Somalia > Länderhintergrund und gegenwärtige Herausforderungen
Die anhaltende humanitäre Katastrophe in Somalia ist nach wie vor eine der schlimmsten weltweit. Das Ausmass, die Intensität und die Geschwindigkeit, mit der sich die Krise weiter zuspitzt, sind noch immer schockierend. Somalia hat immer noch mit Konflikten zu kämpfen, obwohl in vielen Gebieten des Landes auch weiterhin eine verheerende Dürre herrscht. Jedes sechste Kind unter fünf Jahren leidet an akuter Unterernährung, und jedes zwanzigste ist leicht unterernährt. Die Zahl der schwer unterernährten Kinder steigt in vielen Teilen Somalias vor allem in den ländlichen Gebieten, aber auch in den Städten und Binnenvertriebenensiedlungen. Durch die anhaltende und sich zunehmend verschlimmernde Unsicherheit mit Angriffen auf Hilfsorganisationen ist die humanitäre Versorgung trotz der eskalierenden Krise beeinträchtigt worden.
In Süd-/Zentral-Somalia gehört die Region Middle Shabelle zu jenen Gebieten, die am stärksten unter der Krise leiden: Laut der somalischen Food Security Analysis Unit befinden sich 50% der Landbevölkerung in einer humanitären Notsituation, und weitere 95 000 Menschen sind von einer akuten Ernährungs- und Existenzgrundlagenkrise betroffen. Wegen der geringen Niederschläge in der Deyr-Regenzeit 2008 weitete sich die anhaltende Dürre in der Region Middle Shabelle noch aus, wobei damit gerechnet wird, dass sich Lage in den ländlichen Gebieten weiter verschlechtert. Die Ernährungssituation in Middle Shabelle ist kritisch: Die globale Rate der akuten und schweren Unterernährung bei den Acker- und Viehbauern in Shabelle hat die Notfallgrenze bereits weit überschritten. Der Zugang zu medizinischer Grundversorgung, sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen spielt eine wichtige Rolle bei der schlechten Gesundheits- und Ernährungssituation der ländlichen Bevölkerung.
In Somaliland ist die Ernährungssituation in einigen Gegenden ebenfalls ernst und verschlechtert sich zudem insbesondere in den Städten und Binnenvertriebenensiedlungen. Ein hoher Nahrungsmittelbedarf besteht nach wie vor im Stadtgebiet Burao, in dem sich 20 000 Binnenvertriebene und Arme in einer humanitären Notsituation befinden und 65 000 Stadtbewohner sowie Acker-/Viehbauern von einer akuten Ernährungs- und Existenzgrundlagenkrise betroffen sind. In den ländlichen Gebieten der Region Togdheer wird damit gerechnet, dass sich die Situation aufgrund mangelnder Niederschläge noch weiter verschärfen wird. Gestiegene Preise für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs, Währungszerfall, Verschlechterung der Bedingungen für die Viehhaltung, eine hohe Verschuldung der Privathaushalte sowie anhaltende Dürren/geringe Niederschläge sind alles Faktoren, die zur aktuellen Krise beitragen. Da die Niederschläge in der Deyr-Regenzeit 2008/2009 in grossen Teilen der Region Togdheer geringer als normal ausfielen, wird mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation gerechnet.
Es wird dringend mehr humanitäre Hilfe für das ganze Land benötigt, um die durch den Konflikt und die Naturkatastrophe entstandenen Versorgungslücken zu schliessen. Bei der derzeitigen Dürre in Somalia handelt es sich um die schlimmste seit zehn Jahren, und die Sicherheitslage ist so prekär wie seit vielen Jahren nicht mehr.
