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Medizinische Versorgung
Frauen und Kinder in Afghanistan brauchen dringend eine bessere medizinische Versorgung.Zu Beginn des neuen Jahrtausends war das Gesundheitssystem in Afghanistan fast zum Erliegen gekommen. Die meisten medizinischen Fachkräfte waren während der sowjetischen Besatzung und dem Bürgerkrieg aus dem Land geflohen und eine Ausbildung von neuem Personal fand nicht statt [6]. Auch wenn das Gesundheitssystem in Afghanistan langsam wieder neu aufgebaut wird - im Jahr 2010 hatten bereits mehr als zwei Drittel der Bevölkerung wieder Zugang zu irgendeiner Form von medizinischer Versorgung - bleibt die medizinische Versorgung von Frauen und Kindern, vor allem in den ländlichen Gemeinden, kritisch [7].In Afghanistan sterben alle 30 Minuten 14 Kinder im Alter von unter fünf Jahren [8]. Eines von fünf afghanischen Kindern stirbt vor seinem fünften Geburtstag - das ist weltweit die zweithöchste Mortalitätsrate bei Kindern unter fünf Jahren [9]. Akute Unterernährung ist einer der Hauptgründe für diese hohe Mortalitätsrate [10]. Die Bezirke Yawan, Raghistan und Kohistan haben mit die höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt, es wird geschätzt, dass pro 1 000 Lebendgeburten etwa 65 Frauen an Ursachen, die mit einer Schwangerschaft in Verbindung stehen, sterben [11]. Die meisten dieser Frauen und Kinder leben in abgelegenen Dörfern in Afghanistan, sie sind nur unzureichend ernährt, haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung und müssen lange Winter überstehen, während denen sie aufgrund der Wetterverhältnisse keine Kliniken oder andere medizinischen Einrichtungen aufsuchen können.
Nothilfe
Medair setzt sich vor allem für akut und stark unterernährte Frauen und Kinder ein. In den Bezirken Raghistan, Kohistan und Yawan leistet Medair durch die Gabe von spezieller nährstoffreicher Zusatznahrung Nothilfe für unterernährte Mütter und Kinder. Dabei integriert Medair die Ernährungshilfemassnahmen in die bereits bestehenden Gesundheitskliniken, um nachhaltige Hilfe in diesem Bereich zu leisten.
Wiederaufbau

Frau in einem Krankenhaus in Afghanistan
In Zusammenarbeit mit dem afghanischen Gesundheitsministerium unterstützt Medair lokale Gesundheitskliniken in Raghistan, Kohistan und Yawan, um die Versorgungskapazitäten für unterernährte Frauen und Kinder zu erhöhen. Zudem besuchen Ernährungsbeauftragte von Medair und viele freiwillige Helfer alle zwei bis drei Wochen Haushalte in verschiedenen Gemeinden in der ganzen Region und informieren die Bevölkerung über gute Ernährung und hygienische Haushaltsführung.
Medair unterrichtet die Menschen in Zusammenarbeit mit Fachkräften für die Gemeinwesenentwickung und nationalen Hygienebeauftragten in den beiden Provinzen Bamyan und Badakhshan in wichtigen Gesundheits- und Hygienebelangen, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen, wie sie ihre Umgebung gesünder und sauberer gestalten können und um sie darüber zu informieren, wie sie die eigene Gesundheit fördern und das eigene Wohlbefinden steigern können.
WASH
Im Jahr 2007 wurde Afghanistan als Land mit den schlechtesten Bedingungen in Bezug auf sanitäre Einrichtungen eingestuft und es schnitt bei der Beurteilung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser als zweitschlechtestes Land ab [12] [13]. Da mehr als ein Viertel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auf Durchfallerkrankungen zurückzuführen sind, ist eine Verbesserung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser und eine Verbesserung im Bereich der sanitären Einrichtungen und der Hygiene in abgelegenen Gemeinden auch weiterhin dringend notwendig [14].
