Medair

International Humanitarian Aid Organisation

Medair in Ihrer Nähe

Schlechtes Wetter und geographische Hindernisse überwinden

In den vergangenen 50 Jahren stieg die Anzahl an Naturkatastrophen auf der ganzen Welt dramatisch an, und allen Anzeichen nach wird diese Entwicklung weiter andauern.[1] Der Klimawandel ist die am häufigsten genannte Ursache, zusammen mit grösseren Menschenansammlungen, die in gefährdeten Gebieten leben.[2]


Viele tödlichen Naturkatastrophen treten plötzlich auf, wie zum Beispiel Erdbeben, Unwetter, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen. Es gibt jedoch auch langsam entstehende Katastrophen, die die Menschen ausserordentlich schwächen, wie zum Beispiel eine Dürre. Der Tsunami in Asien im Jahr 2004 ist vielleicht die bekannteste Naturkatastrophe der letzten Zeit, bei der 14 Länder von einem Wasserbeben vor der Küste Indonesiens betroffen waren. Laut dem UN-Büro für die Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten war der Tsunami der Grund für 37 Prozent aller aufgezeichneten durch Naturkatastrophen verursachten Todesfälle seit dem Jahr 2000. Es gibt jedoch unzählige weitere Katastrophen, die in den Medien nur wenig Beachtung finden, von denen aber nichtsdestotrotz jedes Jahr circa 250 Millionen Menschen betroffen sind,[3] die anschliessend oft obdachlos, verletzt und ohne Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser sind.


Die Folgen einer Naturkatastrophe sind nicht allein durch das Ausmass des Ereignisses selbst zu bestimmen, sondern auch durch die Fähigkeit der Gesellschaft, auf diese Katastrophe zu reagieren. In vielen Fällen werden die verletzlichsten Menschen der Welt am schlimmsten von Katastrophen getroffen.


„Die Armen dieser Welt leben meistens in Regionen, in denen Überschwemmungen und Dürreperioden nicht selten sind und die über nur sehr wenig natürliche Ressourcen und Infrastruktur verfügen“, erklärte Professor Per Pinstrup-Andersen von der Universität Cornell kürzlich auf einer Konferenz. „Sie haben keine Puffer. Bei einer Katastrophe erhöht sich die Anzahl der Menschen, die 'den leisen Tod' sterben, der auch ohne die Katastrophe allgegenwärtig ist – (und) mehr Kinder sterben.“[4]


Von den acht Länderprogrammen von Medair wurden sieben von Naturkatastrophen heimgesucht. In vier dieser Fälle führte Medair das Programm ursprünglich aufgrund von Konflikten, nicht von Katastrophen, durch. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit prognostiziert, aufgrund von andauernder Überbevölkerung und Unterentwicklung: „In Zukunft werden Konflikte, Krisen und Katastrophen vermehrt zur gleichen Zeit und am gleichen Ort auftreten.“


Medair hilft den Opfern von Naturkatastrophen in vielen Ländern, darunter Indonesien, Madagaskar und Pakistan.


Indonesien

Mit einer Bevölkerung von 245 Millionen Menschen, verteilt auf über 17 000 Inseln, ist Indonesien eines der am meisten von Naturkatastrophen betroffen Länder der Welt. Es befindet sich im „Pazifischen Feuerring“ und liegt dort an den sich bewegenden Kontinentalplatten, die häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche auslösen.

Medair arbeitete ursprünglich an der Westküste der Provinz Aceh und half dort den vom Tsunami betroffenen Menschen, die ansonsten vernachlässigt worden wären. Das Team baute Wasserstellen und Latrinen an fertig gestellten Häusern, um die Menschen zu ermutigen, ihre provisorischen Unterkünfte zu verlassen und sich neu niederzulassen.


Medair reiste auch auf die abgelegene Insel Nias und musste feststellen, dass sich die Bevölkerung gerade vom Tsunami erholte, als ein verheerendes Erdbeben das Land heimsuchte, 850 Menschen tötete und 80 000 obdachlos machte. So sehen die Lebensbedingungen in Indonesien aus, wo Erdbeben auf Erdbeben folgt und wirtschaftliches und politisches Streben häufig zu gewaltsamen Konflikten führt.


In Nias saniert das Team von Medair erdbebensichere Gesundheitszentren oder baut sie wieder auf, stellt Wasser und Sanitäranlagen zur Verfügung und führt Aufklärungskampagnen über Gesundheit und Hygiene durch, um das lokale Verständnis in Bezug auf die Krankheitsverhütung zu verbessern. Die Häufigkeit von Naturkatastrophen in Indonesien kann nicht reduziert werden, aber Medair versucht, die Folgen zukünftiger Katastrophen zu mindern, indem das Vermögen der Bevölkerung, auf diese Katastrophen zu reagieren, ausgebaut wird.


