D.R. Kongo > Länderhintergrund und gegenwärtige Herausforderungen
Der erste Bürger- und Regionalkrieg in der Demokratischen Republik Kongo begann 1996, gefolgt von einem zweiten internen und regionalen Konflikt 1998. Im April 2003 wurde in Südafrika ein Friedensabkommen geschlossen und im Juni desselben Jahres eine Übergangsregierung gebildet, die bis zu den Präsidentschaftswahlen 2006 bestand. Für die Mehrheit der Bevölkerung brachte diese Entwicklung jedoch nur langsame Fortschritte.
Bis sich die Lage im Osten der D.R. Kongo, wo die Bevölkerung durch Stammesfehden traumatisiert ist, wieder normalisiert, werden Jahre vergehen. Schätzungsweise 30 000 Kindersoldaten wurden für den Kriegseinsatz missbraucht und unzählige Frauen vergewaltigt. Die Zahl der Vergewaltigungsopfer ist im Osten der D.R. Kongo so hoch, dass Jan Egeland, Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten, von „einem Krebsgeschwür in der kongolesischen Gesellschaft“ sprach, „das anscheinend ausser Kontrolle geraten ist”.
Im Oktober 2009 erklärte Elisabeth Byrs, Sprecherin des Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen: „Einmal mehr verurteilen wir die Verletzungen der Menschenrechte durch die Kriegsparteien in der D.R. Kongo. Wie es scheint, geht der Wahnsinn der Vergewaltigungen weiter.“
Laut einer kürzlich vom International Rescue Committee (IRC) durchgeführten Mortalitätsanalyse sterben nach wie vor jeden Monat 45 000 Kongolesen an den Folgen von Konflikten, Krankheit und Unterernährung. Dem Krieg und seinen humanitären Folgen sind in fast zehn Jahren 5,4 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die meisten dieser Todesfälle werden durch vermeidbare und behandelbare Krankheiten verursacht und sind letzten Endes auf den Zusammenbruch des Gesundheitssystems zurückzuführen.
2008 war nicht mehr zu übersehen, dass die Lord’s Resistance Army (LRA) ihre Aktivitäten auf die Provinz Oriental im Nordosten der D.R. Kongo ausgeweitet hatte. Daraufhin starteten die MONUC (Mission der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo) und die Armeen der D.R. Kongo und Ugandas eine Offensive gegen die LRA.
Der darauf folgende Gegenschlag der LRA sollte wohl möglichst viele Opfer unter der Zivilbevölkerung als Warnung vor einer militärischen Intervention fordern. Seinen Höhepunkt fand er in einer Reihe grausamer Angriffe in Faradje über Weihnachten 2008.
Zwar gab es einige Verhaftungen hochrangiger LRA-Angehöriger und Überläufer unter unzufriedenen LRA-Soldaten, aber es blieb bisher unklar, ob die LRA den Kampf ums Überleben verliert oder ob sie möglicherweise mit Unterstützung von aussen kontrolliert und als Spielball in regionalen Machtkämpfen benutzt wird. Der Anführer Joseph Kony ist weiterhin auf freiem Fuss, möglicherweise in der Zentralafrikanischen Republik.
Der Nordosten der D.R. Kongo blieb im Krieg zwar relativ verschont, doch seine Abgeschiedenheit behinderte immer wieder die Entwicklung. Angesichts der LRA-Übergriffe bleiben die voraussichtliche Dauer und die letztendlichen Folgen der gegenwärtigen Krise ungewiss. Klar ist jedoch, dass die Binnenflüchtlinge in dieser Region mindestens noch das ganze Jahr 2010 über Zugang zu kostenloser und qualitativ besserer medizinischer Versorgung benötigen.
Es ist noch zu früh, um sagen zu können, wie rasch das Land in einer stabilen und friedlichen Phase ankommen wird, und wie lange es dauern wird, bis die lokale Bevölkerung tatsächlich eine wirtschaftliche Kapazität entwickelt hat, die eine Verbesserung der Situation ermöglicht. Die lokale Bevölkerung im Osten des Landes wird noch einige Jahre auf internationale Hilfe angewiesen sein. Kurz: Die Situation ist noch immer äusserst instabil und könnte sich überall wieder verschlimmern, und die breite Masse der Bevölkerung ist nach wie vor unbedingt auf Hilfe angewiesen.
[1] Amnesty International,
www.amnesty.org/en/library/asset/AFR62/017/2006/en/dom-AFR620172006en.html
[2]Jan Egeland , UN Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs, www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=61096