Wiederaufbau
In den vergangenen Jahren haben die WASH-Projekte von Medair in Hunderten Dörfern überall in den Provinzen Bamyan und Badakhshan für grosse Veränderungen gesorgt. Unser aktuelles WASH-Projekt hilft Tausenden Menschen im ländlichen Afghanistan mit sauberem Wasser, besseren sanitären Einrichtungen und Hygieneschulungen. Medair wird auch weiterhin im Bereich WASH tätig sein und wir hoffen, in Zukunft noch in vielen anderen vernachlässigten Regionen in Badakhshan und Bamyan helfen zu können.
Unterkunft und Infrastruktur
Da viele grundlegende Infrastruktureinrichtungen fehlen, bedeutet das für abgelegene Gemeinden in Afghanistan einen eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und zu den Märkten in der Region. Trotz dem Bau und der Sanierung von mehr als 9 000 Kilometern Strasse in den ländlichen Gegenden Afghanistans in den letzten zehn Jahren [15], sind viele Dörfer immer noch sehr isoliert, insbesondere während der Wintermonate. Regelmässig auftretende Naturkatastrophen, ganz besonders Erdrutsche und Überschwemmungen, zerstören immer wieder die sowieso schon sehr spärliche Infrastruktur und führen zu einer weiter zunehmenden Abschottung der bedürftigen Gemeinden.
Wiederaufbau
Um den Gemeinden dabei zu helfen, mit den Folgen der Naturkatastrophen fertig zu werden, führt Medair regelmässig Geld-für-Arbeit-Programme durch. Hierzu gehören zum Beispiel Projekte wie der Bau und die Sanierung von Strassen, der Wiederaufbau von zerstörten Landflächen und Bewässerungssystemen und der Bau und die Sanierung von Staumauern und Umleitungsdämmen. Durch diese Projekte können Haushalte ein Einkommen erzielen und gleichzeitig wird die Infrastruktur der Gemeinde vor Ort verbessert.
In den Provinzen Bamyan und Badakhshan konnten Familien, die von Naturkatastrophen betroffen waren, durch die Geld-für-Arbeit-Projekte Lebensmittel kaufen und gleichzeitig an Projekten mitarbeiten, die den Zugang der Gemeinde zu medizinischer Versorgung und zu Märkten in der Umgebung verbessern. Zudem hilft der Bau von Staumauern und Umleitungsdämmen dabei, die Menschen vor zukünftigen Erdrutschen und Hochwassern zu schützen und so steigt auch die Katastrophenresistenz der jeweiligen Gemeinde.
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[6] Library of Congress – Federal Research Division – August 2008. lcweb2.loc.gov/frd/cs/profiles/Afghanistan.pdf
[7] The United Nations, Economic and Social Council. April 2010.
www2.ohchr.org/english/bodies/cescr/docs/E.C.12.AFG.Q.2-4.Add.1.doc
[8] Levels and Trends in Child Mortality, Report 2010. UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation: www.childmortality.org/stock/documents/Child_Mortality_Report_2010.pdf
[9] UNICEF state of the world’s children 2011.
www.unicef.org/sowc2011/pdfs/UNDER-FIVE%20MORTALITY%20RANKINGS_12082010.pdf
[10] Welternährungsprogramm
www.who.int/disasters/repo/7543.doc
[11] UNDP Afghanistan. Stand September 2011. www.undp.org.af/MDGs/goal5.htm
[12] State of the World's Toilets 2007 Report.
[13] UNDP Human Development Index 2007-2008. hdr.undp.org/en/media/HDR_20072008_EN_Complete.pdf.
[14] WHO Statistics 2011. www.who.int/whosis/whostat/EN_WHS2011_Full.pdf
[15] UNOPS, 2009. Stand September 2011. www.unops.org/english/whatwedo/Locations/Europe/afghanistan-operations-centre/AGOC-news/Pages/Rural-roads-connect-villages-to-the-world.aspx
