Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH)
Warum WASH?
In einer Krisensituation ist kaum etwas wichtiger als die Versorgung mit sauberem Wasser und die hygienische Entsorgung von Abfällen. Der ehemalige Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Dr. Lee Jong-Wook, sagt dazu Folgendes:
„Der Komplex Wasser und sanitäre Einrichtungen ist eine der primären Antriebskräfte des Gesundheitswesens. Ich bezeichne ihn oft als ‘Health 101’, was bedeutet, dass wir eine wichtige Schlacht gegen eine Vielzahl von Krankheiten gewinnen werden, wenn es uns nur gelingt, für alle Menschen ungeachtet ihrer unterschiedlichen Lebensbedingungen den Zugang zu sauberem Wasser und angemessenen sanitären Einrichtungen sicherzustellen.”[1]
In Katastrophen- und sonstigen Krisensituationen brauchen die Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH), um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.
Durch Überschwemmungen kann es zu einer Verunreinigung der Wasserquellen kommen. Durch eine beschädigte Infrastruktur kann die Wasserversorgung zusammenbrechen. Durch Kriege, in denen Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben werden, muss in fremden Umgebungen, oft in überfüllten Camps, für WASH gesorgt werden.
Durch ein unhygienisches Verhalten im sanitären Bereich kann es zur Ausbreitung von Krankheiten kommen.Medair leistet im Rahmen der WASH-Projekte grundlegende, lebenserhaltende Unterstützung, die den Betroffenen hilft, wieder ein Leben in Würde zu führen.
Aufgabenfeld WASH

Eine afghanische Frau nutzt eine neue Entnahmestelle für sauberes Wasser.
Im Jahr 1991 führte Medair das erste kleine WASH-Projekt im Südsudan durch. 1999 fing Medair dank geänderter Organisationszwecke und neuer erfahrener Mitarbeiter an, sich zu einem ernst zu nehmenden Akteur im WASH-Bereich zu entwickeln.
Damals hatte Medair bereits an der Sanierung vorhandener Wasserstellen im Südsudan gearbeitet und begann dann, mit einem Handbohrer neue Brunnen zu bohren.
Im Jahr 2001 kaufte Medair ein Bohrgerät, mit dem es unserem Team gelang, innerhalb eines Jahres 15 neue Brunnen zu bohren. Die häufigste WASH-Massnahme von Medair ist die Sanierung und Instandhaltung von Wasserstellen wie Quellen, offenen Brunnen und Brunnen, bei denen das Wasser mit einer Handpumpe gefördert wird. Dazu führen wir als flankierende Massnahmen eine allgemeine Hygieneerziehung und Schulungen von Wasserausschüssen durch, um die Funktionsfähigkeit der Wasserstellen zu erhalten.
Für Notsituationen, in denen raschere und weitreichendere Massnahmen erforderlich sind, hat Medair Kompetenzen in Bereichen wie Brunnenbau mit Bohrgeräten oder durch Spülbohrung, chemische Wasseraufbereitung oder Bau einer grossen Anzahl an Latrinen erworben. Neben der Nothilfe untersucht und verwendet Medair soweit möglich weiterhin einfache Methoden wie Sandfilter bzw. das SODIS- oder Abschlämmverfahren.
Kernkompetenzen von Medair im Aufgabenfeld WASH:

Brunnenbau in Madagaskar
Erfahrung
Seit 20 Jahren führt Medair langfristige Hilfsmassnahmen in WASH-Krisensituationen auf der ganzen Welt durch. Die meisten unserer Länderprogramme betreffen mittlerweile in irgendeiner Weise dieses Aufgabenfeld, und unsere WASH-Mitarbeiter verfügen über viele Jahre wertvolle Erfahrung.
Bedarfsanalyse
Medair führt bei einer zu erwartenden Krise eine WASH-Grundlagenerhebung durch, um die Art und Dringlichkeit einer Situation festzustellen. Wir beurteilen die Anzahl und Art der benötigten Einrichtungen und Ressourcen, was uns eine exakte Planung unseres gesamten Hilfseinsatzes ermöglicht.
