Somalia: Das sichere Bauchgefühl einer Mutter

21 Dezember 2016

Somalia: Das sichere Bauchgefühl einer Mutter

Ayan trat mit ihrem kleinen Jungen aus der sengenden Sonne hinein in ein Krankenhaus in Süd-Zentral-Somalia. Baby Adan weinte und war einfach nicht zu beruhigen. Seine Mutter war müde und niedergeschlagen. „Mein Kleiner ist schon seit längerem krank“, sagte sie, während sie ihren schwachen, abgemagerten Sohn auf dem Arm wiegte. Ich habe grosse Angst, ihn zu verlieren.“

Anfangs habe sie geglaubt, nur Gebete könnten ihren Sohn heilen, vertraute uns Ayan an. Doch Adans Zustand verschlimmerte sich. Eine Verwandte erzählte der Mutter von den von Medair unterstützten Gesundheitseinrichtungen. Dort erhalte man kostenlose medizinische Versorgung. Sie ermutigte Ayan, in die Stadt zu gehen und ihren Sohn dort behandeln zu lassen.

Doch Ayans Nachbarn warnten sie. Sie fürchteten sich vor der Klinik und sagten Ayan, den Leuten dort sei nicht zu trauen. „Meine Nachbarn beschimpften mich“, erzählte Ayan. „Und sie prophezeiten mir, ich würde mit einem toten Kind zurückkommen.“

Diese und andere negative Meinungen über das Gesundheitswesen versucht Medair durch Aufklärung zu durchbrechen; eine der Hauptaufgaben unserer Arbeit in Somalia. Geschulte lokale freiwillige Mitarbeiter klären ihre Dorfgemeinschaften auf. Denn falschen Vorstellungen gefährden die Gesundheit von Kindern und geschwächten Menschen.

Ayan hörte zum Glück nicht auf ihre Nachbarn – sondern auf ihre eigene Intuition. Sie nahm die siebenstündige Reise in die von Medair unterstützte Klinik auf sich. „Ich wurde sehr herzlich empfangen“, berichtete sie. „Die Schwestern fragten sofort nach meinem Sohn. Ich erfuhr, dass er krank war, weil er nicht richtig gegessen hatte. Man gab uns Medikamente und ich sollte am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen.“  

Ayan übernachtete bei einer Verwandten in der Stadt. Zum ersten Mal seit Langem schlief ihr Baby ruhig und entspannt. Am nächsten Tag brachte Ayan ihn wieder in die Klinik, wo er kalorienreiche Nahrung erhielt. „Er ass langsam und es fiel ihm sichtlich schwer“, sagte Ayan. „Er hatte noch nie feste Nahrung zu sich genommen.“

Viele Familien in Somalia leiden unter Nahrungsknappheit. Dürre und anhaltende Konflikte führten zu Instabilität und geringen Ernten. Geschätzte fünf Millionen Menschen haben gegenwärtig nicht genug zu essen. Ayan und Adan sind nur zwei von ihnen.

Nach zwei Monaten der Behandlung erholte sich Adan sehr gut. Mutter und Sohn konnten nach Hause gehen. In ihrem Dorf gab es jedoch nach wie vor nicht genug Nahrung und Wasser – bald wurde Adan erneut krank. Wieder machte Ayan sich mit ihrem Sohn auf in die Klinik. Als es ihm besser ging, entschied sie, mit ihrem Baby in eine Vertriebenenlager in der Nähe der Stadt zu leben und so auch nahe der Klinik zu sein. „Hier ist es besser für uns“, erklärte sie. „In meinem Dorf fehlt so vieles. Doch im Lager haben wir mehr Essen und müssen uns darum weniger Sorgen machen.“

Ayan ist dankbar für die Hilfe, die sie und ihr Kind erhalten. Im Lager arbeitet sie von Zeit zu Zeit auf dem Markt. Mit dem verdienten Geld unterstützt sie ihre Familie daheim. Doch eines bleibt klar: Ayans Zukunft ist alles andere als optimistisch. Und ihr Schicksal teilen sehr viele Familien in Somalia.

Ayan und viele andere Mütter und Kinder in Somalia brauchen unsre Unterstützung, um diese Krise zu überstehen. Bitte helfen Sie mit einer Spende.

Medair unterstützt in Somalia fünf Gesundheitseinrichtungen. Dazu gehören Entbindungsstationen, die rund um die Uhr geöffnet sind. Auch helfen wir Dorfgemeinschaften in Süd-Zentral-Somalia, die allgemeine Gesundheit, Ernährungs- und Hygienesituation zu verbessern. In Dörfern, in denen Cholera auszubrechen droht, verteilen wir Wasserfilter für sauberes Trinkwasser an die bedürftigsten Familien.

Die Arbeit von Medair in Somalia wird unter anderem unterstützt von Dorcas Aid Intl (NL), TEAR (AU), der US-Agentur für internationale Entwicklung, der Ferster-Stiftung (CH), Fondation Resurgens (CH) und privaten Spendern. 

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und damit nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.


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