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Konflikte

Kriege, Bürgerkriege und inländische Konflikte haben verheerende Auswirkungen für die unschuldigen Menschen, die in den Konfliktregionen leben. Das Active Learning Network for Accountability and Performance in Humanitarian Action (ALNAP) nennt als drei der häufigsten Folgen in Konfliktgebieten und ehemaligen Konfliktgebieten die vorsätzliche Gewalt gegen Personen, Raub sowie eingeschränkte Bewegungsfreiheit und begrenzte Zugangswege.


Vorsätzliche Gewalt gegen Zivilpersonen– einschliesslich Mord – ist allzu oft eine zentrale Strategie von bewaffneten Gruppen. Kinder werden gezwungen, Soldaten oder Sex-Sklaven zu werden und viele Menschen werden nicht getötet, sondern verstümmelt oder mit ernsthaften Verletzungen zurückgelassen. Insbesondere sexuelle Gewalt ist weit verbreitet, die neben der Demütigung und der sozialen Belastung auch noch vorsätzlich dazu verwendet wird, den HIV-Virus zu verbreiten.


„Ich habe Fälle von sexueller Gewalt gesehen von einem sechsjährigen Mädchen bis zu einer 75 Jahre alten Frau“,  berichtete Jason Stearns, Analytiker der International Crisis Group für Zentralafrika, über die Demokratische Republik Kongo. „Die Vergewaltigung ist zu einem Teil der Gewaltkultur geworden... Die traditionelle moralische Struktur der Gesellschaft verschwindet.“[1]


Trotz der Grausamkeit dieser Gräueltaten ist im Schutzbericht des ALNAP zu lesen, dass „Verarmung, Enteignung, Not, Krankheiten und Erschöpfung für den Grossteil der zivilen Todesopfer in Kriegen verantwortlich sind.“[2] Das Leid einer Bevölkerung steht in direktem Zusammenhang mit „den im Krieg vorkommenden Enteignungen – eben, was den Menschen weggenommen wird.“[3] Diese Enteignungen sind oft das Ergebnis vorsätzlicher Angriffe auf Wirtschaftsgüter und Existenzgrundlagen und die Folge einer Strategie der Vertreibung.


Gegenwärtig wurden durch weltweite Konflikte knapp 24,5 Millionen Menschen gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Sie wurden so zu Binnenertriebenen (Internally Displaced Persons, IDPs) in ihren eigenen Heimatländern. Weitere 9,2 Millionen Flüchtlinge wurden in andere Länder vertrieben.[4] Im Gegensatz zu den meisten Flüchtlingen verfügen Binnenvertriebene nur über sehr wenig Rechtsschutz oder Personenschutz und sind oft Ausgestossene in ihren eigenen Ländern.[5] Sie flüchten in Gebiete, in denen es nur sehr begrenzte oder gar keine Hilfe gibt und in denen die Bereitstellung von grundlegenden lebensnotwendigen Gesundheitsgütern eine grosse Herausforderung darstellt.


„Wir waren zu oft zu spät und konnten zu wenig Hilfe anbieten“, erklärte UNHCR High Commissioner António Guterres. „Der grösste Fehler der internationalen humanitären Gemeinschaft war die bisherige Behandlung von Menschen, die durch den Krieg zu Binnenvertriebenen wurden.“[6]


Medair arbeitet eng mit den Binnenvertriebenen in überfüllten Camps in ganz Afrika zusammen und bietet Zugang zu medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser sowie Sanitäreinrichtungen und stellt ausserdem psychosoziale Hilfe bereit für die von den Konflikten betroffenen Menschen und für die Menschen, denen sexuelle Gewalt angetan wurde. Medair hilft den Gemeinden ausserdem bei der Wiederansiedlung nach Ende der Konflikte. In drei von den fünf Ländern mit der grössten Anzahl an Binnenvertriebenen ist Medair aktiv, wobei der Sudan diese Liste mit geschätzten 4,7 Millionen Vertriebenen anführt.[7] Neben den Binnenvertriebenen, die aufgrund von Konflikten aus ihrer Heimat geflohen sind, wurden weitere 25 Millionen Menschen auf der Welt aufgrund von Naturkatastrophen zu Binnenvertriebenen.[8]


