung in den Gemeinden mit Schulungsprojekten in Kliniken und privaten Haushalten fester Bestandteil unserer Arbeit.

In Süd-Kordofan setzt sich Medair für die medizinische Grundversorgung in den Bereichen Reproduktionsgesundheit, Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und Impfungen ein. Medair widmet sich dabei insbesondere der Reproduktionsgesundheit. In diesem Bereich übernehmen wir die Ausbildung medizinischer Fachkräfte, die Aufklärung und Wissensvermittlung, die Bereitstellung spezieller Medikamente und sicherer Entbindungsausrüstungen für werdende Mütter sowie den Aufbau eines sicheren Geburtsbereichs in den von uns betreuten Gesundheitseinrichtungen.

Medair unterstützt Gesundheits- und Hygieneförderungsmassnahmen über geeignete Wege, zum Beispiel Freiwillige in den Dörfern, Theatergruppen, Village Health Committees und Dorfälteste. Die Inhalte der Gesundheitserziehung konzentrieren sich in erster Linie auf eine entsprechende Verhaltensänderung in den Bereichen Reproduktionsgesundheit (einschliesslich Familienplanung), HIV/Aids, Ernährung (von Kindern unter zwei Jahren), Malaria und Bilharziose.

Zudem unterstützt Medair in enger Zusammenarbeit mit dem Staat das Impfprogramm "Expanded Program on Immunization (EPI)".

Wasser und sanitäre Einrichtungen

In Süd-Kordofan haben nur 55% der Bevölkerung in den von der Regierung kontrollierten Gebieten und nur 20% in den ehemaligen Rebellengebieten Zugang zu sicherem Trinkwasser[2]. Schätzungen zufolge sind bis zu 25% der Handpumpen in diesem Bundesstaat ausser Betrieb (manchmal, weil die Mechanik defekt ist, aber oft wegen unzureichenden Grundwasserzuflusses oder ähnlicher Probleme); die Menschen müssen in der Trockenzeit mitunter bis zu vier Stunden laufen, um Wasser zu holen.

Während der Regenzeit haben die Menschen zwar Zugang zu Oberflächenwasser, aber das ist oft schmutzig und verunreinigt. Noch schlechter als bei der Versorgung mit sicherem Wasser sieht es bei den sanitären Einrichtungen aus, wodurch natürlich das Risiko von Durchfall und ähnlichen Krankheiten deutlich erhöht ist.

Im Bundesstaat West-Darfur ist die Lage in Bezug auf das Wasser schon immer prekär gewesen. Die Probleme haben sich aber während des aktuellen Konflikts noch verschlimmert. Hinzu kommt, dass humanitäre Helfer aufgrund der schlechten Sicherheitslage kaum Zugang zur Region haben. Es müssen dringend Lösungen gefunden werden, um eine ausreichende Versorgung mit sauberem Wasser – insbesondere in grösseren Siedlungen – sicherzustellen, ohne dabei die Nachhaltigkeit der Wasserquellen zu beeinträchtigen.

Wegen der Probleme mit der Grundwasserversorgung greifen viele Menschen auf schmutziges Oberflächenwasser zurück, was wiederum das gehäufte Auftreten von Wasserkrankheiten erklärt. Offene Wasserquellen wie von Hand gegrabene Brunnen sind verbesserungsbedürftig, und einige der vorhandenen Handpumpen und Wasserversorgungssysteme müssen mittlerweile repariert oder wiederaufgebaut werden. Ausserdem müssen genügend Latrinen errichtet und die Menschen bezüglich der richtigen Handhabung aufgeklärt werden.

Nothilfe

In Süd-Kordofan hat Medair ein Notfall-Wasseraufbereitungssystem zur Reinigung von Oberflächen- oder Grundwasser bereitgestellt, das mindestens 2500 Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt.

In West-Darfur ist Medair in der Lage, im Krisenfall bis zu sechs Wasseraufbereitungssysteme pro Jahr einzurichten. Diese bestehen aus zwei Tanks mit 30 Wasserhähnen und versorgen bis zu 25 000 Bedürftige. Ausserdem können wir im Fall einer plötzlich eintretenden Krise bis zu 1000 provisorische Latrinen errichten.

Medair unterhält Wasserversorgungssysteme für 130 000 vom Konflikt betroffene Menschen in West-Darfur. Medair wird vorhandene Brunnen wieder aufbauen und neue Brunnen graben, diese mit Handpumpen ausstatten und mehr Mechaniker ausbilden. Das Hilfsteam baut derzeit über 1000 private Latrinen und führt Hygieneunterricht durch.

Wiederaufbau

Medair verfolgt eine vielschichtige WASH-Strategie in 20 ausgewählten Dörfern in Süd-Kordofan. Wir verbessern unmittelbar die Versorgung mit sicherem Wasser, indem wir neue Brunnen bohren und die Instandsetzung nicht funktionierender Brunnen durch die Gemeinden mit Ersatzteilen für die Handpumpen unterstützen. Ausserdem unterstützt Medair den Bau von Latrinen in Privathaushalten und Schulen und fördert deren hygienische und nachhaltige Nutzung.

Wo keine Brunnenbohrungen möglich sind, verfolgt Medair andere Strategien wie die Instandsetzung von Regenwasserauffangbecken und Hafiirs (künstlichen Staubecken). Medair sorgt für zusätzliche Wasserquellen durch den Bau von Regenwassergewinnungssystemen wie Abflüssen und Auffangtanks auf Dächern und durch die Bereitstellung von Biosandfiltern für Gemeinden ohne sicheres Wasser.


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