Madagaskar

Die schöne Insel Madagaskar wird sehr oft von Naturkatastrophen heimgesucht, was dazu führt, dass die Bevölkerung es nicht schafft, ihre ärmlichen Verhältnisse zu überwinden. Jedes Jahr in der Regenzeit fegen starke Winde und Regenstürme über die Insel, die sich oft zu Tropen- oder Wirbelstürmen ausweiten. Die immer wiederkehrenden Wirbelstürme zerstören die Infrastruktur und verunreinigen das verfügbare Wasser. Häufige Überschwemmungen zwingen Tausende von Menschen dazu, ihre Heimatdörfer zu verlassen und rufen so Gesundheitskrisen hervor. In dieser Umgebung bietet Medair während der Wirbelsturmzeit Nothilfe, und die verbleibende Zeit des Jahres verbessert Medair den Zugang zu sauberem Trinkwasser und arbeitet daran, die Folgen zukünftiger Wirbelstürme zu mindern.


Die Wirbelsturmsaison 2006/2007 war mit sieben verschiedenen Wirbelstürmen und starken Stürmen die verheerendste seit Jahren. Grossflächige Überflutungen beschädigten Strassen, Brücken und ganze Dörfer. Tausende Hektar Reisernte sowie Schulen und Krankenhäuser wurden zerstört. Angesichts von über 60 000 vertriebenen Einwohnern an der Nordostküste des Landes führte Medair einen schnellen Nothilfeplan durch. Mit Flugzeugen, mit denen man sich Zugang zu den überschwemmten Gebieten verschaffte, und Flachbodenbooten, genannt Pirogen, konnte das Team von Medair Tausenden von Familien helfen.


Die Überflutungen des Jahres 2007 waren eine harte Prüfung für viele der Brunnen und Pumpen, die mithilfe von Medair installiert wurden, um eine Verunreinigung des Wassers zu verhindern. Nur eine der über 20 überfluteten Pumpen konnte nicht die gewohnte Menge an Trinkwasser liefern. Dies war die Bestätigung dafür, dass die Strategien zur Katastrophenbekämpfung von Medair greifen und helfen, die Verletzlichkeit der geschwächten Einwohner von Madagaskar zu mindern. 


Pakistan


Das Erdbeben in den Bergen von Pakistan im Jahr 2005 erregte die Aufmerksamkeit der Medien, und zwar aufgrund der Ausmasse der Katastrophe (beinahe 75 000 Menschen starben) und der misslichen Lage, dass 3,5 Millionen heimatlose Überlebende ohne Schutz und Dach über dem Kopf dem Winter ausgeliefert waren. Im Unterschied zu Madagaskar und Indonesien sind in diesem abgelegenen Gebiet Katastrophen eher selten; wenn sie dann aber auftreten, können die Folgen aufgrund der Abgeschiedenheit und der allgemeinen Verletzlichkeit der Bevölkerung sehr schlimm sein.


Medair war innerhalb von fünf Tagen nach dem Erdbeben vor Ort und somit die erste Nichtregierungsorganisation in der entlegenen Region Poonch. Das Team besprach mit der betroffenen Gemeinde den Bau von Notunterkünften und errichtete anschliessend diese Notunterkünfte und/oder stabile Zelte, in denen die Bevölkerung den Winter überleben konnte.


Nachdem die erste Notsituation überwunden war, schulte Medair 11 000 Menschen im Bau von neuen, erdbebensicheren Häusern. Die Teams bauten ausserdem 11 Grund- und Mittelschulen, führten eine grundsätzliche Gesundheits- und Hygienekampagne durch und halfen beim Wiederaufbau der Existenzgrundlage in den am weitesten abgelegenen Gemeinden.


Der Einsatz von Medair in Pakistan ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir auf folgenschwere Naturkatastrophen reagieren: wir bieten so lange Nothilfe, bis das Überleben gesichert ist, und gehen anschliessend zu einer Wiederaufbauphase über, in der wir mit der Vermittlung von wertvollem Wissen und Fertigkeiten dabei helfen, die grundlegende Infrastruktur und Kapazitäten wieder aufzubauen.


Andere Krisen

Naturkatastrophen und Konflikte machen die meisten Schlagzeilen, aber es gibt noch eine Reihe anderer Krisen, die die Verletzlichkeit der Bedürftigen verstärken. Es gibt eine Vielzahl an Faktoren, die zur allgemeinen Verletzlichkeit der Bevölkerung beitragen. Dazu zählen Armut, Plünderung, fehlender Zugang zu lebensnotwendigen Gütern, eine fehlende Infrastruktur, keine wirtschaftlichen Möglichkeiten, ein hoher Grad an Leid sowie eine hohe Sterblichkeitsrate. Diese Umstände werden durch Katastrophen und Konflikte ebenso wie durch unzulängliche soziale Leistungen und das Versagen der staatlichen Infrastruktur geschaffen.


