Medair

International Humanitarian Aid Organisation

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30. März 2012

Medair beendet seine Hilfsprogramme im Sudan

Sudan - Im August 2011 fällte Medair den strategischen Entscheid, seine Programme in West-Darfur zu beenden. Medair ist die internationale Organisation, die am längsten in diesem Gebiet im Einsatz war; seit 2001 leistete Medair in West-Darfur Nothilfe.

Medair hat zum Aufbau von 27 Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung beigetragen und sich um einen verbesserten Zugang zu sauberem Trinkwasser, den Bau sanitärer Einrichtungen und Hygiene (WASH) für die vom Konflikt betroffene Bevölkerung gekümmert.

«Medair war die erste Organisation, die nach West-Darfur gekommen ist. Die Mitarbeitenden waren bereits vor Ort, bevor der Konflikt begann», schreibt der Direktor des Gesundheitsministeriums (MoH) in West-Darfur, Abdu Salam. «Medair hat das MoH dabei unterstützt, ein funktionierendes System zu errichten. Das Gesundheitswesen hat sich unter dem Einfluss von Medair stark gewandelt. Die Organisation hat uns dabei geholfen, den Bereich der medizinischen Grundversorgung auf- und auszubauen.»

«Medair hat nicht nur in die einzelnen Orte investiert, sondern auch in ihre einheimischen Mitarbeitenden», so Abdu Salam weiter.  Die Organisation hinterlässt viel Gutes. Das Wissen bleibt dort, wo es dringend gebraucht wird – bei der lokalen Bevölkerung. Medair geniesst beim MoH und den Gemeinschaften hohes Ansehen und wird mit Sicherheit nicht aus den Köpfen der Menschen verschwinden.»

Unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie Rechtsvorschriften, Ansprüche der Geldgeber, Bedürfnisse der Hilfeempfänger, Verfügbarkeit der Mitarbeitenden und finanzielle Mittel wurde ein realistischer Zeitrahmen von sechs Monaten für Übergabe und Beendung der Programme festgelegt. Die involvierten Parteien wie Mitarbeitende, Gemeinschaften, Geldgeber, regionale und staatliche Behörden wurden von Anfang an über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt.

«Aufgrund der begrenzten Mittel, die uns heute für Programme in West-Darfur zur Verfügung stehen, sind wir nicht mehr in der Lage, so vorzugehen wie es vor einigen Jahren noch der Fall war. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, unseren langjährigen Einsatz zu beenden», so Anne Reitsema, Programmleiterin für den Sudan.

Wegen Zugangsbeschränkungen sah sich Medair gezwungen, seine Projektgebiete in Süd-Kordofan aus der Ferne zu  verwalten. «Trotz unserem ausgeprägten Wunsch, uns in dieser Region einzusetzen, wurde klar, dass der Zugang in absehbarer Zukunft nicht wieder möglich sein würde», erklärt Frau Reitsema. «Aus diesem Grund und mit grossem Bedauern haben wir beschlossen, das komplette Programm im Sudan zu beenden.»

Während der Rückzug aus dem Sudan eine grosse Enttäuschung darstellte,  erwiesen sich die überwältigend positive Unterstützung und der Respekt, der den Mitarbeitenden von Medair von den Gemeinschaften, lokalen Behörden und Geldgebern hinsichtlich ihres Umgangs mit den Hilfeempfängern, der nachhaltigen Auswirkung und des Erfolgs ihrer Arbeit entgegengebracht wurde, als besonders ermutigend.

«Zuallererst und im Namen aller Begünstigter möchten wir unseren Dank an diese ehrbare Organisation mit ihren nachhaltigen Projekten und ihren langjährigen, ausgezeichneten Leistungen in unserem Staat aussprechen», schreibt Ismail Adam Mohammed, Geschäftsführer der Kommission für Humanitäre Hilfe.

Wir bestätigen hiermit, dass das Medair-Team uns von Anfang bis Ende unterstützt und mit uns zusammengearbeitet hat. Medair interessiert sich für die sudanesischen Traditionen und respektiert Arbeitsrechte und Vorschriften. Betroffene Personen wurden immer mit Würde und Barmherzigkeit behandelt. Die lückenlose, gut organisierte und vollständig dokumentierte Übergabe wird von uns sehr geschätzt.»

Während der sechsmonatigen Abschlussphase in West-Darfur hat Medair relevante Programm-Aktivitäten an die zuständigen Ministerien, Gemeinschaften, internationalen und nationalen NGOs erfolgreich übertragen können. Obwohl der Ausstieg aus den Projekten zu Verschiebungen bei den humanitären Akteuren in West-Darfur und Süd-Kordofan geführt hat, bemühte sich die Organisation nach besten Kräften allfällige Lücken durch Partnerorganisationen zu schliessen.

«Die Mitarbeitenden von Medair haben gezeigt, dass ihnen die Menschen wirklich wichtig sind», schlussfolgert Abdu Salam. «Sie beziehen die Gemeinschaften mit ein und behandeln die Leute mit Respekt. Für mich ist Medair die wichtigste aller Organisationen. Denn sie hat nicht nur das Gesundheitswesen verbessert, sie hat uns Hoffnung gegeben.»

Seit 2008 wurde die Arbeit von Medair im Sudan unterstützt vom Department for International Development (GB), von der United States Agency for International Development, der Swedish International Development Cooperation, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA (CH), dem Common Humanitarian Fund (UNDP), TEAR fund (N.Z.), United Nations Children’s Fund und privaten Spenden.
Medair leistet weiterhin Nothilfe und Wiederaufbau im Südsudan.

Medair‘s Geschichte im Sudan

Mit der Errichtung eines Zentrums für medizinische Grundversorgung in einem Vertriebenenlager bei Omdurman El Salaam , etwas ausserhalb Khartums, nahm Medair im Juni 2000 seine Arbeit im Sudan auf.
Im Dezember wurden diese Aktivitäten schliesslich an lokale Partner übergeben.
2001 richtete sich die Organisation in West-Darfur ein und ermöglichte den bedürftigsten Menschen eine medizinische Grundversorgung und WASH. Medair war die internationale Organisation, die – bis zu ihrer Beendung des Programms in 2012 – am längsten im Staat im Einsatz war.

2003 fing Medair die Arbeit in den Nuba-Bergen in Süd-Kordofan an, indem  der Zugang zu medizinischer Grundversorgung ermöglicht und ein WASH- Programm eingeführt wurde. In 2008 und 2009 übergab Medair 20 medizinische Grundversorgungszentren erfolgreich den lokalen und staatlichen Behörden und konnte sich deren Zustimmung und Unterstützung erfreuen. In 2009 und 2010 stellte Medair Programme in den Regionen Muglad und Kailak auf, um das chronische Defizit an Grunddienstleistungen auszugleichen.
 
Bei den Aktivitäten von Medair im Sudan wurde ein starker Fokus auf die Stärkung der lokalen Kompetenzen gelegt. Dies in Form von Trainings, intensiver Betreuung und der Förderung eines Projekt-Ownership-Prinzips der Einheimischen, um die nachhaltige und langfristige Auswirkung auch nach Beendung des Programms im Land sicherzustellen.

Dieses Web-Update wurde anhand von Informationen, welche durch Medair Mitarbeitende vor Ort und am Hauptsitz zusammengetragen wurde, erstellt. Die in diesem Text vertretenen Sichtweisen entsprechen den Erfahrungen von Medair und dürfen auf keinen Fall mit der öffentlichen Meinung oder der Einstellung anderer Organisationen verwechselt oder diesen gleichgesetzt werden.