Afghanistan: Ein Leben am Abgrund

01 Dezember 2016

Afghanistan: Ein Leben am Abgrund

Dieses Foto habe ich Ende Oktober im zentralen Hochland in Afghanistan aufgenommen, erzählt eine Mitarbeiterin von MEdair. Sehen Sie sich das Bild genau an: Die bestellten Felder sind von den kargen Hängen im Hintergrund kaum zu unterscheiden. Beide gehen nahtlos ineinander über, während die trockenen Lehmhäuser von ihrer grau-braunen Umgebung verschluckt zu werden scheinen. Das einzige, was ins Auge sticht, sind ein paar Bäume, die sich mit ihren goldenen Blättern scharf gegen den leuchtend blauen Himmel abzeichnen.

An jenem Tag wehte eine frische Brise, die leise aber bestimmt den nahen Winter ankündigte. Die kalte Jahreszeit bereitet den Familien im zentralen Hochland grosse Sorgen. 

Wir sagen manchmal, die Menschen in dieser Region würden – im übertragenen Sinne – gefährlich nahe am Abgrund leben: Überraschende Ereignisse können Nahrungsvorräte von heute auf morgen vernichten und ganze Existenzen zerstören. Wenn es beispielsweise zu oft und zu heftig regnet, sickert Wasser ins Innere der Lehmhäuser und greift Wände und Dächer an. Strassen und Ackerland werden weggeschwemmt, fruchtbarer Boden verschwindet stromabwärts. Doch umgekehrt ist es nicht besser: Wenn der Regen ausbleibt, verkümmert die Ernte in der trockenen Umgebung.

Zieht sich der Winter in die Länge, sind die Bauern gezwungen, in der ohnehin kurzen Vegetationsperiode verspätet mit dem Anbau zu beginnen. Fällt der erste Schnee sehr früh, versperrt er Familien den Zugang zu lokalen Märkten – noch bevor diese sich mit Vorräten für den Winter eindecken können.   

Familien im zentralen Hochland kennen dieses „Leben am Abgrund“ nur allzu gut. Dieses Jahr befürchten vier von fünf Familien, mit denen wir sprachen, im kommenden Winter nicht genug zu essen zu haben. 

Eine verheerende Pilzkrankheit vernichtete 2016 die Weizenernte in weiten Teilen der Region. „Ich habe alles verloren“, sagte uns ein Bauer. Afghanischen Behörden zufolge beläuft sich der Ernteausfall in bestimmten Gebieten auf 60 bis 70 Prozent – für Familien, die von der Weizenproduktion leben, eine Katastrophe.

Ein anderer Landwirt nahm uns mit auf sein Kartoffelfeld. Er schnitt eine Knolle auf und zeigte uns die schwarzen Würmer, die den Grossteil seiner Ernte befallen hatten.

Für die bedürftigen Familien ist es fatal, im Winter ohne Vorräte dazustehen. Nahrungsmittelengpässe bedrohen ihre Existenz – und ihr Leben.   

Das Team von Medair in Afghanistan unternimmt alles, um  betroffenen Dorfgemeinschaften zu helfen. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn bis zum Winter bleiben nur noch wenige Wochen. Deshalb versorgen wir Familien in Not mit Geldleistungen für Essen. Das erlaubt jeder Familie, zwei Monate zu überbrücken – und damit zu überleben.  

Im Frühling wird Medair Düngemittel und krankheitsresistentes Saatgut verteilen. Zudem sollen Bauern in landwirtschaftlichen Methoden geschult werden, die Ernteausfälle in Zukunft vermeiden helfen.

Ihre Unterstützung ist überlebenswichtig für Familien, denen im kommenden Winter der Hunger droht. Mit einer Spende zu Weihnachten in Höhe von CHF 150.– oder 140 Euro ermöglichen Sie einer bedürftigen Familie, sich für zwei Monate mit Vorräten einzudecken. Bitte helfen Sie uns helfen.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Mitarbeitenden von Medair in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die hier geäusserten Ansichten entsprechen ausschliesslich jenen von Medair und damit nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.

Die Arbeit von Medair in Afghanistan wird unterstützt von Global Affairs Canada, dem Common Humanitarian Fund, dem Kanton Zürich sowie privaten Spendern.

Diese schutzbedürftige Familie erhält Geldleistungen, damit sie für den Winter Nahrungsmittel kaufen kann. Im Hintergrund zweieinhalb Säcke Weizenmehl – der einzige Vorrat, der ihnen geblieben ist.

„In unserem Dorf leben 170 Familien. Die Hälfte von ihnen haben mehr als 85 Prozent ihres Weizens verloren. Ich würde sagen: Lediglich zehn Familien geht es gut, weil sie genug zu essen haben. Die anderen müssen befürchten, dass ihre Vorräte nicht reichen werden. Sie leihen sich Weizenmehl aus Geschäften oder von Freunden, Verwandten und Bekannten. 33 Männer sind bereits in den Iran oder nach Kabul gezogen.“   

Die Männer verlassen ihr Dorf, weil sie Arbeit und eine Einkommensquelle brauchen. Sie suchen nach einer Möglichkeit, ihren Familien zu helfen – und lassen ihre Liebsten dabei zurück.

Die meisten Menschen dieser Dorfgemeinschaft haben nicht einmal genug Vorräte, um einen einzigen Wintermonat zu überstehen. Mit der Unterstützung der Familien in dieser schweren Zeit, erhalten sie eine neue Perspektive.“

- Dorfältester im zentralen Hochland, Nov. 2016


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