Bei jedem Länderprogramm von Medair gibt es eine hohe allgemeine Verletzlichkeit der Bevölkerung, was an sich schon eine Krise darstellt. Die Intensität der Folgen einer Katastrophe oder eines Konflikts steht in direktem Zusammenhang mit der vorher bereits vorhandenen Verletzlichkeit. Eine Formel zur Bestimmung der Intensität der Folgen von Katastrophen lautet:


Auswirkungen = Naturkatastrophen x Verletzlichkeit x Zeit

Das bedeutet, dass die Intensität, mit der die Bevölkerung von einem Ereignis getroffen wird, eine Kombination aus der Katastrophe oder dem Konflikt (Ereignis), der allgemeinen Verletzlichkeit der Bevölkerung und der Dauer der Katastrophe, des Konflikts oder der vorher vorhandenen Verletzlichkeit ist. Daraus lässt sich ableiten, dass Katastrophen, die in einem Gebiet mit einer geringen allgemeinen Verletzlichkeit auftreten, weniger intensive Folgen für die Bevölkerung haben als in Gebieten, in denen die allgemeine Verletzlichkeit hoch ist.


Langwierige soziale Konflikte können die Verletzlichkeit ebenfalls erhöhen. ALNAP definiert dies als „bürgerliches Streben oder politische Unterdrückung, die keine offiziellen bewaffneten Konflikte aber dennoch eine Krise darstellen, in der Diskriminierung, Gewalt, Ausbeutung und Verarmung ständige Risiken sind.“ [5]


Weitere spezielle Krisen, die die Verletzlichkeit der Bevölkerung erhöhen, sind Hungersnöte oder Lebensmittelknappheit, technologische Katastrophen und Krankheitsausbrüche. Hungersnöte oder Lebensmittelknappheit können viele Ursachen haben, wie zum Beispiel Dürreperioden, Überschwemmungen und eine instabile Sicherheitslage. Der Sudan, Uganda und Afghanistan litten alle unter Hungersnöten aufgrund von Dürreperioden, und das letzte Hochwasser in Madagaskar vernichtete die lebensnotwendige Lebensmittelernte, was zu einer zukünftigen Lebensmittelknappheit führen kann. Hungersnöte in Zimbabwe gaben den Anlass dafür, dass Medair im Jahr 2003 ein zusätzliches Ernährungsprogramm startete und 85 000 Grundschulkinder täglich mit Mahlzeiten versorgte.


Technologische Katastrophen stehen weniger im Interesse der Öffentlichkeit, können aber trotzdem grosse Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. Hierzu zählen atomare, biologische und chemische Störfälle, eingestürzte Staudämme und Brücken sowie die Zerstörung anderer, von Menschen errichteter, Infrastruktur und Bauten.


Plötzliche Krankheitsausbrüche sind in vielen Einsatzländern von Medair an der Tagesordnung. Durch die strategische Ortswahl und unserer Erfahrungen im Bereich der Nothilfe ist Medair erfreulicherweise in der Lage, auf viele dieser Notfälle angemessen zu reagieren. In Ländern wie dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und Afghanistan sind unsere Nothilfeteams in weiten Teilen des Landes stationiert, um Krankheitsausbrüche sofort zu bekämpfen. Ist verunreinigtes Trinkwasser die Ursache für den Krankheitsausbruch, reagiert Medair mit unseren sehr geschätzten Surface Water Treatment Systems (SWATs), wie zum Beispiel in der hart umkämpften Stadt Malakal im Südsudan, wo Medair 80 000 Liter sauberes Trinkwasser pro Tag zur Verfügung stellte.


Egal, ob es sich um eine plötzlich auftretende Naturkatastrophe, einen gewaltsamen Konflikt, der Millionen Menschen zu Flüchtlingen werden lässt oder eine andere Krise handelt, es gibt viele Probleme auf dieser Welt, die eine Bevölkerung in kurzer Zeit heimsuchen und verletzen können und humanitäre Hilfe erforderlich machen. Immer öfter beeinflussen und lösen sich diese Probleme auch gegenseitig aus, so dass eine Naturkatastrophe in einem Kampf um knappe Ressourcen enden kann, was wiederum zur Vertreibung, Enteignung und dem erhöhten Risiko eines Krankheitsausbruchs führen kann. Innerhalb dieser ernüchternden und erschütternden Umfelder arbeitet Medair und strebt jeden Tag danach, den bedürftigen Menschen auf dieser Welt neue Hoffnung zu geben.




[1] Prof de Haen, IAAE conference. www.theage.com.au
[2] a. ibid
     b. Terje Skavdal of the UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs.    
<http://www.terradaily.com/reports/Asia- Pacific_bears_brunt_of_disasters_in_recent_years_999.html>
[3] Terje Skavdal of the UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (ibid 2b)    
[4] www.theage.com.au
[5] Protection - An ALNAP Guide for Humanitarian Agencies.
Hugo Slim and Andrew Bonwick, 2005
[6] Prof de Haen, speaking at the International Association of Agricultural Economists (IAAE) conference, www.theage.com.au
[7] Terje Skavdal of the UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs. www.terradaily.com/reports/Asia-Pacific_bears_brunt_of_disasters_in_recent_years_999.html
Prof de Haen, speaking at the International Association of Agricultural Economists (IAAE) conference
[8] Terje Skavdal of the UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs.    
UNHCR, Forgotten No Longer, 2005
www.unhcr.org/publ/PUBL/43d4e7602.pdf
IDMC (Internal Displacement Monitoring Centre)
www.internal-displacement.org


[TOP]

 



Kernkompetenzen

Fachbereiche

Medizinische Versorgung
Wasser und Sanitär
Shelter & Infrastructure