„Wir haben diesen Menschen zu lange zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt”, erklärt Jan Egeland, Koordinator für Nothilfe der Vereinten Nationen. „Wir haben in den vergangenen Jahren zwar Millionen von Menschenleben gerettet, aber unser Hilfssystem weist [auch] grosse Lücken auf. Die Bedürfnisse der Binnenvertriebenen waren allzu oft die ersten, die durch das Raster gefallen sind.“[9]


Die dritte Folge von Konflikten ist für Zivilpersonen, dass ihre Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt wird. Ausgangssperren werden verhängt und es kommt zu Strassensperren und Reisebeschränkungen. Ausserdem ist Angst ein bedeutender Faktor, der die Bewegungsfreiheit einschränkt, und zwar entweder die Angst vor einem direkten Angriff oder vor versteckten Bedrohungen, wie zum Beispiel einer Landmine. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit behindert die Menschen bei der Ausübung ihrer Arbeit, bei dem Verdienen ihres Lebensunterhalts oder bei der Inanspruchnahme von medizinischer Versorgung oder von sozialen Diensten.


Medair hilft in mehreren Ländern, in denen die Folgen der Konflikte zu einer hohen allgemeinen Verletzlichkeit der Bevölkerung geführt haben, wie zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, in Uganda und in Afghanistan.


Demokratische Republik Kongo


Im Jahr 2003 wurde der fünf Jahre andauernde Konflikt – genannt „der afrikanische Weltkrieg“ – offiziell beendet. Der Abrüstungsprozess von Milizen und Rebellengruppen dauert jedoch bis heute an, und gewalttätige Konflikte sind noch immer an der Tagesordnung.


5,4 Millionen Menschen sind seit dem Jahr 1998 an Gewalt und kriegsbedingten Krankheiten gestorben, so die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC), die ausgerechnet hat, dass im Jahr 2007 jeden Monat 45 000 Menschen starben.[10] Richard Brennan vom IRC erklärte: „Der Konflikt im Kongo ist der tödlichste Konflikt der Welt in den vergangenen 60 Jahren.”[11]


„Es ist die schlimmste humanitäre Tragödie seit dem Holocaust“, sagte John O'Shea, Chef der irischen Hilfsorganisation GOAL. „Das beste Beispiel für die Grausamkeit der Menschen den Menschen selbst gegenüber.“[12]


Der todbringende Krieg dauerte bis zum Jahr 2003, aber die Konflikte zwischen den verschiedenen Gruppen und die Gewalt gegen Zivilpersonen dauern noch immer an. Die Bevölkerung leidet sehr unter sexueller Gewalt, und es gibt immer wieder Berichte über verübte Kriegsgräuel. In dieser Umgebung voller Gewalt wurden 1,1 Millionen Menschen zu Binnenvertriebenen.[13] Mit 17 000 Truppen ist die grösste UN-Friedenstruppe der Welt hier stationiert, aber ein Land wie die Demokratische Republik Kongo zu kontrollieren, in dem bereits die grundlegendste Verkehrsinfrastruktur fehlt,  stellt auch diese Truppen vor eine grosse Herausforderung.


„Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen die Kluft zwischen humanitären Bedürfnissen und verfügbaren Hilfsmitteln so gross – oder so tödlich – ist wie im Kongo“, gab Jan Egeland, früherer UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, zu bedenken.[14]Medair führt seit zehn Jahren lebensnotwendige Hilfsmassnahmen in abgeschiedenen Teilen der Demokratischen Republik Kongo durch, insbesondere im am meisten von den Konflikten betroffenen Nordosten des Landes. Allein im Jahr 2007 hat Medair über einer Million Bedürftigen Zugang zu medizinischer Versorgung verschafft. Mit Voranschreiten des Abrüstungsprozesses baut Medair die zentrale Infrastruktur wieder auf, dazu gehören 17 neue und 7 wieder aufgebaute Gesundheitszentren im Jahr 2006, was die Rückkehr von Vertriebenen in ihre Heimatdörfer in Gang setzte. Das Team von Medair sanierte ausserdem 111 Strassenkilometer, um den Zugang zu isolierten Gemeinden zu verbessern.


„Medair schult die Mitarbeiter unserer Organisation in der Betreuung von Opfern sexueller Gewalt“, erzählt Alphonsine Unwang, Koordinator von SFVS. „An Medair beeindruckt mich am meisten, dass die Mitarbeiter auch während des Krieges im Land geblieben sind, als andere Gesundheitszentren und Nichtregierungsorganisationen entweder schlossen oder das Land verliessen. Aus diesem Grund ist Medair die angesehenste Organisation in der gesamten Region.“


Sudan


Konflikte zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen waren die Ursache für enorme innere Kämpfe im grössten Land Afrikas. Der Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden dauerte 21 Jahre und wurde offiziell mit der Unterzeichnung des Comprehensive Peace Agreement (CPA) im Jahr 2003 beendet, aber in Westdarfur dauern die Kämpfe an, und die UN berichtet, dass seit dem Jahr 2003 knapp 200 000 Menschen gestorben sind und 2,5 Millionen vertrieben wurden.[15] Die Gesamtanzahl der Binnenvertriebenen im Sudan beläuft sich auf geschätzte 4,7 Millionen, die höchste Anzahl an Binnenvertriebenen auf der ganzen Welt, und die Zahl liegt vermutlich noch höher, da die meisten Binnenvertriebenen im Sudan nicht in Camps leben und somit schwierig zu erfassen sind. Genaue Zahlen aus dem Südsudan sind ebenfalls schwer zu erhalten.[16]


Der Südsudan leidet an den Folgen des längsten Bürgerkriegs in der Geschichte Afrikas. Dies sind wiederkehrende Hungersnöte, wirtschaftliche Sanktionen, fehlende Investitionen und Entwicklung und allgemeine schlechte Regierungsführung. Knapp zwei Millionen Menschen starben, vier Millionen Menschen wurden zu Binnenvertriebenen (Internally Displaced Persons, IDPs), und bis zu acht Millionen Menschen im Süden waren ohne Zugang zu lebensnotwendigen Diensten wie medizinischer Versorgung und Bildung.


„In den Aspekten Bildung, Alphabetisierung und Unterernährung von Kindern steht der Südsudan an einer der letzten Stellen in der Rangfolge der Länder dieser Erde, und in allen anderen sozialen Aspekten ebenfalls“, so Larry Thompson von Refugees International.[17]


Mit einer brisanten Mischung ethnischer Gruppen, uralter Missstände und weitverbreitetem Waffenbesitz war die Stabilität im Südsudan nach Unterzeichnung des CPA weiterhin praktisch nicht vorhanden. Grosse Massen an Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Bürgerkrieg kehren nun in ihre Heimatdörfer zurück. Dies führte zu vermehrten Spannungen in den Gemeinden, und Versuche, die Abrüstung durchzusetzen, mündeten in neue Kampfhandlungen zwischen den Stämmen.


Andere Gebiete im Land, die fernab von der Hauptstadt liegen, litten unter chronischer Vernachlässigung, fehlenden Investition und schlechter Regierungsführung. Im Westen von Darfur verursachten diese Missstände Ende 2002 den Ausbruch einer Rebellion. Da sowohl politische als auch militärische Lösungsversuche scheiterten, eskalierte der Konflikt schnell. Das im Mai 2006 unterzeichnete Darfur Peace Agreement hatte keine wesentliche Verbesserung der  Situation vor Ort zur Folge.