Flexibler Ansatz
Medair hat die Möglichkeit, verschiedene Technologien anzubieten: von Hightech-Lösungen (maschinellen Bohrungen, chemischer Wasseraufbereitung) bis zu Lowtech-Lösungen (Spülbohrung, Grabung). Dabei sind einfache Methoden in der Regel vorzuziehen, da sie kostengünstiger sind und auf lokal vorhandenem Wissen aufbauen. In Notsituationen stützen wir uns jedoch manchmal auf technisch ausgefeiltere und schnellere Methoden, um Leben zu retten und Krankheiten abzuwenden.
Innovation
Medair setzt unter anderem eine Abwandlung der Spülbohrung ein, mit der schnell und einfach eine grosse Menge sauberes Wasser zugänglich gemacht werden kann. Zudem hat Medair eine kleine mobile Wasseraufbereitungsanlage mit riesigen Plastikblasen und Chemikalien konstruiert, mit der in ganz Sudan schmutziges Oberflächenwasser aufbereitet wird.
Hilfsbedürftige im Mittelpunkt
Medair unterstützt die lokale Bevölkerung bei der Planung und Durchführung aller Massnahmen. Auf diese Weise fördern wir ihre Eigenverantwortung und die nachhaltige Wirkung der Massnahmen.
Gleichgewicht zwischen technischer Umsetzung und Schulung
Eine nagelneue sanitäre Einrichtung wird möglicherweise nie genutzt, wenn den Menschen ihr Sinn nicht klar ist. Theoretische Erklärungen verfehlen ihr Ziel, wenn die Menschen die Einrichtung nicht sehen und in der Praxis nutzen können. Daher ist ein Gleichgewicht zwischen der Bereitstellung neuer Einrichtungen und der Schulung in ihrer ordnungsgemässen Handhabung unerlässlich. Dementsprechend ist die Hygieneerziehung auch Bestandteil fast jedes Projekts von Medair.
Organisationsinterne Konferenzen und Wissensmanagement
Medair veranstaltet jedes Jahr eine organisationsinterne WASH-Konferenz, auf der die Wissensverbreitung sowie die Erarbeitung und Beurteilung der WASH-Ziele und Erfolgsrezepte im Vordergrund stehen. Das Wissensmanagement wird von einem hoch qualifizierten WASH-Berater betreut.
Koordination mit anderen Akteuren
Medair steht nicht im Wettbewerb mit anderen Akteuren im humanitären Sektor, sondern arbeitet eng mit ihnen zusammen. Dadurch können wir bestmöglich und am effektivsten Unterstützung leisten. Ausserdem stimmen wir unsere Anstrengungen intern aufeinander ab, um Synergien mit anderen Aufgabenfeldern von Medair wie den Bereichen medizinische Versorgung oder Notunterkünfte und Infrastruktur zu schaffen.
Fallstudie: Südsudan
Für Brunnenbohrungen in abgelegenen Gegenden im Südsudan, wo der Grundwasserspiegel oft 100 Meter tief liegt, verwendet Medair ein Bohrgerät. Ein solcher Brunnen versorgt mindestens 500 Menschen. Darüber hinaus hat Medair für Heimkehrer mobile Wasseraufbereitungssysteme an Durchgangsstationen errichtet. Zu allen Einsätzen gehört auch die Förderung der Hygiene und des richtigen Verhaltens im sanitären Bereich.
Fallstudie: Madagaskar
Wenn die saisonalen Wirbelstürme über Madagaskar hinwegfegen, werden Wasserstellen oft von den nachfolgenden Überschwemmungen zerstört. Medair konnte mithilfe einer innovativen Technologie innerhalb kurzer Zeit eine grosse Anzahl Brunnen errichten.
Fallstudie: Sudan (Nordstaaten), Uganda
In beiden Ländern gibt es überfüllte Camps, die eine besondere Herausforderung im WASH-Bereich darstellen. Eine wichtige Errungenschaft ist die Errichtung von Wasserverteilungssystemen in den Camps. Das Wasser wird aus einem Brunnen in einen Hochtank gepumpt, von wo aus es über Leitungen zu Entnahmestellen fliesst. Ausserdem ist Medair in den Camps am Bau einer grossen Anzahl einfacher Latrinen beteiligt.
[1] Dr. Lee Jong-Wook, ehemaliger Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO

