Südsudan: Vom Hungertod bedroht

24 Mai 2017

Südsudan: Vom Hungertod bedroht

Als wir aus dem Flugzeug steigen, strömt uns warme, trockene Luft entgegen. Wir sind soeben auf einer kleinen Piste gelandet. In dieser Region haben die UN vor kurzem eine Hungersnot ausgerufen.

Ich lasse meinen Blick schweifen. Tiefe Risse ziehen sich durch den Boden, die Felder sind gelb – weit und breit ist kein Gemüse oder Getreide zu sehen, nicht einmal ansatzweise. Aufgrund wiederholter Vertreibungen haben viele Menschen ihre Äcker nicht bewirtschaften können. Wer trotzdem gesät hat, dessen Ernte wurde weggeschwemmt.

Was die Menschen hier alles durchmachen mussten! Mehrfach haben sie sich tagelang im Sumpfgebiet versteckt, hatten den Verlust von Freunden und Verwandten zu verkraften. Tagtäglich haben sie verzweifelt nach Essen gesucht und um ihr Leben gekämpft. Ich frage mich: "Wie viel kann ein Mensch aushalten?"

Doch gerade in dieser von der Hungersnot gebeutelten Region erlebte ich die Menschen als besonders stark und entschlossen.

Noch vor sechs Wochen war die kleine Rebecca schwer unterernährt. „Ich brachte meine Tochter hierher, weil es ihr sehr schlecht ging. Sie wurde dünner und dünner“, erinnert sich Mary. „Ich konnte ihr nichts zu essen geben. Wir ernährten uns von Seerosen, die wir im Fluss sammelten.“

Mary beobachtet ihre Kleine, die gerade mit Plumpy’Sup gefüttert wird – eine nährstoffreiche Paste, die bei Unterernährung eingesetzt wird.

Die junge Mutter ist froh, dass man sich in ihrer Dorfgemeinschaft umeinander kümmert. Doch dieser Krise ist ohne fremde Hilfe nicht beizukommen. „In unserem Dorf teilen wir das Essen, auch wenn wir nicht viel haben. Manchmal ist gar nichts vorhanden. Dann warte ich und hoffe, dass Gott uns hilft.”

Aus Angst, Rebecca könnte sterben, hatte Mary sie den ganzen weiten Weg in die Klinik getragen. „Unsere Kinder sind bei Medair gut aufgehoben”, freut sie sich. „Auch ich lerne viel dazu – die Mitarbeitenden haben mir gezeigt, worauf ich bei der Ernährung achten muss und wie man richtig stillt. Und ich säubere jetzt die Hände meiner Tochter, bevor ich ihr Plumpy’Sup gebe.” 

Rebecca wurde mittlerweile aus dem Ernährungsprogramm für schwer unterernährte Kinder entlassen. Jetzt behandeln wir sie wegen mittelschwerer akuter Unterernährung – ihr Zustand ist also nicht mehr so ernst. Sie legt gut an Gewicht zu, es geht ihr sichtlich besser. Ein Fortschritt, der Mut macht!

Während Mary Rebecca stillt, sieht sie mich an. „Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als Frieden! Dann wäre alles gut. Ich möchte mich bei Medair bedanken. Denn das Team kümmert sich wirklich gut um uns. Ohne Medair würden viele Menschen leiden, viele Kinder sterben.“

Zuhause fragen mich meine Freunde manchmal, wie ich die Zukunft des Südsudans einschätze. Dann versichere ich ihnen: Ich habe Hoffnung. Die Menschen hier leben unter extrem schwierigen Bedingungen, aber sie geben nie auf. So auch Mary, die sich trotz des Nahrungsmangels und der ständig drohenden Gewalt rührend um ihre vier Kinder kümmert. Man sieht, wie sehr sie ihre Kleinen liebt. Wenn eine Frau wie Mary noch Hoffnung hat, dürfen auch wir nicht aufgeben.

Im Südsudan wurde in den Bezirken Leer und Mayendit eine Hungersnot ausgerufen. Im ganzen Land sind nahezu fünf Millionen Menschen auf Ernährungshilfe angewiesen.

Mit Ihrer Hilfe können wir in den am schwersten betroffenen Gebieten täglich Leben retten. 2016 unterstützte Medair 18 294 unterernährte Frauen und Kinder.

Mit einer Spende helfen Sie, ein akut unterernährtes Kind im Südsudan zu versorgen. Wir freuen uns auch, wenn Sie Medair monatlich unterstützen. Regelmässige Spenden geben uns Flexibilität, um Menschen in Not schnelle Nothilfe zu leisten.

Die Arbeit von Medair im Südsudan wird unterstützt von der Europäischen Union Bevölkerungsschutz und Humanitäre Hilfe, der Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID), der britischen Regierung (UK aid), dem South Sudan Humanitarian Fund, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dem US-Aussenministerium, dem niederländischen Aussenministerium in Zusammenarbeit mit Tear NL und einer gemeinsamen Reaktion der Dutch Relief Alliance im Südsudan sowie von privaten Spenderinnen und Spendern.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die geäusserten Meinungen entsprechen ausschliesslich jenen von Medair und damit nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.


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