Naturkatastrophen, wie im vergangenen Jahr Hochwasser und Dürre, verschlimmerten das durch die Konflikte verursachte Leid noch. Krankheitsausbrüche und Lebensmittelknappheit sind ebenfalls an der Tagesordnung.


In Anbetracht der Grösse des Sudan und der grossen Anzahl an Problemen, mit denen die leidenden Einwohner zu kämpfen haben, führt Medair zwei Programme im Land durch, eines im Norden des Landes und eines im Süden. Im Norden leistet Medair in drei Gebieten multisektorale Hilfe: in Südkordofan, Westdarfur und in Khartum.  


2006 unterstützte Medair 43 Gesundheitseinrichtungen und zwei mobile Einheiten in den nördlichen Staaten des Sudan und stellte den Zugang zu medizinischer Grundversorgung für beinahe 370 000 Menschen sicher. Eines der Hauptziele war reproduktive Gesundheit. Dazu zählte die Schulung von Hebammen, die Einrichtung von sicheren Geburtsstätten sowie die Betreuung von Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV).  Die Teams sicherten ausserdem den Zugang zu sauberem Trinkwasser für mehr als 110 000 Menschen.


Im Südsudan – wo weniger als 25 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und weniger als 40 Prozent der Bevölkerung weniger als einen Tag Fussmarsch von der nächsten Gesundheitseinrichtung entfernt wohnen – half Medair im Jahr 2006 knapp 280 000 Bedürftigen. Die Bemühungen von Medair zielen darauf ab, die grössten Lücken zu füllen, den Zugang zu medizinischer Versorgung und zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen und bei Bedarf Nothilfe zu leisten. 


Uganda


Im Jahr 2006 bezeichnete Jan Egeland Nord-Uganda als das Weltzentrum des Terrorismus. Er sagte: „Nirgendwo sonst auf der Welt finden wir so grosse Gebiete, in denen zwischen 80 und 90 Prozent der Bevölkerung durch Gewalt in Camps gezwungen werden.“[18]


Zwei Jahrzehnte lang kämpfte die rebellische Lord’s Resistance Army (LRA) einen grausamen Krieg in Nord-Uganda und schuf damit das, was die UN als eine der von der Weltöffentlichkeit am wenigsten beachteten humanitären Krisen bezeichnet.[19] Zur schlimmsten Zeit des Krieges starben eintausend Menschen wöchentlich an Krankheiten, schlechten Lebensbedingungen und Gewalt, und 1.7 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.[20]


Die LRA ist bekannt für ihre Greueltaten an Zivilpersonen und für die Verschleppung von über   20 000 Kindern, die als Soldaten oder Sex-Sklaven missbraucht werden.[21] Reuters AlertNet berichtet, dass 80 Prozent der Truppen der LRA aus Kindersoldaten bestehen.[22] Die LRA erzeugte unter Zivilpersonen die ständige Angst vor neuen Angriffen, und die Menschen wurden zum besseren Schutz in Camps gebracht, die sich in der Nähe von Armeelagern befinden. Camps für Binnenvertriebene entstanden um Dörfer herum, doch ihre Bewohnerzahlen stiegen so dramatisch an, dass lebenswichtige Dienste knapp wurden, darunter auch die medizinische Versorgung und der Zugang zu sauberem Wasser. Aufgrund der Gefahr, das sichere Camp zu verlassen, wurde es ausserdem schwierig, Land zu bewirtschaften.

Im September 2006 wurde eine grundsätzliche Waffenruhe zwischen der LRA und der Regierung von Uganda vereinbart, wodurch sich die Sicherheitslage erheblich verbesserte. Die Angriffe der LRA auf Zivilpersonen hörten auf, was eine Ausdehnung der Bewegungsfreiheit zur Folge hatte. Geschätzte 700 000 Binnenvertriebene verliessen die überfüllten Lager und kehrten in ihre Heimatdörfer zurück oder siedelten sich neu an. [23]


Die Bevölkerung kämpft jedoch noch immer mit erheblichen Problemen. Nachdem die Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt waren oder sich neu angesiedelt hatten, standen ihnen erneut keine lebensnotwendigen Dienste zur Verfügung, wie zum Beispiel medizinische Versorgung, Schulen, sauberes Wasser und Infrastruktur. Ausserdem sind sie nun in einem weitaus grösseren Gebiet verteilt, was es den Hilfsorganisationen erschwert, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Hinzu kommen Stammeskonflikte in der nördlichen Provinz Karamoja, die dazu führen, dass die Menschen, die aus den Camps weggehen, mit der ständigen Angst vor Plünderung und Gewalt leben müssen.


Bereits seit dem Jahr 2000 stellt Medair in Uganda Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitäreinrichtungen und medizinischer Versorgung für hunderttausende Menschen zur Verfügung, die durch die gewaltsamen Konflikte im Land entwurzelt wurden. Allein im vergangenen Jahr hat Medair über 236 000 Bedürftigen in Nord-Uganda geholfen. Durch die verhältnismässige Verbesserung der Sicherheit befindet sich Medair mit seinen Tätigkeiten nun in der Nachkonfliktphase. In dieser Phase konzentriert sich Medair auf die Bildung von Kapazitäten in kleineren Gemeinden und schult die Rückkehrer darin, die eigenen Einrichtungen zu betreiben und zu handhaben und ermöglicht es den Menschen, eine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu entwickeln.


Afghanistan

Afghanistan wurde in den vergangenen 25 Jahren durch gewaltsame Konflikte häufig zu einem Kriegsgebiet. Mehr als eine Million Menschen wurden während der zehnjährigen sowjetischen Besatzung in den 1980ern getötet. 2001 wurde ein gewaltsames Taliban-Regime von US-geführten Truppen gestürzt. Aktuell kämpfen über 40 000 internationale Truppen im Land gegen die Rebellen.[24] Allzu oft hat dieser Kampf tragische Auswirkungen für die Zivilbevölkerung.


Afghanistan ist zu einem der am stärksten verminten Länder der Welt geworden. In den vergangenen zwei Jahren musste man einen beunruhigenden Anstieg in der Anwendung von  unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (Improvised Explosive Device; IED) verzeichnen, die auf Zivilisten, Ausländer, Koalitionsstreitkräfte, das afghanische Militär und Polizeitruppen gerichtet werden. Die Bevölkerung wird durch die hohen Verluste in der Zivilbevölkerung mehr und mehr entmutigt, und es gibt zunehmend Gegenreaktionen gegen in Afghanistan arbeitende Ausländer. Reuters AlertNet berichtet, dass seit dem Sturz der Taliban-Regierung Dutzende von Entwicklungshelfern verletzt, verschleppt oder getötet wurden.[25] Grosse Gebiete wurden für Hilfsorganisationen gesperrt.


Laut Human Rights Watch hat „in Afghanistan die instabile Sicherheitslage höchste Priorität“. “Wieder auflebende Taliban-Truppen bekämpfen die Kontrolle der Regierung über einen Grossteil des südlichen Afghanistan und schränken die Lieferung von verzweifelt benötigter Entwicklungs- und Wiederaufbauhilfe ein.”[26]


Die unbeugsame Geschichte gewaltsamer Konflikte hat zu einer massiven Verwahrlosung und Unterentwicklung im ganzen Land geführt. Die Menschen in abgelegenen Gebieten haben kaum Zugang zu medizinischer Grundversorgung und 70 Prozent der Haushalte haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 42 Jahren (WHO), und die Müttersterblichkeitsrate ist eine der höchsten auf der ganzen Welt.[27]


In vielen Konfliktgebieten hilft Medair Vertriebenen, die in Notunterkünften leben, aber in Afghanistan arbeitet Medair am meisten mit den Menschen zusammen, die in abgelegenen Gebieten leben, die durch die instabile Sicherheitslage und durch die sehr begrenzte Infrastruktur von lebenswichtigen Diensten abgeschnitten sind.


In der Provinz Berg-Badachschan arbeitet Medair in vier der unzugänglichsten Gegenden, die nur per Pferd oder in den Wintermonaten zu Fuss erreichbar sind. Badachschan ist zweifellos eine der am stärksten unterentwickelten und abgeschiedensten Regionen in Zentralasien. Die Wahrscheinlichkeit einer Naturkatastrophe ist hier so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Es kommt sehr häufig zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Erdbeben. Bis zum Jahre 2002 gab es praktisch keine grundlegende medizinische Versorgung. In den vergangenen fünf Jahren war Medair jedoch die treibende Kraft für einschneidende Verbesserungen in Badachschan. Heute betreibt Medair vier Kliniken und 40 Gesundheitsstationen in der Region und im Jahr 2006 erhielten 200 000 Menschen eine medizinische Grundversorgung.


Medair führt ausserdem einen Hilfseinsatz im zentralen Hochland durch, wo aufeinander folgende Kriegsperioden, die instabile Sicherheitslage in der Region und der felsige Boden das Gebiet von jeglicher humanitärer Unterstützung isoliert haben. Die fehlende Versorgung mit sauberem Wasser, der fehlende Strassenzugang und nicht vorhandene Kliniken zehren an der Gesundheit der isolierten Bevölkerung, und jahrelange Dürreperioden sowie die fehlende Entwicklung führten zur schlimmsten Lebensmittelknappheit des Landes.


[1]Reuters AlertNet, October 2007
www.alertnet.org/db/crisisprofiles/ZR_CON.htm
[2]Protection - An ALNAP Guide for Humanitarian Agencies.
Hugo Slim and Andrew Bonwick, 2005
[3]ibid
[4]UNHCR, Forgotten No Longer, 2005
www.unhcr.org/publ/PUBL/43d4e7602.pdf
[5]ibid
[6]ibid
[7]IDMC (Internal Displacement Monitoring Centre), Sept 2007
www.internal-displacement.org 8025708F004CE90B/(httpPages)/ 22FB1D4E2B196DAA802570BB005E787C?OpenDocument&count=1000
[8]UNHCR, Forgotten No Longer, 2005
www.unhcr.org/publ/PUBL/43d4e7602.pdf
[9]ibid
[10]IRC Special Report: Congo
www.theirc.org/special-report/congo-forgotten-crisis.html
[11]Reuters AlertNet, October 2007
www.alertnet.org/db/crisisprofiles/ZR_CON.htm
[12]ibid
[13]ibid
[14]Seize the Moment to Help End Congo's Suffering.
Jan Egeland.  UN Under-Secretary General for Humanitarian Affairs and Emergency Relief Coordinator
ochaonline.un.org/OchaLinkClick.aspx?link=ocha&DocId=1004210
[15]Reuters AlertNet, March 2007
www.alertnet.org/db/crisisprofiles/SD_CON.htm
[16]IDMC, Internal Displacement Monitoring Centre, September 2007
www.internal- displacement.org/idmc/website/ countries.nsf/ (httpEnvelopes)/CA38A0F0F269546F802570B8005AAFAD?OpenDocument
[17]Reuters AlertNet, March 2007
www.alertnet.org/db/crisisprofiles/SD_PEA.htm
[18]IRIN, Interview with Jan Egeland, April 2006
www.irinnews.org/report.aspx
[19]Afrol News
www.afrol.com/articles/14806
[20]Reuters AlertNet, August 2007
www.alertnet.org/db/crisisprofiles/UG_VIO.htm
[21]ibid
[22]ibid
[23]Real-time evaluation of UNHCR's IDP operation in Uganda.
UNHCR, August 2007
[24]Reuters AlertNet, October 2007
www.alertnet.org/db/crisisprofiles/AF_REC.htm
[25]ibid
[26]ibid
[27]ibid


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